Gambias Ex-Diktator Yahya Jammeh Autokrat, angeblicher Aids-Heiler - und Vergewaltiger?

Im Staatsfernsehen machte Gambias Ex-Machthaber Yahya Jammeh eine 18-Jährige zur Schönheitskönigin. Dann soll er sie vergewaltigt haben. Mehrere Frauen erheben ähnliche Vorwürfe. Der SPIEGEL hat mit einem mutmaßlichen Opfer gesprochen.

Gambias Ex-Präsident Yahya Jammeh
Jerome Delay/ AP

Gambias Ex-Präsident Yahya Jammeh

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Yahya Jammeh war 22 Jahre lang Diktator. Im westafrikanischen Gambia herrschte er als exzentrischer und grausamer Staatschef. Jammeh ernannte sich selbst zum Professor, Scheich und Wunderheiler für Aids und Asthma, politische Gefangene verurteilte er gnadenlos zum Tod. Seit zwei Jahren lebt er weiter südlich im Exil in Äquatorialguinea.

Nun kommen zu der langen Liste an mutmaßlichen Menschenrechtsverletzungen - darunter willkürliche Verhaftungen, Folter und Mord durch seine Sicherheitskräfte - weitere konkrete Vorwürfe gegen ihn hinzu: Drei Frauen werfen dem Ex-Staatschef vor, sie vergewaltigt zu haben.

Eine davon erklärte sich bereit, mit Foto und Klarnamen die Geschichte zu erzählen, wie sie ihr widerfahren sein soll: Fatou Toufah Jallow wurde mit 18 Jahren zur Schönheitskönigin von Gambia gekürt. Das war 2014. Ihr offizieller Titel: "Miss 22. Juli" - eine Reminiszenz an den Tag, an dem sich Jammeh Mitte der Neunzigerjahre an die Macht geputscht hatte.

Erst ein Heiratsantrag, dann die Vergewaltigung

Jallow gibt an, in den Monaten nach ihrer Ernennung zur Schönheitskönigin mehrfach vom damaligen Staatschef in den Präsidentenpalast eingeladen und beschenkt worden zu sein. Jammeh habe ihr einen Heiratsantrag gemacht, sie habe abgelehnt.

2015 habe der Präsident sie in einem Zimmer eingeschlossen, ihr eine Substanz gespritzt, die sie bewegungsunfähig gemacht habe, und sie vergewaltigt. Jallow flüchtete später in den Senegal.

Jammeh (r.) und die damals 18-jährige Fatou Toufah Jallow

Jammeh (r.) und die damals 18-jährige Fatou Toufah Jallow

Publik machte den Fall nun die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) in der gambischen Hauptstadt Banjul. HRW gibt an, man habe Jammeh in seinem Exil in Äquatorialguinea mit den Vorwürfen konfrontieren wollen.

"Jammeh behandelte die gambischen Frauen wie seinen Besitz"

Per E-Mail und Telefon habe man versucht, Jammehs Cousine zu erreichen, die dem Ex-Staatschef laut HRW geholfen haben soll, dem Machthaber junge Frauen zuzuführen. Eine Antwort aber habe man nicht erhalten.

"Jammeh behandelte die gambischen Frauen wie seinen Besitz", sagte ein HRW-Anwalt. Der Ex-Diktator und seine Mitarbeiter hätten für sexuelle Gefälligkeiten "auf Nötigung, Betrug und Gewalt gesetzt", heißt es zudem in einer Untersuchung von HRW und der Schweizer Nichtregierungsorganisation Trial International.

Ab 2016 war damit Schluss. Jammehs Regiment endete unblutig und überraschend an der Wahlurne. Herausforderer Adama Barrow hatte die Wahl klar gewonnen, Jammeh gratulierte zunächst.

Jammeh ist im Exil - sicher und reich

Dann stritt er die Niederlage wieder ab. Nach Wochen ergebnisloser Vermittlungsversuche floh der Diktator - mit im Reisegepäck: Luxusautos und Millionen Dollar.

Seine Wahlheimat Äquatorialguinea wird selbst von einer zweifelhafter Regierung geführt, die ihn sehr wahrscheinlich nicht ausliefern wird. Teodoro Obiang regiert den ölreichen Kleinstaat seit fast 40 Jahren.

Der Diktator zeigt keine Scheu, mit Gambias berüchtigtem Ex-Staatschef öffentlich zu feiern. Ein Facebook-Video dokumentiert, wie die beiden gemeinsam Silvester feierten und ausgelassen tanzten.

Jammeh dürften die neuen Vergewaltigungsvorwürfe erreicht haben. Gambias Justizminister Abubaccar M. Tambadou beglückwünschte Jallow öffentlich zu ihrem Mut, "der Welt ihre Geschichte zu erzählen und einen weiteren schwerwiegenden Vorwurf gegen Jammeh aufzudecken". Der ehemalige Präsident habe "seine Position als Staatschef zum Schaden vieler Gambier ausgenutzt".

Jallow sagte dem SPIEGEL, es sei "ermutigend, dass der Minister Überlebende sexueller Gewalt unterstützt". Und fügte hinzu: "Es ist wichtig, dass Frauen sich zu Wort melden, denn unser Schweigen ist für den Täter Jammeh Schutz und Vorteil."

Mutmaßliches Vergewaltigungsopfer: Fatou Toufah Jallow
Human Rights Watch

Mutmaßliches Vergewaltigungsopfer: Fatou Toufah Jallow

Das Justizministerium forderte derweil Gambias Frauen auf, sich zu melden, wenn auch sie zu Opfern des Ex-Staatschef geworden sein sollten. Eine mögliche Adresse: die Wahrheitskommission. Dort versucht man seit zwei Jahren, das düstere Erbe der Jammeh-Jahre aufzuarbeiten. Eine offizielles Auslieferungsersuchen gegen Jammeh will Präsident Barrow auch von ihren Erkenntnissen abhängig machen.

In die Ermittlungen der Wahrheitskommission sollen auch weitere Vorwürfe einfließen, die Human Rights Watch und Trial International gesammelt haben: Demnach umgab sich Jammeh häufig mit sogenannten "Protocol Girls" - jungen Frauen, die er persönlich als Assistentinnen auswählte. Auch sie soll er sexuell belästigt haben.

Anmerkung: In einer früheren Version des Textes hatten wir eine Frau zur Leitung des gambischen Justizministeriums gemacht. Justizminister ist aber Abubaccar M. Tambadou. Wir haben die Stelle korrigiert.

Mit Material von AFP

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insgesamt 5 Beiträge
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Papazaca 30.06.2019
1. Diktatoren und Ihre Hofmusiker
Ich habe mir schon die Augen gerieben, als ich sah wer das Foto gepostet hat: Koffi Olomide, einer der bekanntesten Musiker Afrikas. Wenn die Gage hoch genug ist, singt man für jeden. Und Koffi Olomide weiß sicher genau, was er da macht. Ja, ja, das Geld. Aber, das ist ja nicht ein ausschließliches Problem Afrikas: Für russische Oligarchen und zentralasiatische Diktatoren haben schon ganz andere gesungen.
Peletua 30.06.2019
2. Endlich...
Dass 'Prof. Dr.' Jammeh sich an zahlreichen Frauen vergangen haben soll, ist im Lande lange schon bekannt. Es ist ermutigend, dass Frau Jallow als Erste öffentlich über seine Übergriffe spricht. Hoffen wir, dass ihre Leidensgenossinnen ihrem Beispiel folgen. Ich verfolge sporadisch die Sitzungen der Wahrheitskommission, die von GRTS, dem gambischen öffentlich-rechtlichen TV, übertragen werden. Starker Tobak, bei dem man sich fragt, warum der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag nicht längst schon gegen Jammeh und seine Komplizen tätig geworden ist.
freidenker! 30.06.2019
3. Moral?
Die Moral von der Weltgeschichte ist, dass die Moral in dieser Welt nur als Trugbild erscheint. Dieser afrikanische Potentat zeigt dies nur zu gut. Idi Amin lässt grüßen ... Und die anderen Autokraten sind auch nicht besser. Der Mensch kann schlimmer sein als ein Tier.
dschungelmann 30.06.2019
4. @freidenker
Tiere sind nie berechnend und folgen nur ihrem Instinkt. Ich habe in meiner Laufbahn als Analytiker in etlichen Ländern gearbeitet. Was ich da sehen müsste spottet jeder Beschreibung. Man kann Menschen mit nichts vergleichen. Schon gar nicht mit Tieren. Das wäre eine Beleidigung....für die Tiere.
sherinadarr20 25.07.2019
5. Hört endlich auf Lügen über Yaya Jammeh zu verbreiten!
Ich finde es abscheulich welche Lügengeschichten über Yaya Jammeh verbreitet werden. Unter Ihm war Gambia ein reiches Land, alle hatten genug zu essen und es war friedlich. Nirgends musste man Angst haben. Keine Waffen im Land. Der gute Diktator wurde nun mit Hilfe der bösen UN aus seinem Land vertrieben, Social Media wurde dazu benutzt um seinen Namen in den Dreck zu ziehen und die Gambier zu manipulieren, damit Sie dem neuen, von der EU ausgewählten Präsidenten, zustimmen. Nun driftet Gambia zusehens in den Abgrund. Es gibt bewaffnete Überfälle, Morde, Demonstrationen seit Yaya Jammeh nicht mehr im Land ist. Die EU und UN beschönigt alles, nur weil sie die ganzen Rohstoffe aus Gambia haben wollen. Gierig und falsch wie immer. Der neue Präsident macht alles was die EU ihm sagt. Die EU kann alle Thunfisch abfischen, die Leute im Land haben selbst fast keinen Fisch mehr zum Essen. Alles wird jeden Tag teurer, das Land produziert keine Lebensmittel mehr selbst. Yaya Jammeh hatte grosse Farmen betrieben, die das ganze Land mit Nahrung versorgt haben. Die EU und UN machen nun auch dieses schöne und friedliche Land kaputt. Ich habe zum Glück noch in Gambia gewohnt als Yaya Jammeh an der Macht war und kenne das Land nun seit Adama Barrow es führt. Daher kann ich beurteilen was wirklich los war. Die Medien lügen und manipulieren die Gesellschaft!! Gerade vor zwei Tagen wurden zwei Menschen von der Polizei in Gambia ermordet. Erstochen, nahezu hingerichtet. Diese News wird aber nicht publik gemacht. Es wird nur über Yaya Jammeh geschimpft. Dabei sind die Zustände nun deutlich schlimmer und grausamer als vorher.
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