Gaza Israel fliegt Vergeltungsangriffe gegen die Hamas

Israel und die radikal-islamische Hamas haben die Waffenruhe im Gazakonflikt erneut verletzt. Nur Stunden nach dem Beschuss Südisraels mit palästinensischen Raketen griff Israel eine Polizeistation und Tunnelanlagen im Gaza-Streifen an.

Gaza/Tel Aviv - Sieben Tunnel nach Ägypten und eine Polizeistation im Zentrum von Gaza waren die Ziele der neuerlichen israelischen Angriffe. Die von der Hamas geleitete Polizeistation stand Medienberichten zufolge zum Zeitpunkt des Angriffs leer, es wurde niemand verletzt. Das Gebäude wurde komplett zerstört.

Ruinen in Gaza: Die israelische Armee übte in der Nacht Vergeltung für Angriffe der Hamas

Ruinen in Gaza: Die israelische Armee übte in der Nacht Vergeltung für Angriffe der Hamas

Foto: AP

Auch die Tunnel sollen komplett zerstört worden sein. Hunderte am Bau der Schmugglerpfade beteiligte Palästinenser flohen demnach auf die ägyptische Seite. Opfer wurden auch hier nicht gemeldet. Die israelischen Behörden sollen die Anwohner vor der Angriffserie über ihre Mobiltelefone gewarnt und sie aufgefordert haben, sich in Sicherheit zu bringen. Israel beschuldigt die Palästinenser, durch Tunnel Waffen in den Gazastreifen einzuschmuggeln.

Die Lage im Gazastreifen ist zwei Wochen nach Beginn einer Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas weiter extrem angespannt. Militante Palästinenser im Gazastreifen hatten den Raketenbeschuss israelischer Ortschaften auch am Sonntag fortgesetzt. Ein Militärsprecher bestätigte, es seien insgesamt fünf Kassam-Raketen und acht Mörsergranaten abgefeuert worden. Zwei Soldaten und ein Zivilist seien verletzt worden. Bereits am Samstag war eine aus dem Gazastreifen abgefeuerte Grad-Rakete nahe der Küstenstadt Aschkelon eingeschlagen.

Der scheidende israelische Ministerpräsident Ehud Olmert hatte am Sonntag eine harte Reaktion auf den Beschuss Südisraels mit palästinensischen Raketen angekündigt. Olmert sagte während der wöchentlichen Kabinettssitzung in Jerusalem: "Wenn die Bürger im Süden Israels beschossen werden, wird die israelische Reaktion hart sein." Man werde "nicht zu den alten Spielregeln zurückkehren, die die Terrororganisationen uns aufzwingen wollten". Er habe Verteidigungsminister Ehud Barak angewiesen, die Armee für eine Reaktion vorzubereiten.

Israels Verteidigungsminister Ehud Barak und Außenministerin Zipi Livni stritten derweil über die Strategie für einen Waffenstillstand im Gazastreifen. Barak bezeichnete es bei der wöchentlichen Kabinettssitzung in Jerusalem nach Angaben seines Ministeriums als realitätsfern zu glauben, dass eine Waffenruhe und ein Ende des Waffenschmuggels ohne Vermittlung Ägyptens möglich wären. Livni lehnte hingegen jegliche Verhandlungen mit der Hamas ab. Livni und Barak treten bei den Wahlen am 10. Februar in Israel gegeneinander an. Die Außenministerin ist Spitzenkandidatin der Kadima-Partei, Barak führt die Arbeitspartei an.

Die ägyptische Regierung versucht derzeit, in separaten Gesprächen mit Israel und der Hamas die Bedingungen für eine dauerhafte Waffenruhe auszuhandeln. Der hochrangige Hamas-Vertreter Ahmed Jussef sagte, die Gespräche bewegten sich in eine "positive Richtung". Die Hamas soll angeblich einem ägyptischen Vorschlag zugestimmt haben. Das berichtete der arabische Sender al-Arabija am Sonntag.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, dessen Sprecher von einem "Durchbruch" sprach, will nach Angaben palästinensischer und ägyptischer Nachrichtenagenturen an diesem Montag mit dem ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak in Kairo zusammentreffen. Eine geplante Reise nach Tschechien habe er deswegen bereits verschoben. Einzelheiten zu dem ägyptischen Friedensplan sind bisher nicht bekannt.

Seit Ausrufung einer Waffenruhe nach der blutigen israelischen Offensive im Gazastreifen vor zwei Wochen war es mehrmals zu vereinzelten Angriffen auf Israel gekommen. Mit dem dreiwöchigen Militäreinsatz, bei dem etwa 1300 Palästinenser getötet wurden, wollte Israel ein Ende des Raketenbeschusses erreichen.

ler/dpa/AFP
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