Gasvorkommen im Mittelmeer Türkei und Zypern streiten um Bodenschätze

Wettbohren im Mittelmeer: Zypern bohrt auf der Suche nach Öl und Gas eifrig vor der eigenen Küste. Die Türkei zeigt sich wenig begeistert und erhebt ihrerseits Ansprüche auf die Bodenschätze der Tiefe. Ein eigenes Bohrteam soll losgeschickt werden.


Nikosia - Neuer Streit am östlichen Mittelmeer: Die US-Firma Nobel Energy hat im Auftrag der griechischen Zyprer damit begonnen, in dem Gebiet um die geteilte Mittelmeerinsel nach Energievorkommen zu bohren - begleitet von Protesten der Türkei. Der türkische Energieminister Taner Yildiz nannte es gar eine "Provokation". Doch Ankara reagierte schnell - und will nun seinerseits Kanonenboote und eigene Bohrteams auf Kurs bringen.

Hintergrund des eskalierenden Streits ist die Teilung der Insel. Im Norden gibt es seit einer türkischen Militärintervention 1974 die international nur von der Türkei anerkannte Türkische Republik Nordzypern. Im Süden liegt die Republik Zypern, die aber die ganze Insel international vertritt und auch Mitglied der EU ist.

Die Republik Zypern hat mit den Mittelmeer-Anrainern Libanon, Israel und Ägypten Abkommen über sogenannte Ausschließliche Wirtschaftszonen geschlossen. Damit wurden - vereinfacht gesagt - am Meeresboden Grenzen gezogen. In den so festgelegten Gebieten erhalten die angrenzenden Staaten besondere Rechte, wie die Ausbeutung von Öl- und Gasvorkommen. "Wir halten uns an das internationale Recht und nichts anderes", sagt eine Mitarbeiterin des zyprischen Außenministeriums der Nachrichtenagentur dpa.

Ankara ist empört, dass die griechische Seite nun mit der Ausbeutung von Bodenschätzen beginnt, noch bevor es zu einer Friedenslösung zwischen Griechen und Türken auf der Insel kommt. Es gehe nicht grundsätzlich um die Souveränität in diesem Gebiet des Mittelmeeres, sagte ein Sprecher des türkischen Außenministeriums. "Aber die Bodenschätze sollten zum Nutzen beider Seiten erschlossen werden."

Echte Krise zwischen Türkei und EU

Noch in dieser Woche will die Türkei nun zusammen mit der nur von ihr protegierten Türkischen Republik Nordzypern in dem Gebiet selber nach Öl und Gas suchen. Dazu will Ankara mit den türkischen Zyprern ein eigenes Abkommen über den Verlauf der Grenze am Meeresboden schließen. Die staatliche türkische Ölgesellschaft TPAO soll die Suche leiten, zunächst mit einer seismischen Untersuchung. "Der genaue Ort steht noch nicht fest, aber es wird zwischen den türkischen Küste und der Küste Zyperns sein", sagt ein Sprecher des Energieministeriums.

Die angekündigte verstärkte Präsenz von türkischen Seestreitkräften lässt den Streit brenzliger werden. Doch da eine US-Firma die Bohrrechte im sogenannten Block 12 der Wirtschaftszone Zyperns hat, wird Ankara sich mit weiteren militärischen Drohgebärden wohl zurückhalten müssen.

Politisch aber können die jüngsten Vorfälle die Fronten im Streit um die geteilte Mittelmeerinsel noch verhärten. "Wenn es bei den Friedensverhandlungen keine Lösung gibt und die EU ihre rotierende Präsidentschaft an den Süden Zyperns gibt, wird es zwischen der Türkei und der EU eine echte Krise geben", sagte Vizeregierungschef Besir Atalay bei einem Besuch im Norden Zyperns. "Denn dann werden wir unsere Beziehungen zur EU einfrieren."

Die Republik Zypern soll turnusmäßig Mitte 2012 die EU-Ratspräsidentschaft für ein halbes Jahr übernehmen.

aar/dpa



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Mr.Threepwood 20.09.2011
1. rohstoffe?
habe ich das jetzt richtig verstanden. die türkei hat einen teil von zypern 1974 illegal annektiert/okkupiert. der wohl international nicht anerkannt wird/wurde(nordzypern)? vor einiger zeit fand man dort erdgasvorkommen die die eu 150 jahre versorgen könnten.(habe ich mal gelesen vor einiger zeit) "Es gehe nicht grundsätzlich um die Souveränität in diesem Gebiet des Mittelmeeres, sagte ein Sprecher des türkischen Außenministeriums. "Aber die Bodenschätze sollten zum Nutzen beider Seiten erschlossen werden."" wenn das kein fall für die nato ist!? und warum erscheint mir der arabische frühling gerade unter einem verdammt ökonomischen gesichtspunkt?
FreakmasterJ 20.09.2011
2. Diplomatische Lösung wäre sinnvoll
Zitat von Mr.Threepwoodhabe ich das jetzt richtig verstanden. die türkei hat einen teil von zypern 1974 illegal annektiert/okkupiert. der wohl international nicht anerkannt wird/wurde(nordzypern)? vor einiger zeit fand man dort erdgasvorkommen die die eu 150 jahre versorgen könnten.(habe ich mal gelesen vor einiger zeit) "Es gehe nicht grundsätzlich um die Souveränität in diesem Gebiet des Mittelmeeres, sagte ein Sprecher des türkischen Außenministeriums. "Aber die Bodenschätze sollten zum Nutzen beider Seiten erschlossen werden."" wenn das kein fall für die nato ist!? und warum erscheint mir der arabische frühling gerade unter einem verdammt ökonomischen gesichtspunkt?
Ja, das ist eine lange und alte Geschichte in die offensichtlich auch die USA und GB seinerzeit verwickelt waren. GB besitzt auf Süd-Zypern (immer noch) mehrere Militärstützpunkte und somit ist die Insel für die "Stabilität" des östlichen Mittelmeerraums für GB von Bedeutung. Oder anders ausgedrückt: GB will im Falle einer Krise im Nahen Osten von dort aus mitspielen können. Zur Teilung der Insel kam es als der griech. Diktator (welche Grossmacht hat den seinerzeit wohl gesponsert???) 1974 meinte auf Zypern putschen zu müssen und die türk. Seite meinte ihre türk.stämmige Bevölkerung bzw. ihre Interessen wahren zu müssen. Seither ist der Nordteil besetzt und der Südteil international als unabhängig anerkannt. Alle bisherigen diplomatischen Bemühungen und Vermittlungsversuche scheiterten und nun droht der Konflikt weiter zu eskalieren, weil die Zyprioten sich mit den südlichen und östlichen Anliegerstaaten über die Ressourcennutzung geeinigt haben und Israel und Griechenland das Vorhaben unterstützen. Zudem anerkennt die Türkei die Republik Zypern nicht an und somit auch deren EU-Ratspräsidentschaft ab kommenden Juli. Übrigens wird sich die Nato hüten, da direkt mitzumischen. USA und GB haben ein grosses militärisches Interesse mit allen beteiligten gut Freund zu spielen… wegen den Militärbasen, die sie in der Türkei, Griechenland und Zypern unterhalten dürfen und wegen Israel, welches übrigens ebenfalls in der Nachbarschaft nach Ressourcen sucht, womit die Türkei auch nicht einverstanden ist.
atherom 20.09.2011
3. Haben Sie wirklich geglaubt, dass Erdogan
Zitat von Mr.Threepwoodhabe ich das jetzt richtig verstanden. die türkei hat einen teil von zypern 1974 illegal annektiert/okkupiert. der wohl international nicht anerkannt wird/wurde(nordzypern)? vor einiger zeit fand man dort erdgasvorkommen die die eu 150 jahre versorgen könnten.(habe ich mal gelesen vor einiger zeit) "Es gehe nicht grundsätzlich um die Souveränität in diesem Gebiet des Mittelmeeres, sagte ein Sprecher des türkischen Außenministeriums. "Aber die Bodenschätze sollten zum Nutzen beider Seiten erschlossen werden."" wenn das kein fall für die nato ist!? und warum erscheint mir der arabische frühling gerade unter einem verdammt ökonomischen gesichtspunkt?
irgendwelches Interesse für die Palästinenser, oder "arabischen Frühling" hat? Es ging vom Anfang an um Gas und Öl. Die Türkei schickt Kriegsschiffe, Zypern, Griechenland und Israel haben einen Nichtangriffspakt geschlossen. Rußland dürfte dem orthodoxen Griechenland beistehen (wohl trotz der Geschäftsbeziehungen Erdogan-Putin) und es wird mit einem Vergleich enden: die Türkei wird ihren Amoklauf im Nahen Osten beenden und dafür, quasi im wohl kalkulierten Gegenzug, irgendwelche Bohrrechte erhalten.
alcaselzar 20.09.2011
4. Das was da so harmlos
Zitat von FreakmasterJJa, das ist eine lange und alte Geschichte in die offensichtlich auch die USA und GB seinerzeit verwickelt waren. GB besitzt auf Süd-Zypern (immer noch) mehrere Militärstützpunkte und somit ist die Insel für die "Stabilität" des östlichen Mittelmeerraums für GB von Bedeutung. Oder anders ausgedrückt: GB will im Falle einer Krise im Nahen Osten von dort aus mitspielen können. Zur Teilung der Insel kam es als der griech. Diktator (welche Grossmacht hat den seinerzeit wohl gesponsert???) 1974 meinte auf Zypern putschen zu müssen und die türk. Seite meinte ihre türk.stämmige Bevölkerung bzw. ihre Interessen wahren zu müssen. Seither ist der Nordteil besetzt und der Südteil international als unabhängig anerkannt. Alle bisherigen diplomatischen Bemühungen und Vermittlungsversuche scheiterten und nun droht der Konflikt weiter zu eskalieren, weil die Zyprioten sich mit den südlichen und östlichen Anliegerstaaten über die Ressourcennutzung geeinigt haben und Israel und Griechenland das Vorhaben unterstützen. Zudem anerkennt die Türkei die Republik Zypern nicht an und somit auch deren EU-Ratspräsidentschaft ab kommenden Juli. Übrigens wird sich die Nato hüten, da direkt mitzumischen. USA und GB haben ein grosses militärisches Interesse mit allen beteiligten gut Freund zu spielen… wegen den Militärbasen, die sie in der Türkei, Griechenland und Zypern unterhalten dürfen und wegen Israel, welches übrigens ebenfalls in der Nachbarschaft nach Ressourcen sucht, womit die Türkei auch nicht einverstanden ist.
klingt, hat für die Menschen auf Zypern viele unangenehme Folgen gehabt.
aeronaut79 20.09.2011
5. Wer findet Ironie?
Gehört alles der Türkei. Gehörte schon immer der Türkei, Zypern gehört der Türkei. Die Türkei ist die neue Weltmacht, die größte Weltwirtschaft der Welt, und auch gar kein bisschen auf einer Kreditblase aufgebaut. Wen Zypern gegen die türkischen Interessen handelt, dann handelt Zypern gegen die Menschenrechte.
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