Gaza Israels Armee weitet Angriffe aus

Die israelische Luftwaffe hat ihre Angriffe auf militante Palästinenser im Gazastreifen ausgeweitet. Am fünften Jahrestag der Intifada attackierten Kampfhubschrauber, Kampfflugzeuge und Artilleriegeschütze in der Nacht mehrere Ziele.


Raketen auf Gaza-Stadt: Israel verstärkt Angriffe gegen militante Palästinenser
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Raketen auf Gaza-Stadt: Israel verstärkt Angriffe gegen militante Palästinenser

Gaza - Verletzt wurde dabei offenbar niemand. Die israelische Armee reagiert seit dem Wochenende mit Luftangriffen und Festnahmen radikaler Palästinenser auf eine Serie palästinensischer Raketenangriffe auf israelische Ortschaften nahe dem Gazastreifen. Der Beginn der palästinensischen Intifada jährt sich heute zum fünften Mal.

Die nächtlichen Angriffe der israelischen Luftwaffe richteten sich gegen ein Büro der Fatah-Organisation im Tuffah-Viertel von Gaza, einen Stützpunkt des allgemeinen Sicherheitsdienstes im Südwesten der Stadt sowie auf ein Gebäude im Lager Bureidsch im Zentrum des Gazastreifens, das von der Volksfront zur Befreiung Palästinas genutzt wurde. Eine Sprecherin der israelischen Armee sagte, die von Israel bombardierten Gebäude hätten "terroristischen Zwecken" gedient. Die Angriffe seien die Antwort auf den Beschuss durch palästinensische Kassam-Raketen.

Unter anderem seien mehrere Artilleriegeschosse auf ein unbewohntes Gebiet gefeuert worden, von dem aus eine Kassam-Rakete abgeschossen worden sei. Auch auf ein unbewohntes Gebiet in der Nähe von Beit Hanun hätten Kampfflugzeuge Raketen abgefeuert. Der israelische Verteidigungsminister Schaul Mofas hatte zuvor erklärt, die an der Grenze zum Gazastreifen aufgebauten Geschütze stünden dort "nicht zur Dekoration". Er drohte den Anführern der radikalen Hamas-Organisation mit gezielten Tötungen. Bei Razzien im Westjordanland nahmen israelische Sicherheitskräfte seit Sonntag rund 380 Mitglieder der Hamas und des Islamischen Dschihad fest.

Die palästinensische Polizei räumte ihre Hauptquartiere in Beit Hanun und in Beit Lahia. Mehrere radikale Palästinensergruppen bekräftigten gestern Abend ihr Festhalten an einer im März verkündeten Waffenruhe. Die Hamas hatte am Sonntag einen Stopp ihrer Raketenangriffe verkündet, was Verteidigungsminister Mofas jedoch als unzureichend zurückgewiesen hatte.

Die Gewalt war neu entflammt, nachdem bei einer Kundgebung der Hamas im Norden des Gazastreifens am vergangenen Freitag 15 Palästinenser durch eine Explosion getötet worden waren. Die Hamas machte Israel dafür verantwortlich. Israel und die palästinensische Autonomiebehörde erklärten jedoch, die Explosion sei durch eine Rakete ausgelöst worden, die in einem Hamas-Jeep detoniert sei. Die israelische Armee hatte sich am 12. September nach 38 Jahren Besatzung aus dem Gazastreifen zurückgezogen.

Am 28. September 2000 begann der Palästinenseraufstand, der durch den Besuch des heutigen israelischen Regierungschefs Ariel Scharon auf dem Jerusalemer Tempelberg ausgelöst wurde. Viele muslimische Palästinenser empfanden die Visite des damaligen Oppositionspolitikers als Provokation. Juden wie Muslimen ist der geschichtsträchtige Berg heilig, ihre Kultstätten liegen nur wenige Schritte auseinander. In der fünfjährigen Spirale der Gewalt wurden fast 5000 Menschen getötet.

AFP



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