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15. April 2011, 08:08 Uhr

Gaza-Streifen

Islamisten töten italienische Geisel

Grausames Ende einer Entführung im Gaza-Streifen: Wenige Stunden, nachdem eine radikalislamische Gruppe einen Italiener verschleppt hatte, ist seine Leiche entdeckt worden. Der Mann hatte sich als Friedensaktivist für die Palästinenser engagiert.

Gaza-Stadt - Im Gaza-Streifen ist ein Italiener entführt und wenige Stunden später getötet worden. Als verantwortlich für die Tat gilt eine Gruppe radikaler Islamisten. Die Leiche des Mannes sei in der Nacht zum Freitag auf einer Straße in Gaza gefunden worden, teilte ein Sprecher der Hamas mit. In anderen Meldungen hieß es, der 36-Jährige sei von seinen Entführern getötet worden, als Sicherheitskräfte das Versteck stürmten. Der pro-palästinensische Friedensaktivist war von einer bislang unbekannten Gruppe von Salafisten verschleppt worden.

Den Angaben zufolge wurde der Italiener erstickt. Zwei seiner mutmaßlichen Entführer seien festgenommen worden. Bei dem Opfer soll es sich um den Journalisten und Schriftsteller Vittorio A. handeln, der sich für die pro-palästinensische Internationale Solidaritätsbewegung (ISM) engagierte. Es war die erste Entführung eines Ausländers im Gaza-Streifen seit vier Jahren.

In einem auf YouTube veröffentlichten Video hatten die Geiselnehmer zuvor mit der Ermordung des Italieners gedroht, sollte ihre Forderung nach Freilassung von mehreren im Gaza-Streifen inhaftierten Salafisten nicht erfüllt werden. Sie setzten der verfeindeten Hamas-Führung unter Ismail Hanija dafür eine Frist bis Freitag 16.00 Uhr MESZ.

Ein Sprecher der Hamas-Regierung im Gaza-Streifen verurteilte die "abscheuliche" Tat. Die restlichen Mitglieder der Gruppe würden aufgespürt und zur Verantwortung gezogen, sagte er im Fernsehen. Die palästinensische Autonomiebehörde im Westjordanland hatte bereits zuvor die Entführung verurteilt. "Diese Tat hilft der Sache des palästinensischen Volkes nicht - im Gegenteil, sie schadet ihr", hieß es in einer Erklärung aus Ramallah.

Im Gaza-Streifen, den die radikalislamische Hamas seit 2007 kontrolliert, gibt es fünf größere Salafistengruppen, die alle für eine strenge Form des sunnitischen Islam eintreten. Sie sind mit der Hamas verfeindet. Eine Gruppe von Salafisten hatte 2007 den BBC-Reporter Alan Johnston entführt. Die Hamas half bei der Befreiung des Journalisten nach viermonatiger Gefangenschaft.

Als ein Salafist bei einer Predigt in Rafah 2009 zur Schaffung eines islamistischen Emirats im Gaza-Streifen aufrief, stürmten Sicherheitskräfte der Hamas die Moschee. Bei den gewalttätigen Auseinandersetzungen starben 24 Menschen.

ler/AFP/dpa

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