Gaza-Konflikt Israel droht Hamas mit Krieg bis zum bitteren Ende

Krieg der Waffen, Krieg der Worte: Israels Verteidigungsminister Ehud Barak gibt sich unversöhnlich. Die Angriffe auf die islamistische Hamas würden massiv fortgesetzt. Auf Palästinenser-Seiten heißt es: Solange die Angriffe andauern, gebe es keine Chance auf Verhandlungen.


Hamburg - Israelische und palästinensische Vertreter haben Forderungen nach einem Waffenstillstand eine Absage erteilt. Der palästinensische Chefunterhändler Ahmed Korei sagte auf einer Pressekonferenz im Westjordanland, es gebe keine Verhandlungen und "keine Chance auf Verhandlungen, solange wir angegriffen werden". Israels Verteidigungsminister Ehud Barak sagte, sein Land werde gegen die Hamas einen "Krieg bis zum bitteren Ende" führen.

Seit Beginn der Bombardierungen im Gaza-Streifen am Samstag sind nach palästinensischen Angaben mehr als 300 Menschen getötet und mehr als 1000 verletzt worden. Israel will mit der Operation den ständigen Raketenbeschuss seiner Grenzorte aus dem Gaza-Streifen unterbinden.

Barak sagte im Parlament in Jerusalem: "Wir haben nichts gegen die Bewohner des Gaza-Streifens, aber wir führen einen gnadenlosen Krieg gegen die Hamas und ihre Verbündeten." Nachdem sich Israel lange zurückgehalten habe, kämpfe es jetzt mit "einem moralischen Vorteil". Die Kämpfer der Hamas feuerten absichtlich auf israelische Zivilisten und versteckten sich bei palästinensischen Zivilisten, sagte Barak. Israel hingegen bemühe sich, zivile Opfer zu vermeiden, und lasse humanitäre Hilfe für die Menschen im Gaza-Streifen zu.

Bei einem palästinensischen Raketenangriff aus dem Gaza-Streifen ist in der südisraelischen Stadt Aschkelon nach Angaben des Bürgermeisters ein Mensch getötet worden. Es ist der zweite Israeli, der seit Beginn der israelischen Luftoffensive gegen die im Gaza-Streifen herrschende Hamas bei einem palästinensischen Raketenangriff starb.

Im Westjordanland wurden zudem drei Israelis bei einer Messerattacke eines Palästinensers verletzt. Der Angreifer wurde von einem bewaffneten Passanten angeschossen und von israelischen Sicherheitskräften festgenommen.

Israel hat inzwischen den Grenzbereich zum Gaza-Streifen zum militärischen Sperrgebiet erklärt. Der Schritt könnte als Vorbereitung zu einer umfassenden Bodenoffensive dienen. Ein Sprecher der israelischen Armee teilte am Montag mit, der gesperrte Korridor habe eine Breite von zwei bis vier Kilometern und solle israelische Zivilisten vor palästinensischen Raketen schützen. Das Sperrgebiet sei weder für Zivilisten noch Journalisten zugänglich.

Nach Angaben der Organisation Islamischer Staaten (OIC) soll die Hamas zu einer neuen Waffenruhe mit Israel bereit sein. Voraussetzung sei, dass Israel seine Luftangriffe stoppt und die Blockade des Gaza-Streifens beendet, teilte die Regierung Senegals als derzeitiger OIC-Vorsitzende am Montag mit. Im Gegenzug wolle die im Gaza-Streifen herrschende Hamas die Einhaltung der Waffenruhe auf palästinensischer Seite überwachen.

DER SPIEGEL
Hamas-Chef Chalid Maschaal habe einem entsprechenden Vorschlag von Staatspräsident Abdoulaye Wade in einem Telefonat zugestimmt, teilte das senegalesische Außenministerium am Montag mit. In einer zweiten Erklärung verurteilte Wade die israelischen Angriffe als inakzeptabel. Als amtierender Präsident des 56 Länder umfassenden OIC verlangte er von Israel, sofort die Luftschläge zu stoppen und von weiteren Angriffen abzusehen. Als Reaktion auf anhaltende Angriffe radikaler Palästinenser hat Israel am Samstag heftige Luftangriffe gegen den Gaza-Streifen gestartet, nachdem die Hamas vor rund einer Woche eine sechsmonatige Waffenruhe aufgekündigt hatte.

Die meisten der mehr als 300 Todesopfer im Gaza-Streifen waren nach Uno-Angaben Polizisten, zudem wurden bislang mindestens 20 Kinder, 9 Frauen und weitere 60 Zivilisten getötet. Der Großteil von ihnen starb in den ersten Minuten der Angriffe. Damit war der Samstag der Tag mit der höchsten Opferzahl in den Palästinensergebieten seit 1967. Erwartet wird laut Uno, dass die Zahlen noch steigen, die Suche nach Verschütteten dauere an.

Auch nach den Angriffen am Samstag schlugen mehr als hundert Raketen und Mörser auf israelischem Gebiet ein. Dabei wurde ein Israeli getötet und zehn verletzt. Die Grenzübergänge wurden kurzzeitig für Transporte mit Lebensmitteln und Medikamenten von Hilfsorganisationen geöffnet. Aus Gaza-Stadt sowie Gebieten im Norden und in der Mitte des Gaza-Streifens wurden Stromausfälle von bis zu 16 Stunden gemeldet.

In Berlin wollen palästinensische und andere arabische Gruppierungen am Montagnachmittag gegen die israelischen Militäraktionen im Gaza-Streifen protestieren. Nach Angaben der Polizei erwartet der Veranstalter rund tausend Teilnehmer. Das Motto lautet "Solidarität mit dem palästinensischen Volk - die Ereignisse im Gaza-Streifen". Auch in Hamburg ist für den Nachmittag eine Kundgebung geplant.

cte/Reuters/AFP/AP/ddp

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