Machtwechsel in Gambia Ex-Präsident soll Staatskasse geplündert haben

Mindestens zwölf Millionen US-Dollar: Gambias abgewählter Präsident Jammeh soll sich vor seinem Gang ins Exil kräftig an der Staatskasse bedient haben. "Sie ist nahezu leer", sagt die neue Regierung.


In Gambia beschuldigt die neue Regierung den früheren Präsidenten Yahya Jammeh, vor seinem Abflug ins Exil noch einmal kräftig in die Staatskasse gegriffen zu haben. Wie am Sonntagabend aus dem Stab seines Amtsnachfolgers Adama Barrow verlautete, soll Jammeh in der Zeit nach seiner Wahlniederlage im Dezember und während des Streits über die Amtsübergabe mindestens 12 Millionen US-Dollar von der Zentralbank Gambias erhalten haben.

Barrows Top-Berater Mai Ahmad Fatty sagte: "Gambia ist in finanzieller Notlage. Die Staatskasse ist nahezu leer. Das haben Techniker des Finanzministeriums und der Zentralbank bestätigt."

Jammeh hatte Gambia am Samstag verlassen und war am Sonntag in seinem Exil im zentralafrikanischen Staat Äquatorialguinea eingetroffen. Sein Gepäck war mit einem zweiten Flugzeug transportiert worden. Anhänger Barrows kritisierten, dass Jammeh seine "Beute" in einer extra Maschine außer Landes bringen habe dürfen. Fatty bestätigte, dass in dieser zweiten Maschine Luxusgüter transportiert worden seien, darunter mehrere Autos.

Jammeh hatte den kleinen westafrikanischen Staat 22 Jahre lang mit harter Hand regiert. Nach seiner Abwahl am 1. Dezember vergangenen Jahres hatte sich der bisherige Präsident geweigert, seine Niederlage einzugestehen und sein Amt abzugeben. Erst angesichts der Drohung einer Entmachtung durch 7000 Mann starke Interventionstruppen aus Nigeria, Ghana, Togo und dem Senegal sowie nach Marathonverhandlungen mit Vertretern anderer westafrikanischer Staaten gab er nach.

max/dpa

insgesamt 8 Beiträge
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ertz1241 23.01.2017
1. die Mitnahmen
gehören wahrscheinlich zum ausgehandelten Deal mit den Nachbarstaaten, wobei die Summe eher klein erscheint, im Vergleich zu dem, was er über die Jahre beiseitegeschaft hat. Er befürchtet wohl, das diese Auslandskonten auffliegen könnten.
troy_mcclure 23.01.2017
2. War doch zu erwarten
Ich war ja schon überrascht, dass die afrikanischen Nachbarstaaten Ernst gemacht und Jammeh vertrieben haben.
rizzorat 23.01.2017
3. Standard oder?
Ich meine ich hab jetzt irgendwie nix anderes erwartet. Ein schwarzer "Präsident" mit dem Koran in der Hand, der 22 Jahre lang autokratisch regiert hat. Entweder er lebt im Exil in Saus und Brauß oder er wird im Exil seine Wiederkehr vorbereiten. Bestimmt hat im der heilige Prophet erzählt, dass er weiter regieren soll und er deswegen gar keine andere Wahlhat als sich zurück an die Macht zu putschen.... Ist in Schwarzafrika doch immer das selbe......und das schlimmste, die westlichen Regierungen hoffieren solche Leute Jahrzezehnte lang bis sie plötzlich unangenehm werden......
georg12 23.01.2017
4. Dabei ging es gut so los...
Kurz nach der Amtsübernahme von Jammeh war ich in Gambia. Er hatte kurzfristig alle korrupten Staatsbediensteten entlassen und ihren Besitz enteignet. Die Bevölkerung war voller Hoffnung, dass nun die Wende zum Besseren beginnen würde. Leider hat sich das als Fehler erwiesen.Mal wieder ist ein ehemaliges Staatsoberhaupt in Afrika unbescholten und mit der Staatskasse verschwunden.Man denke z.B. an Ben Ali, der mit 1,5 to Gold aus Tunesien floh.
Peletua 23.01.2017
5. So langsam...
So langsam wird es doch interessant zu erfahren, wer seine Hand über diesen Gangster hält und die neue Regierung erpresst hat, ihm ein skandalöses, erniedrigendes und für das Land finanziell ruinöses Zugeständnis nach dem anderen zu machen. Mugabe und andere afrikanische Potentaten, deren Gelder er in Verwahrung genommen haben soll, sind dafür nicht mächtig genug. Die Jammeh nachgesagten Kontakte zur südamerikanischen Drogenmafia könnten ein weiterer Hintergrund sein, der aber ebenfalls allein nicht tragen dürfte. Angst um den Frieden im Lande kann es auf Seiten der neuen Regierung eigentlich nicht gewesen sein, was sie zu solchen Schritten, bzw. zu solchen Unterlassungen getrieben hat. Es wäre den Ecowas-Truppen vermutlich nicht besonders schwer gefallen, nach Barrows Vereidigung ins State House zu spazieren, den Kerl da rauszuholen und ihn als Rebellen sowie aufgrund anderer schwerwiegender Verdachtsmomente festzusetzen. Ohne Blutvergießen, denn die Armee konnte und wollte Jammeh nicht mehr schützen. Stattdessen... Mittlerweile soll Jammeh ja in Äquatorialguinea bei seinem Ex-Amtskollegen Teodoro Obiang sein. Das passt wie die Faust aufs Auge: Zwei hartgesottene Diktatoren, Villen-Nachbarn in den USA, die sich seit langem kennen und fröhlich Tipps austauschen können. Hier kann seine Ex-Exzellenz mit den geklauten Geldern und Gütern bequem leben und gemütlich seine Rückkehr nach Gambia vorbereiten. Äquatorialguinea ist (öl)reich (und spätestens seit GWB eng verbandelt mit den USA). Sollte das Gerücht stimmen, dass auch vor der Küste Gambias (wie auch Senegals) ordentliche Ölvorkommen liegen, wäre das ein weiterer Grund für Jammeh, hier einen kurzen 'Studienaufenthalt' einzulegen. Jammehs internationale Konten einzufrieren und seine verdeckten finanziellen Verbindungen aufzudecken, wäre jetzt die einzige Möglichkeit, ihm beizukommen. Die Frage ist, ob das gewollt ist. Die merkwürdige Untätigkeit des Haager Gerichtshofs, dessen Chefanklägerin ausgerechnet eine ehemalige Justizministerin Jammehs ist, lässt vermuten, dass nicht.
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