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Boden-Offensive im Gazastreifen Israel mobilisiert zusätzlich 18.000 Reservisten

Israels Truppen sind in den Gazastreifen vorgerückt. Premier Netanjahu hatte eine Bodenoffensive angeordnet, seine Regierung lässt zusätzliche Reservisten mobilisieren. Die Hoffnung auf eine baldige Waffenruhe schwindet.

Tel Aviv/Gaza - Zum Start einer Bodenoffensive im Gazastreifen hat die israelische Regierung die Mobilisierung von weiteren 18.000 Reservisten gebilligt. Damit beläuft sich die Zahl der mobilisierten Soldaten auf knapp 70.000. Israels Armee greift nach eigenen Angaben von Süden, Norden und Osten her im Gazastreifen an, um den Raketenbeschuss durch militante Palästinenser zu unterbinden.

Bei der Offensive handelt es sich demnach um einen begrenzten Einsatz. "Es werden bestimmte Orte im Gazastreifen angegriffen", sagte Militärsprecher Arye Shalicar in der Nacht zum Freitag. Ziel der Offensive sei die Infrastruktur der radikalislamischen Hamas. In den vergangenen zehn Tagen habe die Hamas jedes Mal, wenn Israel deeskalieren wollte, diese Zeit genutzt, um Raketen abzuschießen, sagte der Sprecher. "Wir wollen so schnell wie möglich Sicherheit und Stabilität für die Bürger Israels wiederherstellen."

Zuvor hatte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu das Militär angewiesen, mit der Bodenoffensive zu beginnen. Die Aktion werde "heute Nacht beginnen, um gegen die Terrortunnel aus dem Gazastreifen nach Israel vorzugehen", hieß es in einer am Donnerstagabend veröffentlichten Erklärung des Amts des Regierungschefs. Reporter beiderseits der Grenze berichteten von schwerem Artilleriefeuer und Beschuss von See aus.

Infanterie, Panzerverbände, Pioniereinheiten rücken vor

Die radikalislamische Hamas drohte Israel mit "fürchterlichen Konsequenzen". Mit der Offensive zerschlugen sich Hoffnungen auf einen Waffenstillstand.

Einwohner berichteten von schwerem Beschuss entlang der östlichen Grenze von Rafah im Süden bis in den Norden des palästinensischen Küstenstreifens. Im Osten waren laute Einschläge zu hören, orangefarbene Blitze erhellten den Himmel. Israelische Kanonenboote feuerten Leuchtspurgeschosse ab. Artilleriegeschosse waren zu hören, Hubschrauber feuerten über die Grenze. In einem Vorort Gazas wurde mehrmals ein Krankenhaus getroffen, wie dessen Leiter berichtete.

Das israelische Militär teilte mit, an der Offensive seien Infanterie, Panzerverbände, Pioniereinheiten, die Artillerie sowie Geheimdienste beteiligt. Sie würden aus der Luft und von See aus unterstützt.

Die Hamas sprach von einem törichten Schritt Israels. Das militärische Vorgehen "macht weder der Hamas Angst noch dem palästinensischen Volk", sagte ihr Sprecher Sami Abi Suhri.

Die Streitkräfte vereitelten nach eigenen Angaben einen Angriff der Hamas, der durch einen Tunnel ausgeführt werden sollte. Die Tunnel werden auch deshalb als große Bedrohung gesehen, weil die Islamisten durch sie Israelis entführen und so die Freilassung von Gefangenen erzwingen könnten.

Bei den seit zehn Tagen anhaltenden Auseinandersetzungen starben im Gazastreifen nach palästinensischen Angaben mindestens 233 Menschen, die meisten von ihnen Zivilisten. Die Islamisten haben nach israelischen Angaben mehr als 1300 Raketen auf Israel abgefeuert.

otr/AFP/dpa/Reuters
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