Gaza-Krieg Netanjahu warnt vor Bruch der Waffenruhe

Die Waffen schweigen, die Kriegsrhetorik geht weiter: Sollte nur eine Rakete aus Gaza abgefeuert werden, wolle Israel stärker zurückschlagen als je zuvor, warnte Ministerpräsident Netanjahu. Er wird in seinem Land für die Feuerpause kritisiert.

Israels Ministerpräsident Netanjahu: Steht wegen der Feuerpause in der Kritik
AP

Israels Ministerpräsident Netanjahu: Steht wegen der Feuerpause in der Kritik


Jerusalem - Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat vor einem Bruch der Waffenruhe gewarnt. Sollte auch nur eine Rakete vom Gaza-Streifen aus auf Israel abgefeuert werden, werde das Land darauf schärfer reagieren als zuvor. Mit den Luftangriffen und der Bodenoffensive hätten die israelischen Streitkräfte der Hamas einen "schweren Schlag" versetzt: "Sie weiß sehr wohl, welch hohen Preis sie dafür bezahlt hat."

Die Hamas selbst sieht das anders, Mitglieder der radikalislamischen Organisation sprachen ihrerseits von einem "absoluten Sieg gegen den zionistischen Feind".

Israel und die militanten Palästinensergruppen hatten sich am Dienstag erstmals seit Ausbruch des jüngsten Gaza-Kriegs am 8. Juli auf eine unbefristete Waffenruhe geeinigt. Sie war am Abend in Kraft getreten und hatte den Mittwoch über gehalten.

Netanjahu wird in Israel wegen der Feuerpause kritisiert, auch von den Mitgliedern seiner eigenen Regierung. Außenminister Avigdor Lieberman und Wirtschaftsminister Naftali Bennett hatten einen Sturz der Hamas gefordert. Die israelische Zeitung "Haaretz" berichtete, Netanjahu habe der Waffenruhe zugestimmt, ohne sein Sicherheitskabinett über Details der Vereinbarung zu informieren oder abstimmen zu lassen. Mindestens vier Minister seien gegen die Feuerpause gewesen und fühlten sich nun übergangen.

"Die Regierung hat verloren"

Oppositionsführer Izchak Herzog warf Netanjahu vor, das Vertrauen der Öffentlichkeit und vor allem der Einwohner der Grenzorte zum Gaza-Streifen verspielt zu haben: "Die Armee hat gewonnen, aber die Regierung hat verloren."

Netanjahu sagte bei einer Pressekonferenz, es sei "keine leichte Sache", eine Terrororganisation auszulöschen. Die Hamas werde von Iran militärisch und von Katar finanziell unterstützt. Sie habe aber keines ihrer Ziele erreicht, von den Siegesfeiern in Gaza dürfe man sich nicht beeindrucken lassen.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hofft nach Beginn der Feuerpause auf einen Waffenstillstand von Dauer und eine Perspektive für eine Wiederaufnahme der Verhandlungen über eine Zwei-Staaten-Lösung. "Einfach zur Situation zurückzukehren, die vor dem vergangenen Konflikt herrschte, ist keine Option", sagte auch EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton. Der Gaza-Streifen dürfe nicht weiter abgeschottet werden. Die EU sei bereit, zu einer dauerhaften Lösung beizutragen.

vet/dpa

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