Gasprom-Deal Moskau applaudiert dem Genossen Schrjoder
Moskau - Sein Engagement für die Gaspipeline durch die Ostsee hat ihm in Moskau zusätzlich Ansehen verschafft. Die öffentliche Aufregung in Deutschland, im Baltikum und in Polen über Schröders Aufsichtsratsjob bei der North European Gas Pipeline Company wird in Russland eher amüsiert bis verwundert registriert. "Schrjoder" gilt bei russischen Politikern und Geschäftsleuten weithin als "Molodjez" - ein feiner Kerl, mit dem man etwas anfangen kann.
Dass die Empörung über Schröders geplantes Aufsichtsrats-Engagement vor allem bei den polnischen und baltischen Politikern besonders laut ausfällt, die für ihre antirussische und USA-freundliche Haltung bekannt sind, kann die russische Zuneigung zu "Schrjoder" nur verstärken. Schon das Wort des polnischen Ex-Präsidenten Alexander Kwaszniewski vom "Pakt Schröder Putin", eine gewollte Anspielung auf den Hitler-Stalin-Pakt zur Aufteilung Polens im Jahre 1939, weckt bei russischen Beobachtern den Verdacht, der westslawische Nachbar leide unter Hysterie. Für polnische Kritik an der deutsch-russischen Nähe hat in Russkand kaum jemand Verständnis. In Moskau verspürt man kein grosses Bedürfnis, sich bei der Zusammenarbeit mit den Deutschen auf polnische, lettische oder litauische Mittler zu stützen.
Bewährte Kaderpolitik
Auch den Ruf der neuen Kanzlerin Angela Merkel nach einer Debatte um einen "Ehrenkodex" für geschäftstüchtige Politiker nimmt man in Moskau eher als bizarren Ausdruck deutscher Strenge wahr. Dass Politiker zulangen, so gut und so lange es geht, gilt im Nachwende-Moskau als stiller Konsens, den der Staatsanwalt meist nur dann stört, wenn jemand politisch zu sehr gegen den Stachel löckt. Nur die Kreml-kritische Tageszeitung "Kommersant" spottet über den Lobbyisten Schröder: "Die unerwartete Beschäftigung, die sich für den Ex-Kanzler fand, bedeutet, dass die in Russland bewährte Kaderpolitik Verbreitung auch im Westen findet: das Gas-Projekt werden nur Figuren leiten, die persönlich dem russischen Präsidenten zu Willen sind."
Nüchtern konstatiert das Moskauer Wirtschaftsblatt "Wedomosti", der frühere Kanzler habe "schon lange sein Schicksal mit Russland verbunden" und zitiert zur russischen Interessenlage einen ungenannten Manager des Konzerns "Gasprom": Die Ostsee-Pipeline sei "ein für uns wichtiges politisches Projekt, das Leute mit Autorität und Gewicht in internationalen Kreisen leiten müssen".
Schröder als Pionier
Die regierungsnahe "Iswestija" hat zum Thema einen Beitrag des Russland-Spezialisten der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, Alexander Rahr, veröffentlicht. Der Russland-Kenner stellt das Röhrenprojekt in einen geopolitischen Kontext. Russland als "strategischen Partner" in die Europäische Union zu integrieren, sei "eine Aufgabe des 21. Jahrhunderts". Schröder habe in diesem Zusammenhang eine "grosse Pionierarbeit begonnen". Ein Verzicht auf das Pipeline-Projekt, wie ihn etwa polnische Politiker ersehnen, bedeute , "Russland nach Asien, nach China zu stoßen". Das aber, warnt Rahr, könne weder im Interesse Russlands noch Europas sein.