Gas vom Nachbarn Pakistan brüskiert USA mit Iran-Pipeline

Alle Drohungen aus Washington waren vergebens: Pakistan hat mit dem Bau einer Gas-Pipeline aus Iran begonnen. Die Staatschefs beider Länder trafen sich an der gemeinsamen Grenze - und bejubelten die sogenannte "Friedens-Pipeline".
Staatschefs Ahmadinedschad, Zardari: Gigantisches Bauprojekt

Staatschefs Ahmadinedschad, Zardari: Gigantisches Bauprojekt

Foto: ATTA KENARE/ AFP

Islamabad/Teheran - Die Bauarbeiten laufen - aller drohender US-Sanktionen zum Trotz. Die südasiatische Atommacht Pakistan hat offiziell mit dem Bau einer Gas-Pipeline aus dem benachbarten Iran begonnen. Am Grenzort Chabahar trafen sich am Montag die Präsidenten Pakistans und Irans, Asif Ali Zardari und Mahmud Ahmadinedschad, zu einer Zeremonie, wie iranische Staatsmedien berichteten.

Auf der iranischen Seite ist die "Friedens-Pipeline" bereits fertig gestellt, immerhin 1150 Kilometer. Die Kosten für den pakistanischen Teil werden nach Angaben des dortigen Staatssenders PTV auf 1,5 Milliarden Dollar geschätzt, wovon Iran ein Drittel trägt.

Auch die Eckdaten für den pakistanischen Teil der Leitung lassen auf ein gewaltiges Bauprojekt schließen: ein 775 Kilometer langes Rohr, Durchmesser mehr als ein Meter, 350.000 Tonnen Stahl. Ab 2014 soll Gas fließen.

Lange hatten die USA Islamabad gedrängt, auf den Import von Gas aus Iran zu verzichten. Iran ist wegen seiner angeblichen Bestrebungen, eine Atombombe zu bauen, international mit Sanktionen belegt. Und Pakistan, ein nicht ganz einfacher, aber wichtiger Anti-Terror-Partner, ist von milliardenschweren Finanzhilfen aus Washington abhängig. Präsident Zardari hat bereits erklärt, die Gas-Pipeline bleibe unberührt von Sanktionsbeschlüssen der Vereinten Nationen.

Pakistan ist wegen der eigenen Energieknappheit dringend auf das iranische Gas angewiesen. Nach Angaben der Regierung in Islamabad fehlen dem Land derzeit Stromkapazitäten in Höhe von etwa 5500 Megawatt. Und da die Bevölkerung rasant wächst und immer mehr Menschen sich Elektrogeräte leisten können, wird der Mangel sich bis 2020 mehr als verdoppeln.

Geplanter Verlauf der Pipeline: Der lange Weg des Gases

Geplanter Verlauf der Pipeline: Der lange Weg des Gases

Foto: DER SPIEGEL
jok/dpa