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26. November 2001, 22:29 Uhr

Gästeliste

Die Verhandler von Bonn

Von Holger Kulick

Die Uno hat die Gästeliste der Afghanistan-Konferenz veröffentlicht. Die Auswahl der Gruppen sei politisch repräsentativ zu betrachten und nicht unter ethnischen Aspekten erfolgt. An die vier Fraktionen sei appelliert worden, auch Frauen zu berücksichtigen, bislang sind unter den 61 teilnehmenden Afghanen aber nur vier Verhandlerinnen und zwei Beraterinnen zu finden.

Die Delegation der Nordallianz vor ihrem Abflug mit einer britischen Herkules bei Kabul
AFP

Die Delegation der Nordallianz vor ihrem Abflug mit einer britischen Herkules bei Kabul

Die Delegierten der vereinigten Kraft bzw. Nordallianz wurden am Montag extra von der britischen Royal Air Force eingeflogen. Die sicherlich machtvollste Gruppe auf dem Petersberg wird vom neu ernannten Innenminister der Nordallianz, Yunus Qanuni, geleitet. Nicht nach Bonn gekommen sind der westlich geprägte Außenminister Abdullah Abdullah oder der nominelle Führer der Nordallianz Burhanuddin Rabbani, der von vielen Staaten immer noch als offizieller Präsident Afghanistans angesehen wird. Er wurde 1992 gewählt und 1996 von den Kaliban-Milizen aus Kabul vertrieben. Als Konferenz-Teilnehmer wurden der Uno genannt:

Mr. Yunus Qanuni, Mr. Haji Abdul Qadir, Mr. Abas Karimi, Mr. Aref Noorzay, Mr. Hussain Anwari, Mr. Mustafa Kasimi, Mr. Natiqi, Mr. Hashim Fahimi, Ms. Amena Afzali, Mr. Abdullah Khan, Mr. Mirwais, Mr. S.A. Habqbin, Mr. Faisal Karim Aimaq, Mr. Amanullah Jaihoon, Mr. Zalmai Haquani, Mr. Ahmad Wali Massoud, Mr. Amami und neun weitere Berater.

Nur noch Symbolfigur? Exilkönig Zahir Schah
REUTERS

Nur noch Symbolfigur? Exilkönig Zahir Schah

Die so genannte Zypern-Gruppe vertritt Exil-Afghanen, die stark vom Iran beeinflusst sind. Sie ist nach der Insel Zypern benannt, weil sich die Gruppe hier visafrei zu Beratungen treffen konnte. Als einer ihrer Schlüsselfiguren galt bislang der Paschtune und ehemalige afghanische Premierminister Gulbuddin Hekmatjar, der seit Jahren im iranischen Exil lebt und der als verantwortlich für die Zerstörung Kabuls 1994 gilt. Hekmatjar lehnt die Konferenz aber als "amerikanisches Komplott" ab. Die Verbindung zu ihm weist die Gruppe aber weit als gezilete Verleumdung von sich, in der Mehrzahl sind ihre Mitglieder Professoren mit eher republikanischem Anspruch. In ihr sind alle Bevölkerungsgruppen Afghanistans vertreten.

Mr. Houmayoun Jareer, Dr. Mohammad Jalil Shams, Dr. Azizullah Ludin, Dr. Abdul Quadir Amiryar, Mr. Sayed Ishaq Gailani und fünf weitere Berater.

Schickt seinen Sohn Hamed: Pir Sayed Ahmad Gailani
REUTERS

Schickt seinen Sohn Hamed: Pir Sayed Ahmad Gailani

Die Peschawar-Gruppe vertritt paschtunische Stämme, die zum Teil stark von Pakistan aus beeinflusst werden. Die Paschtunen sind die stärkste afghanische Volksgruppe. Zu ihren Anführern zählt der frühere Mudschahidin-Anführer und gemäßigte Führer der Mahaz-i-Milli-Islami (Islamische Nationale Einheit), Pir Sayed Ahamad Gailani. Er hat seinen Sohn Hamed nach Bonn geschickt:

Sayed Hamed Gailani, Dr. Anwar-ul-Haq Ahadi, Mr. Hafizullah Asif Mohseni, Mr. Rahmatullah Muse Ghazi, Mr. Haji Ataullah Alkozai und zwei Berater.

Der "runde Tisch" vom Petersberg
DPA

Der "runde Tisch" vom Petersberg

Die Rom-Frankfurt-Bonn-Gruppe repräsentiert vor allem konservative Paschtunen, die dem ehemaligen König Zahir Schah nahe stehen. Er regierte von 1933 bis 1973, dann wurde er während eines Urlaubs in Europa vom Militär unter Mitwirkung der afghanischen kommunistischen Partei gestürzt. Jetzt ist er als Symbolfigur im Gespräch, die für eine Übergangszeit alle ethnischen Gruppen Afghanistans vereinen könnte. Auch der Enkel des Königs, Mostapha Zaher gehört zu der Fraktion, die den König auf jeden Fall als Staatsoberhaupt in der Übergangsphase durchsetzen will.

Prof. Abdul Sattar Sirat, Mr. Azizullah Wasefi, Mr. Heydayat Amin Arsala, Prof. Mohammad Ishaq Nadiri, Mrs. Sima Wali, Mrs. Rona Mansuri, Dr. Zalmai Rassoul, Dr. Mohammad Amin Farhang, Mr. Mostapha Zaher, General Abdul Rahim Wardak, Mr. Pacha Khan Dzadran und acht Berater.

Wer ist noch mit von der Partie?
AP

Wer ist noch mit von der Partie?

Beobachterstatus haben folgende Uno-Länder beantragt:

Belgien, China, Frankreich, Großbritannien, Indien, Die islamische Republik Iran, Italien, Japan, Kanada, Niederlande, Norwegen, Österreich, Pakistan, Korea, Die Russische Föderation, Türkei, USA, außerdem als Nicht-Uno-Mitglieder die Schweiz und die Europäische Union.

Deutschland gilt nur als Gastgeber, die Bundesregierung wurde aber von Uno-Sprecher Ahmed Fawzi immer wieder für seine hervorragende Vorarbeit "hinter den Kulissen" gelobt.

Der Uno-Sonderbeauftragte Lakhdar Brahimi
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Der Uno-Sonderbeauftragte Lakhdar Brahimi

Die Verhandlungen werden von elf Vertretern der Uno organisatorisch geleitet. Vorsitzender der Konferenz ist der algerische Botschafter Lakhdar Brahimi, er wurde am 3. Oktober 2001 von Uno-Generalsekretär Annan zu seinem Sonderbeauftragten für Afghanistan ernannt. Dies war er bereits von Juli 1997 bis Oktober 1999. Zuvor war der ehemalige algerische Finanzminister auch Uno-Sonderbeauftragter für Haiti und Südafrika.

Vor der Uno mahnte Brahimi am 13. November, "dass ein kollabierter und verarmter Staat wie Afghanistan einen Nährboden für bewaffnete Gruppen und Einzelpersonen bietet, die unsagbare Terrorakte im eigenen Land wie auch im Ausland planen und vorbereiten". Er appellierte, es "dem Volk Afghanistan zu zeigen, dass wir es dieses Mal nicht im Stich lassen werden und dass wir echte Solidarität und wahrhafte Großzügigkeit walten lassen werden".

Der Uno-Gesandte nach Afghanistan: Francesc Vendrell
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Der Uno-Gesandte nach Afghanistan: Francesc Vendrell

Brahimis Stellvertreter, der Spanier Francesc Vendrell, bereiste in den vergangenen Tagen Afghanistan um zahlreiche Vorgespräche mit afghanischen Stammesführern und Politikern zu führen. Er prägte den Begriff einer vorläufig notwendigen "diskreten ausländischen Präsenz" in Afghanistan", einem der Hauptverhandlungspunkte von Bonn um Stabilität in Afghanistan zu erreichen, damit eine stabile Übergangsadministration gebildet werden kann - als Grundvoraussetzung für technische, finanzielle und humanitäre Hilfe durch die Staaten der Uno.

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