SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

17. September 2014, 08:27 Uhr

Einigung mit Palästinensern

Israel erlaubt Wiederaufbau im Gaza-Streifen

Im jüngsten Gaza-Krieg hat Israel etwa 18.000 Häuser zerstört, mehr als 100.000 Menschen sind obdachlos. Nun kann der Wiederaufbau beginnen: Israelis und Palästinenser haben sich auf den Import von Baustoffen geeinigt.

Jerusalem/New York - Die Menschen im Gaza-Streifen sollen bald mit dem Wiederaufbau beginnen können. Unter Vermittlung der Vereinten Nationen haben sich Israelis und Palästinenser auf die Bedingungen geeinigt, unter denen künftig Baustoffe in das abgeriegelte Gebiet geliefert werden können.

Das Abkommen sieht vor, dass die palästinensische Autonomiebehörde die Arbeiten leitet, diese allerdings von Uno-Beobachtern beaufsichtigt werden. Diese sollen dafür sorgen, "dass das Material ausschließlich seinen zivilen Verwendungszwecken zugeführt wird", sagte Uno-Nahostvermittler Robert Serry vor dem Sicherheitsrat in New York. Erstmals soll auch der private Sektor beim Wiederaufbau einbezogen werden.

Israel will verhindern, dass die Hamas im Gaza-Streifen die Baustoffe dazu nutzt, Bunker und Tunnelanlagen zu errichten.

Ägypten richtet Geberkonferenz für Gaza aus

Die palästinensische Autonomiebehörde hatte die Kosten des Wiederaufbaus mit 7,8 Milliarden Dollar, umgerechnet etwa sechs Milliarden Euro, angegeben. Serry sagte, er habe "schockierende Zerstörungen" gesehen. "Ganze Wohnviertel sind nur noch Ruinen."

Während des jüngsten Gaza-Kriegs wurden auf palästinensischer Seite etwa 18.000 Häuser zerstört oder schwer beschädigt. Mehr als 100.000 Menschen sind obdachlos, allein 65.000 leben derzeit noch immer in überfüllten Uno-Einrichtungen.

Der stellvertretende palästinensische Premierminister Mohammed Mustafa sagte in der vergangenen Woche, dass internationale Geldgeber zögerten, den Wiederaufbau zu finanzieren, so lange die Hamas in Gaza herrsche und damit ein neuer Krieg drohe. Am 12. Oktober richtet Ägypten gemeinsam mit Norwegen eine Geberkonferenz aus, auf der Gelder gesammelt werden sollen.

Uno-Vermittler Serry dämpfte jedoch die Erwartungen an das Treffen: Er erinnerte an eine ähnliche Konferenz 2009. Auch damals versprachen Staaten aus aller Welt nach der israelischen Militäroperation "Gegossenes Blei" großzügige Hilfen für Gaza. Diese kamen jedoch niemals an, weil Israel die Einfuhr von Baumaterialien weitgehend blockierte.

Am Dienstagabend feuerten militante Palästinenser erstmals seit Beginn der Feuerpause am 16. August wieder Mörsergranaten auf Israel. Verletzt wurde niemand. nach Angaben aus israelischen Sicherheitskreisen nahm die Hamas die Verantwortlichen im Gaza-Streifen fest.

syd/dpa/AP

URL:

Verwandte Artikel:

Mehr im Internet


© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung