Gaza-Konflikt Hamas kündigt Waffenruhe mit Israel an

Friedenssignale im Gaza-Konflikt: Die Hamas meldet eine Einigung mit Israel auf einen anderthalbjährigen Waffenstillstand. Die Blockade der Palästinensergebiete soll aufgehoben werden - und der verschleppte Soldat Schalit im Austausch gegen Gefangene freikommen.

Kairo/Gaza - Die radikal-islamische Hamas hat sich nach eigenen Angaben mit Israel auf einen langfristigen Waffenstillstand geeinigt. Das Abkommen sehe auch ein Ende der Abriegelung des Gaza-Streifens vor, sagte ein hochrangiger Vertreter der Hamas.

"Wir haben dem Waffenstillstand mit der israelischen Seite für anderthalb Jahre im Gegenzug für die Öffnung aller sechs Übergänge zwischen dem Gaza-Streifen und Israel zugestimmt", zitierte die ägyptische Nachrichtenagentur Mena Mussa Abu Marsuk, ein hochrangiges Mitglied des Politbüros der Hamas, nach einem Treffen mit dem ägyptischen Geheimdienstchef. Der Waffenstillstand soll an die Stelle der labilen Feuerpause treten, die derzeit gilt.

Ägypten werde die Einigung bekanntgeben, nachdem es die israelische Seite und weitere palästinensische Gruppen kontaktiert habe, sagte Marsuk.

Hindernisse, die bislang eine Einigung verhindert hätte, seien ausgeräumt, sagte Abu Marsuk laut Mena. Dabei gehe es vor allen Dingen um das Schicksal des israelischen Soldaten Gilad Schalit, der vor mehr als zwei Jahren verschleppt worden war. Beide Seiten hätten sich darauf verständigt, den Fall Schalit und die Verhandlungen über einen Waffenstillstand getrennt zu verhandeln.

Der Soldat solle nun gegen Palästinenser ausgetauscht werden, die in israelischen Gefängnissen inhaftiert sind. Bislang hatte Israel ein Ende der Gaza-Blockade von der Freilassung Schalits abhängig gemacht. Israels Regierungssprecher Mark Regev sagte in Jerusalem, er wolle sich nicht dazu äußern.

Hamas-Vertretern zufolge hat Israel angeboten, die Grenzübergänge in den Gaza-Streifen zu öffnen und auch den Güterverkehr wieder zu erlauben. Verboten bleiben solle aber die Einfuhr von Waren, die zur Waffenproduktion benutzt werden könnten. In der Vergangenheit war Israel immer wieder aus den Palästinensergebieten mit Kassam-Raketen beschossen worden, die militante Palästinenser selbst hergestellt hatten. Ungeachtet der Ankündigung der Hamas schossen militante Palästinenser am Morgen erneut Raketen aus dem Gaza-Streifen ab. Mehrere Geschosse schlugen in der Nähe der israelischen Stadt Sderot ein. Niemand wurde verletzt.

Israel hatte seine Großoffensive im Dezember und Januar vor allem damit begründet, dass eine weitere Aufrüstung der Hamas verhindert werden müsse. Nach der israelischen Offensive hatte Ägyptens Regierung mehrere Wochen mit Israel und der Hamas über einen dauerhaften Waffenstillstand im Gaza-Streifen verhandelt. Bei der israelischen Offensive starben rund 1300 Palästinenser.

be/AFP/dpa
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