Drohende Eskalation Palästinenser bei Zusammenstößen an Gaza-Grenze getötet

Vor dem Jahrestag der gewaltsamen Demonstrationen an der Gaza-Grenze haben die Palästinenser den Tod eines 21-Jährigen gemeldet. Israel rechnet am Wochenende mit Massenprotesten und hat zusätzliche Truppen geschickt.

Palästinenserprotest an der Grenze zu Gaza
AFP

Palästinenserprotest an der Grenze zu Gaza


Bei Auseinandersetzungen mit israelischen Soldaten ist nach palästinensischen Angaben ein Mann an der Gaza-Grenze getötet worden. Der 21-Jährige sei am Freitagabend von einem Granatensplitter am Kopf getroffen worden und seinen Verletzungen erlegen, teilte das Gesundheitsministerium in Gaza mit.

Die israelische Armee teilte mit, Palästinenser hätten sich am Freitag an verschiedenen Punkten am Grenzzaun versammelt, Brandbomben und Steine gegen den Zaun geworfen und Reifen angezündet. Soldaten hätten die Versammlungen aufgelöst und dabei auch geschossen. Am Abend seien erneut Sprengsätze in Richtung Zaun geworfen worden, ein Panzer habe daraufhin einen Stützpunkt der radikalislamischen Hamas im Gazastreifen angegriffen. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza wurden insgesamt zehn Palästinenser verletzt.

Palästinenser im Gazastreifen haben für Samstag zu einem "Eine Million Marsch" aufgerufen, um an den Jahrestag des Beginns der Proteste am Grenzzaun zu erinnern. Am 30. März jährt sich der Beginn der Demonstrationen, bei denen es zu zahlreichen gewaltsamen Auseinandersetzungen mit israelischen Soldaten kam. Mit den Protesten erinnern die Palästinenser an Landenteignungen. Auch sechs israelischer Araber soll gedacht werden, die am 30. März 1976 in dem Ort Sachnin von der israelischen Polizei getötet worden waren.

Protest an der Gaza-Grenze am Freitag
REUTERS

Protest an der Gaza-Grenze am Freitag

Die Uno und die Bundesregierung riefen vor dem jetzigen Jahrestag beide Seiten zur Besonnenheit auf. Bei den Protesten wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza bislang mehr als 260 Palästinenser getötet und Tausende verletzt. Ein israelischer Soldat wurde erschossen.

Die Palästinenser fordern unter anderem eine Aufhebung der Blockade, die Israel und Ägypten über das Küstengebiet Gaza verhängt haben. Außerdem pochen sie auf ein Recht auf Rückkehr in Gebiete, die heute zu Israel gehören.

Das Nationalkomitee des "Marsches der Rückkehr" kündigte für Samstag auch Proteste in Israel, Jerusalem und dem Westjordanland sowie in mehreren arabischen und europäischen Ländern an. Zum Komitee des "Marsches der Rückkehr" gehören auch Vertreter der im Gazastreifen herrschenden Hamas, die von Israel, der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft wird.

Das deutsche Außenministerium warnte: "Das Risiko einer hochgefährlichen Zuspitzung an der Grenze zwischen Gaza und Israel ist offensichtlich." Das Recht auf friedlichen Protest gelte auch im Gazastreifen, hieß es in einer Mitteilung. Aber: "Dieses Recht darf nicht - wie wir dies immer wieder gesehen haben - zum Vorwand für Hetze genommen oder missbraucht werden, um Gewalt aus der Menge heraus zu üben oder Gewaltakte zu legitimieren."

apr/dpa



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