G8 in Deauville Der Gipfel startet bester Laune

Fukushima, der Libyen-Krieg und die Finanzkrise: Die Staats- und Regierungschefs der G8 müssen beim Gipfel in Deauville Lösungen für die drängendsten Probleme der Welt finden. Doch zumindest den Beginn ihres Treffen gestalteten die Großen Acht unbeschwert.

REUTERS

Deauville - Gute Laune beim G-8-Auftakt in Deauville. Bei der Ankunft im französischen Badeort schienen die Staats- und Regierungschefs die heiklen Themen, mit denen sie sich beschäftigen werden, zu verdrängen. Gastgeber Nicolas Sarkozy scherzte mit Kanzlerin Angela Merkel und warf die Hände begeistert in die Luft. Gastgeberin Carla Bruni-Sarkozy zeigte ungeniert ihr Bäuchlein, schwieg aber zu den Gerüchten über eine Schwangerschaft.

US-Präsident Barack Obama und Kreml-Chef Dmitrij Medwedew begrüßte der Staatspräsident bestens gelaunt, obwohl beide mit halbstündiger Verspätung eintreffen. Auch Obama wirkte entspannt und ließ sich wie die anderen Chefs der Großen Acht von den Schaulustigen hinter den Absperrgittern fotografieren.

Doch es gibt viel zu tun in Deauville in den 25 Stunden, die der Gipfel dauern wird. Es geht um die stockende Aufbruchbewegung in Arabien, es geht um Internetkriminalität, den Hunger in Afrika, aber vor allem die Sicherheit der Atomreaktoren nach der Katastrophe in Fukushima.

Angela Merkel hatte es am Vormittag schon bei ihrer Regierungserklärung im Bundestag angekündigt, EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso stimmte später ein: Die EU dringt auf internationale Belastungstests für Atommeiler. "Wir wollen, dass die nuklearen Stresstests über Europa hinausgehen", forderte Barroso noch vor dem Auftakt des Gipfels.

Für die EU habe Nuklearsicherheit "absolute Priorität", stellt Barroso klar. "Wir wollen die höchsten Sicherheitsstandards." Die Stresstests für die Atommeiler sollen im Juni beginnen. Doch unter den G-8-Ländern USA, Japan, Kanada, Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Italien und Russland gibt es erhebliche Meinungsverschiedenheiten über die künftige Nutzung der Kernenergie. Angela Merkel ist mit ihrem Ausstiegskurs weitgehend isoliert. Sie wollte in Deauville die schwarz-gelbe Energiewende erläutern.

Zwar fordert auch Sarkozy einheitliche Sicherheitsstandards. Statt eines Ausstiegs setzt der G-8-Gastgeber und größte europäische Atomstromproduzent aber auf eine Stärkung der französischen Nuklearenergie. In den USA wird vermehrt über Atomkraft diskutiert, um unabhängiger von Öleinfuhren zu werden und den Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid (CO2) zu bremsen.

Druck auf Syrien

Auch Russland plant neue Atommeiler. Medwedew wollte nach Angaben aus Moskauer Delegationskreisen auf dem G-8-Gipfel Mechanismen vorschlagen, um schneller auf Katastrophen reagieren zu können. Der Kreml-Chef plädiere für strengere Normen beim Bau und Betrieb von Atomkraftwerken.

"Erklärung von Deauville" soll das Abschlusspapier heißen. Einzelheiten des Entwurfs wurden schon am Donnerstag bekannt. "Wir erkennen die Wichtigkeit, aus dem Unfall in Fukushima und seinen Folgen zu lernen", heißt es darin. Der Text trug auch dem deutschen Atomausstieg Rechnung. Die einzelnen Länder setzten die Atomkraft unterschiedlich ein, "einschließlich eines Einstiegs oder einen Ausstiegs".

Zweites großes Thema des ersten Gipfeltages sollte die Lage in der arabischen Welt sein. Die G8 fordern Syrien, das Merkel in ihrer Regierungserklärung als "Riesenproblemfall" bezeichnete, zu einem "Ende der Gewalt und der Einschüchterung" auf. Ein ähnlicher Appell erging laut Entwurf der Abschlusserklärung an den libyschen Machthaber Muammar al-Gaddafi. Das Thema Syrien ist unter den G8 umstritten, da Russland als Verbündeter des arabischen Landes gilt.

als/dpa/Reuters/DAPD

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leberknecht 26.05.2011
1. G 8 ? und der Rest der Welt!
Zitat von sysopFukushima, der Libyen-Krieg und die Finanzkrise: Die Staats- und Regierungschef der G8 müssen beim Gipfel in Deauville Lösungen für die drängendsten Probleme der Welt finden. Doch zumindest den Beginn ihres Treffen gestalteten die großen Acht unbeschwert. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,765116,00.html
wer gibt eigentliche diesen staaten das recht über die Welt zu herrschen und zu bestimmen? Wird hier nicht systematisch die UNO abgeschafft? Wie groß ist eigentlich der "Rest" der welt? ich bin der meinung: hier beginnt die Neuaufteilung der Welt. In arm und reich! wir da oben und ihr da unten! Es sieht schlimm aus für die welt,wenn solche typen ,wie Sarko, oba und berlo (natürlich i.A.) die weltpolitik bestimmen. Oh Gott!
ich schon wieder 26.05.2011
2. Na mal gut, dat se alle fröhlich sind.
Die Welt ansich kommt mir so zwar nicht fröhlich vor... aber das kann auch Ansichtssache sein und vom Ort des Betrachters abhängen. Allerdings kann ich mir nicht verkneifen gedankliche Parallelen zu ziehen zu dem Farmer in Louisiana vor mehr als 100 Jahren, der sich auch aufmachte den Rest der Welt zu retten... Schiffe losschickte um den armen Schwarzen übern großen Teich endlich zu 'ner anständigen Arbeit zu verhelfen. Die wollten erst nicht... aber das ging dann schon. G8 ansich ist dekadent und anmaßend durch und durch. Erstens weil hier offenbar die Katze über das Wohlergehen der Mäuse berät, zweitens weil das was denn da verabschiedet wird genausoviel Bestand hat wie Frosch ohne Teich in der Mittagssonne und drittens sich keine "Maus" in der Welt darum kümmert, was die "Katzen" beschließen. Für die ganze verbratene Kohle für so einen G8-Gipfel ein Krankenhaus irgendwo auf der Welt gebaut... so wäre es ok.
dennis4132 26.05.2011
3. Sachlich bleiben
Zitat von leberknechtwer gibt eigentliche diesen staaten das recht über die Welt zu herrschen und zu bestimmen? Wird hier nicht systematisch die UNO abgeschafft? Wie groß ist eigentlich der "Rest" der welt? ich bin der meinung: hier beginnt die Neuaufteilung der Welt. In arm und reich! wir da oben und ihr da unten! Es sieht schlimm aus für die welt,wenn solche typen ,wie Sarko, oba und berlo (natürlich i.A.) die weltpolitik bestimmen. Oh Gott!
Das sind die mächtigsten Staaten der Welt, ist ja logisch dass sie darum auch ein wenig mehr zu sagen haben. Und mal ganz ehrlich, Sie würden doch solch eine Vormachtstellung auch nutzen...
juxeii 26.05.2011
4. ...
Zitat von ich schon wiederDie Welt ansich kommt mir so zwar nicht fröhlich vor... aber das kann auch Ansichtssache sein und vom Ort des Betrachters abhängen. Allerdings kann ich mir nicht verkneifen gedankliche Parallelen zu ziehen zu dem Farmer in Louisiana vor mehr als 100 Jahren, der sich auch aufmachte den Rest der Welt zu retten... Schiffe losschickte um den armen Schwarzen übern großen Teich endlich zu 'ner anständigen Arbeit zu verhelfen. Die wollten erst nicht... aber das ging dann schon. G8 ansich ist dekadent und anmaßend durch und durch. Erstens weil hier offenbar die Katze über das Wohlergehen der Mäuse berät, zweitens weil das was denn da verabschiedet wird genausoviel Bestand hat wie Frosch ohne Teich in der Mittagssonne und drittens sich keine "Maus" in der Welt darum kümmert, was die "Katzen" beschließen. Für die ganze verbratene Kohle für so einen G8-Gipfel ein Krankenhaus irgendwo auf der Welt gebaut... so wäre es ok.
Das müsste aber ein großes Krankenhaus sein ;-)
ich schon wieder 26.05.2011
5. Neben meiner Abneigung gegen jemanden...
Zitat von dennis4132Das sind die mächtigsten Staaten der Welt, ist ja logisch dass sie darum auch ein wenig mehr zu sagen haben. Und mal ganz ehrlich, Sie würden doch solch eine Vormachtstellung auch nutzen...
... der irgendwie sagt ich solle "sachlich bleiben" weil das für mich immer ein Ausdruck von Inkompetenz und Verwirrtheit darstellt, ist Ihr Beitrag... sagen wir mal... nicht sehr zielführend. Zunächst einmal das Wort "Macht". Was meinen Sie denn, wie lange das Bestand hat, wenn sich, morgen 120 Millionen Schwarzafrikaner mit Booten auf den Weg nach Europa machen? Ich sag es Ihnen "keinen Bestand"! Die paar tausend die in Italien angelandet sind haben den Machtapperat Europa schon erschüttert. Aber auch ohne diese Invasion welche "Macht" der Länder in den Bündnissen die allerweil bestehen gibt es denn? Gibt es für Deutschland als Nettozahler der EU beispielsweise eine gesonderte Stellung innerhalb dieser? "Nein"! Wo also bitte haben irgendwelche vermeintlich Mächtigen was zu sagen so man das Völkerrecht einhält? Einzig die Wirtschaftsleistung wäre relevant... also die Fähigkeit, von dem was man hat was abgeben zu können. Das das nichts wird, hat die Vergangenheit dieser Gipfel gezeigt. Zu guter Letzt sei gesagt ...wo keine Vormachtstellung da ist, auch wenn man denkt man hätte sie, ist sie quasi auch nicht nutzbar. Fazit: das ist alles Kaperletheater mit den G8 Staaten
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