Machtkampf in Gambia Armeechef bekennt sich zu abgewähltem Staatschef Jammeh

Gambias abgewählter Machthaber Yahya Jammeh habe weiter die volle Unterstützung des Militärs. Das versichert der Chef der gambischen Streitkräfte. Unterdessen floh der Leiter der Wahlkommission ins Exil.
General Ousman Badjie, Armeechef in Gambia, verspricht "seiner Exzellenz" die volle Unterstützung

General Ousman Badjie, Armeechef in Gambia, verspricht "seiner Exzellenz" die volle Unterstützung

Foto: © Afolabi Sotunde / Reuters/ REUTERS

Im westafrikanischen Kleinstaat Gambia geht das Kräftemessen zwischen dem abgewählten Präsidenten Yahya Jammeh und seinem designierten Nachfolger Adama Barrow weiter: Nun erklärte der Chef der gambischen Streitkräfte, Ousman Badjie, dem Autokraten Jammeh weiter die Treue zu halten.

Er wolle "seiner Exzellenz erneut die unnachgiebige Unterstützung durch ihn und die gambische Armee zusichern", schrieb der General in einem Neujahrsgruß an den Präsidenten, den die regierungsnahe Zeitung "Daily Observer" veröffentlichte .

Die Rolle der Armee ist im Machtkampf zwischen Jammeh und der Opposition entscheidend: Ohne die Unterstützung des Militärs wird sich der Machthaber nicht halten können. Gegen die Armee wird es für Wahlsieger Barrow schwer, am 19. Januar das Präsidentenamt anzutreten.

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Westafrika: Machtkampf in Gambia

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Die Gambier hatten Barrow am 1. Dezember mit klarer Mehrheit zu ihrem neuen Staatschef gewählt. Überraschend räumte Machthaber Jammeh, der Gambia seit 22 Jahren autoritär regiert, kurz danach seine Niederlage ein - nur, um das eine Woche später zu revidieren. Armeechef Badije hatte da bereits dem Wahlsieger Barrow seine Loyalität versichert, zog die Bekundung aber nach der Kehrtwende Jammehs ebenfalls zurück.

Leiter der Wahlkommission wohl in den Senegal geflohen

Mitte Dezember besetzte die Armee dann das Gebäude der Wahlkommission, die Barrow zum Sieger ausgerufen hatte. Jammeh verlangte eine Wiederholung der Wahl und sprach von "Fehlern" bei der Stimmauszählung. Außerdem reichte seine Partei beim Obersten Gericht Einspruch gegen das Wahlergebnis ein. Dessen Entscheidung soll am 10. Januar verkündet werden.

Am Dienstag nun floh der Leiter der Wahlkommission, Alieu Momar Njie, laut Aussage von Vertrauten aus Gambia in den benachbarten Senegal. Ein Verwandter des Wahlaufsehers sagte der Nachrichtenagentur AFP, Njie habe Informationen erhalten, wonach die Behörden gegen ihn und sein Team vorgehen wollten. Auch einige seiner Mitarbeiter hätten sich abgesetzt.

Jammeh regiert das Zwei-Millionen-Einwohner-Land Gambia seit 22 Jahren autokratisch. Er hatte sich 1994 an die Macht geputscht. Nichtregierungsorganisationen werfen seiner Regierung schwere Menschenrechtsverletzungen vor, darunter willkürliche Inhaftierungen von Oppositionellen und die Einschüchterung von Journalisten.

Nach der überraschenden Bekanntgabe des Wahlsieges Barrows hatten die gambischen Bürger das ersehnte Ende des Jammeh-Regimes frenetisch gefeiert (Fotostrecke). Die Opposition versprach, den Machthaber vor Gericht zu stellen. Rund um die Neujahrsfeierlichkeiten sollen jedoch mehrere Gambier, die T-Shirts mit der Aufschrift #GambiaHasDecided trugen, festgenommen worden sein. Drei Radiosender wurden von Sicherheitskräften geschlossen.

Mehrere europäische Länder, die USA, die Uno und auch die Staatschefs der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (Ecowas) hatten Jammeh im Dezember aufgefordert, das Wahlergebnis zu akzeptieren und abzutreten. Vertreter der Ecowas schlossen auch ein militärisches Eingreifen nicht aus. Jammeh nannte das in seiner Neujahrsansprache eine "Kriegserklärung".

cht/AFP/Reuters