Gaza-Stadt Israelische Armee tötet Anführer des Islamischen Dschihads

Ein israelisches Armeekommando hat am Abend zwei militärische Führer der palästinensischen Gruppe Islamischer Dschihad getötet. Bei einem der Toten handelt es sich um Baschir al-Dabbasch, einem hochrangigen Extremisten.


Jerusalem - Nach Angaben von Augenzeugen und Krankenhausmitarbeitern in der Stadt Gaza wurden bei dem Angriff auf das Auto drei weitere Personen verletzt. Den Informationen zufolge traf die von einem Kampfflugzeug abgefeuerte Rakete das Auto des Dschihad-Funktionärs, eine zweite Rakete verfehlte das Fahrzeug. Die israelische Armee hat sich später zu dem tödlichen Attentat. Al-Dabbasch sei für Dutzende Angriffe auf israelische Zivilisten und Soldaten verantwortlich, hieß es in einer Erklärung der Armee. Mit dem 38-jährigen al-Dabbasch tötete Israel den wichtigsten palästinensischen Extremisten seit dem Attentat auf den Hamas-Chef Abdel-Asis al-Rantissi im April.

Unterdessen nahmen Vertreter Israels und der Palästinenser Verhandlungen über ein Ende der Militär-Offensive im Gaza-Streifen auf. Die Gespräche liefen über ägyptische Vermittler, sagten Sicherheitsbeauftragte beider Seiten. Ein israelischer General sei dazu auf dem Weg nach Kairo. US-Außenminister Colin Powell forderte dagegen ein rasches Ende der israelischen Offensive. "Ich hoffe, dass diese Operation ein schnelles Ende finden kann", sagte Powell vor Journalisten.

Seit Beginn der Offensive am vergangenen Mittwoch wurden damit 69 Palästinenser getötet, mindestens 41 von ihnen sollen Extremisten gewesen sein, der Rest Zivilisten. Auch drei Israelis starben. Es ist die massivste und opferreichste Militär-Offensive im Gaza-Streifen seit Beginn des Palästinenser-Aufstandes vor vier Jahren.

Die Gespräche würden möglicherweise noch Tage dauern, hieß es in israelischen Kreisen. Israel sei allerdings skeptisch, ob die palästinensischen Sicherheitskräfte willens und in der Lage seien, Kämpfer radikaler Gruppen wie der Hamas zu stoppen. Als Beweis verlange Israel drei Tage in Folge ohne Raketenangriffe. Israel hatte die Offensive am Mittwoch mit dem Ziel begonnen, Raketenangriffe aus den Palästinenser-Gebieten auf israelische Städte und Siedlungen zu stoppen. Israels Verteidigungsminister Schaul Mofas erklärte, sein Land werde keinerlei Vereinbarung akzeptieren, solange die Raketen-Angriffe fortgesetzt würden. Kurz zuvor waren bei einem Raketenangriff der Hamas zwei Kinder getötet worden. Zuletzt war am Montag eine Hamas-Rakete in Israel eingeschlagen.

Auch die ägyptischen Vermittler drängen die Hamas nach Informationen aus palästinensischen Kreisen, die Attacken einzustellen. Die Organisation erklärte, die Angriffe würden nicht gestoppt, solange Israel die Offensive fortsetze und die Besetzung palästinensischen Gebietes andauere. Die Raketen-Angriffe seien "nichts anderes als die Verteidigung unseres Volkes angesichts der modernen zionistischen Kriegsmaschinerie", hieß es. Der Hamas-Sprecher Muschir al-Masri sagte, Israel müsse "jede Art von Aggression gegen unser Volk" einstellen. Die Hamas hat sich der Zerstörung Israels verschrieben.

Palästinenser-Präsident Jassir Arafat hatte gestern im Hörfunk gesagt, die Kämpfer sollten es vermeiden, "der Besetzung irgendeinen Vorwand zu liefern". Die Rede Arafats war als Versuch gewertet worden, die Kämpfer zu einer Einstellung der Raketen-Angriffe auf Israel zu bewegen.

Der ägyptische Außenminister Ahmed Abul Gheit warf der internationalen Gemeinschaft vor, sich nicht ausreichend für einen Stopp der israelischen Offensive einzusetzen. Ihr Schweigen habe Israel als "grünes Licht" für eine Fortsetzung der Offensive angesehen. Dem palästinensischen Volk hingegen sei so signalisiert worden, dass die internationale Gemeinschaft sich von Rechtmäßigkeit und ihren Bemühungen um Sicherheit und Frieden verabschiedet habe.



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