Gambia Diplomatenpässe für kriminelle Deutsche?

Erst Guinea-Bissau, nun Gambia: Erneut haben nach SPIEGEL-Informationen dubiose deutsche Geschäftsleute afrikanische Diplomatenpässe erhalten. Darunter ist auch der gestrauchelte Profiboxer Mario Daser.


Die Affäre um afrikanische Diplomatenausweise für kriminelle Deutsche weitet sich nach SPIEGEL-Informationen aus. Neben dem Staat Guinea-Bissau ist nun auch Gambia betroffen. Dort haben die Vorgänge eine Regierungskrise ausgelöst, mehr als ein Dutzend Verdächtige wurden verhaftet.

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Heft 39/2019
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Der Hintergrund: Auf dubiose deutsche und europäische Geschäftsleute mit teils krimineller Vergangenheit wurden gambische Diplomatenpässe ausgestellt. Bei einigen handelt es sich um dieselben Männer, gegen die bereits die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt, darunter der justizbekannte Pleitier Andreas Brandl und der gestrauchelte Profiboxer Mario Daser.

Auch für einen Schweizer Millionärssohn, gegen den ein deutscher Haftbefehl vorliegt, wurde ein gambischer Diplomatenpass ausgestellt. Die drei waren den Ermittlern zunächst als Inhaber fragwürdiger diplomatischer Ausweise der Republik Guinea-Bissau aufgefallen.

Mehrere dieser Papiere hatte die Bundespolizei jedoch im Maiam Frankfurter Flughafen beschlagnahmt (SPIEGEL 38/2019). Wenige Wochen später wurden dann Pässe der Republik Gambia auf die Männer ausgestellt. Darin werden sie als gambische Staatsbürger und Sonderbotschafter ("Ambassador at Large") bezeichnet.

In Gambia wird nun laut Regierung auch gegen mutmaßlich korrupte Mitarbeiter des dortigen Außenministeriums ermittelt. In Deutschland hat die Polizei bereits Ende August drei in die Passaffäre verwickelte Männer verhaftet. Einer der Inhaftierten hatte 2018 Boris Becker zu einem afrikanischen Diplomatenposten verholfen, mit dem der Ex-Tennisstar erfolglos versuchte, seinem Insolvenzverfahren zu entgehen.

Dasers Anwalt wollte sich nicht zu den Vorwürfen äußern. Brandls Verteidiger teilte mit, sein Mandant könne sich die Ermittlungen gegen ihn nicht erklären. Er wolle "zu gegebener Zeit zu sämtlichen Vorwürfen Stellung nehmen".

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mgb/srö/wow



insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
fatal.justice 20.09.2019
1. Wie...
... muss ich mir das vorstellen? Klopft da ein Reichtumsflüchtling in Banjul an die Türen der Ortsverwaltung und erbittet Asyl? Oder erledigt das die Anwaltschaft, ohne dass die delinquenten
clkr 20.09.2019
2. @#1
Als Nichtflüchtling müssen Sie sich das gar nicht vorstellen. Bleiben Sie lieber brav in D, zahlen Ihre Steuern und Sozialabgaben (letztere, falls Sie nur gewöhnlicher Inländer und nicht etwa Staatsalimentarier sind) statt auf dumme Gedanken zu kommen. Sie lesen in dem Artikel doch: Die Bundespolizei kommt Ihnen sowieso auf die Schliche, kommt die. Alles finden die raus! Alles!
bernteone 21.09.2019
3. Da gibt es ein Vermittler
der kassiert eine dicke Provisionen und erledigt die Arbeit . Die sogenannten Diplomaten brauchen nicht mal in das Land zu reisen . Das 1. Mal habe ich von so was vor ca 10 Jahren gehört . Die genannten Länder und Käufer sind mit Sicherheit nicht die einzigen ist halt nur aufgeflogen weil es Prominente waren . So ein Diplomatenpass ist nicht nur bei der Srafverfolgung nützlich sondern auch für Straftaten , z.B. Schmuggel.
te36 21.09.2019
4. Steuern ueber alles
Tja, was soll man dazu sagen. Erstmal waere ich sehr neugierig was denn so ein offizieller falscher Pass kostet. Das haette ich jetzt von SPON erwartet. Und natuerlich ist das unfair, dass sich das nur die "Grosskopferten" die Steuerflucht leisten koennen. Gerade in Deutschland, wo die groessten Steuereinnahmen von regressiven Steuern kommen, die die Armen abzocken (e.g.: Mehrwertsteuer). Aber wie schon Jesus sagte: https://de.wikipedia.org/wiki/Gebt_dem_Kaiser,_was_des_Kaisers_ist Anders gesagt: Erst kommen die Steuern, dann kommt Gott. Das sollten auch unterbezahlte Beamte in Gambia langsam mal kapieren.
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