Gaza Israel beantwortet Anschlag mit Militäraktion

Nach dem gestrigen Bombenanschlag auf einen Kontrollpunkt bei Jerusalem sind israelische Truppen erneut gegen militante Palästinenser vorgegangen. Die israelische Armee rückte mit Panzern und Planierraupen in den Gaza-Streifen ein und begann im Flüchtlingslager Rafah mit der Zerstörung von Häusern.


Tel Aviv/Jerusalem - Bei der Militäroperation gestern Abend feuerten Kampfhubschrauber in Rafah auch zwei Raketen auf ein leeres Gebäude ab. Die Raketen sollten örtliche palästinensische Kämpfer davon abhalten, sich den israelischen Einheiten zu nähern. Berichte über Opfer lagen nicht vor. In israelischen Militärkreisen war von einer Aktion gegen "terroristische Infrastrukturen" die Rede. Augenzeugen sagten, die israelischen Soldaten hätten die Bewohner aufgefordert, die Häuser zu verlassen, daraufhin hätten die Planierraupen mit der Zerstörung von Häusern begonnen. Eine Planierraupe habe die Wand eines Hauses eingedrückt, als Mitglieder einer Familie noch im Haus gewesen seien. Es habe allerdings keine Opfer gegeben.

Stunden zuvor hatte ein Palästinenser einen Bombenanschlag auf einen israelischen Kontrollpunkt nördlich von Jerusalem verübt. Der Attentäter habe eine Tasche mit der Bombe am Straßenrand abgestellt und den Sprengsatz ferngezündet, als israelische Polizisten die Tasche kontrollieren wollten, sagte der israelische Polizeisprecher Gil Kleimann. Zwei in ihren Autos wartende Palästinenser wurden getötet, als ihre Wagen in Flammen aufgingen. Etwa 20 Menschen, darunter sechs israelische Polizisten, seien verletzt worden, berichteten Ärzte und Polizei.

Zu der Tat bekannten sich die al-Aksa-Brigaden der Fatah-Bewegung von Palästinenserpräsident Jassir Arafat. Eine entsprechende Erklärung des Anführers der Brigaden in Dschenin wurde im israelischen Fernsehen verlesen.

Im Zusammenhang mit dem Anschlag wurde am Abend im Westjordanland ein Palästinenser festgenommen. Polizeisprecher Kleiman wollte dazu jedoch keine weiteren Einzelheiten nennen. Bei Zusammenstößen in der Stadt Nablus erschossen israelische Soldaten einen 20-jährigen Palästinenser.

Die Gewalt im Gaza-Streifen hat sich seit der Veröffentlichung israelischer Pläne zur Räumung des seit 1967 besetzten Gebiets verstärkt. Das Militär geht mit entschiedener Härte vor, um eine weitere Eskalation von Anarchie und Gewalt im Gaza-Streifen zu verhindern.



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