Gaza-Abzug Zehntausende Israelis beten für Scheitern

In wenigen Tagen soll der Abzug aus dem Gaza-Streifen beginnen. Zehntausende Israelis haben an der Klagemauer in Jerusalem dagegen protestiert – mit Gebeten. Weitere Zugeständnisse nach der Siedlungsräumung schloss Ministerpräsident Scharon indes aus.


Widerstand gegen den Gaza-Abzug: Israelis beten an der Klagemauer
REUTERS

Widerstand gegen den Gaza-Abzug: Israelis beten an der Klagemauer

Jerusalem - "Genau wie in Sodom hat die Regierung eine Maßnahme beschlossen, die wider die Moral ist", sagte ein Rabbi unter Bezug auf die Bibelstelle über eine Stadt, die wegen der Sünden ihrer Bewohner vernichtet wurde. Viele Israelis halten es für einen Verstoß gegen die Religion, dass Ministerpräsident Ariel Scharon ab kommender Woche alle jüdischen Siedlungen im Gaza-Streifen und vier von 120 im Westjordanland räumen lassen will.

Israels Staatsoberhaupt Mosche Katzav dagegen forderte die Siedler in einer Radio- und Fernsehansprache auf, keine "extremistischen Stellungnahmen" gegen den Abzug abzugeben. Diese könnten sonst wie bei dem Attentat auf den israelischen Ministerpräsidenten Izchak Rabin 1995 durch einen ultranationalistischen Juden falsch interpretiert werden. Dennoch bat er die Siedler um Vergebung, dass sie ihre Häuser verlassen müssen. Die Wut darüber dürfe aber nicht Israel spalten.

Trotz ihres öffentlichen Widerstandes haben viele Siedler bereits ihre Sachen in die Container gepackt, die ihnen die Armee für den Umzug zur Verfügung gestellt hat. Allein aus Morag, einer als besonders radikal geltenden Gaza-Siedlung mit 221 Einwohnern, wurden am Mittwoch mindestens 20 Behälter abtransportiert. "Ich warte, bis die Behörden mich rausschmeißen, aber warum sollte ich meinen ganzen Besitz dabei verlieren? Ist es nicht genug, dass ich mein Haus verliere?" sagte ein Siedler.

Die Räumung soll am Mittwoch beginnen. Es ist das erste Mal, dass Israel Gebiete räumt, die Palästinenser für einen eigenen Staat beanspruchen.

Nach Gaza-Abzug keine Zugeständnisse mehr

Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon hat weitere Schritte im Bemühen um einen Frieden im Nahen Osten über den Abzug aus dem Gaza-Streifen hinaus ausgeschlossen. Die großen jüdischen Siedlungsblöcke im besetzten Westjordanland würden weiter existieren und auf dem Landweg mit Israel verbunden bleiben, sagte Scharon im israelischen Fernsehen.

Weiterhin werde er nicht über den Status des geteilten Jerusalem verhandeln. Auch eine Rückkehr der 1948 aus dem damaligen Palästina geflüchteten Palästinenser stehe nicht zur Debatte. Dies habe er auch US-Präsident George W. Bush und europäischen Spitzenpolitikern klar gemacht.



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