Gaza-Stadt Israelische Marine gibt Schüsse auf Palästinenser ab

Gefechtslärm über Gaza: Trotz des Waffenstillstands hat die israelische Marine Schüsse auf Fischerboote abgegeben. Palästinenser sprechen von verletzten Zivilisten.


Israelisches Marineschiff vor Gaza-Stadt: Mehr als Warnschüsse?
AP

Israelisches Marineschiff vor Gaza-Stadt: Mehr als Warnschüsse?

Gaza-Stadt - Die SPIEGEL-ONLINE-Reporterin wurde gegen sieben Uhr unsanft geweckt: Nur einige hundert Meter von ihrem Hotel feuerten israelische Marineschiffe auf Fischerboote, wie in den vergangenen Tagen schon öfter - trotz des Waffenstillstands. Mehr als eine Stunde lang waren immer wieder Schüsse zu hören. Die Marine feuerte mit Bordkanonen und Maschinengewehren. Unklar ist, wer das Feuer eröffnete und ob Palästinenser am Strand zurückschossen.

Die Auseinandersetzung fand etwa zwei Kilometer vom Zentrum von Gaza-Stadt entfernt im Stadtteil Sudania statt. Nach Palästinenserangaben wurden bei dem Vorfall fünf Menschen verletzt. Ein palästinensischer Arzt sagte der Nachrichtenagentur AP, ein Mann und ein Mädchen seien durch den israelischen Beschuss verletzt worden. Die beiden Bewohner eines nahen Flüchtlingslagers seien beim Spaziergang auf offener Straße getroffen worden. Selbst eine leerstehende Fläche nahe eines Uno-Hilfsverteilungszentrums wurde demnach getroffen.

Drei Tage nach Beginn der Waffenruhe hatten die letzten israelischen Bodentruppen das Palästinensergebiet am Mittelmeer am Mittwochmorgen verlassen. Ein israelischer Militärsprecher erklärte in Tel Aviv, die Marine habe lediglich "Warnschüsse" abgegeben, nachdem sich palästinensische Fischer mit ihren Booten zu weit von der Küste entfernt hätten. Die israelische Seeblockade des Gaza-Streifens sei noch in Kraft, fügte er hinzu. In den vergangenen Tagen hatte die israelische Marine mehrfach sogenannte Warnschüsse auf Fischer abgegeben.

Gestern hatte Außenministerin Zipi Livni angekündigt, die Grenze zum Gaza-Streifen wieder für humanitäre Hilfe zu öffnen. Allerdings fordert die EU eine generelle Öffnung der Grenze. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte von Israel eine Erklärung dafür, dass mehrfach Einrichtungen seiner Organisation beschossen wurden.

flo/AFP/dpa/AP

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