Gaza-Streifen Israelische Planierraupen auf Zerstörungstour

Das israelische Militär ist in ein Flüchtlingslager in den Gaza-Streifen eingedrungen und hat mit Bulldozern und Panzern mehrere Häuser zerstört. US-Außenamtssprecher Richard Boucher sprach von einer Provokation.


Jerusalem - Die israelische Armee habe in dem Flüchtlingslager nahe der ägyptischen Grenze bis zu 17 Häuser zerstört, berichteten Augenzeugen. Palästinenser, darunter auch Sicherheitskräfte der Autonomie-Behörde, hätten das Feuer auf die Soldaten eröffnet, die daraufhin zurückgeschossen hätten. Dabei seien mindestens vier Palästinenser verletzt worden, hieß es. Die Armee habe sich später aus dem Lager wieder zurückgezogen. Die israelische Armee bestätigte die Angaben zunächst nicht. Der palästinensische Sicherheitschef in Gaza-Stadt, Abdel Rasek el-Madschaida, bezeichnete den Zwischenfall als einen "brutalen Angriff" auf ein Flüchtlingslager, dass unter der vollen Kontrolle der Palästinenser stehe.

Die USA hatten Israel am Montag wegen des Abrisses palästinensischer Häuser in einem arabischen Ostteil Jerusalems kritisiert. Im Stadtteil Schufat, in dem palästinensische Flüchtlinge leben, waren am Montag Hunderte Polizisten mit Abrisstrupps eingerückt und hatten 14 Rohbauten eingerissen.

Der Sprecher des US-Außenministeriums, Richard Boucher, kritisierte Israel und die Palästinenser für die Gewalt der vergangenen Tage. "Wir haben die Israelis aufgefordert, von der Zerstörung palästinensischer Häuser abzusehen", sagte Boucher und bezeichnete die Aktion als provokativ. Die USA seien wegen der erneuten Eskalation der Gewalt besorgt.

Am Montag hatte sich ein Mitglied der radikalen Palästinenser-Organisation Hamas im Gaza-Streifen selbst in die Luft gesprengt. Er habe auf den Tod eines Palästinensers reagiert, den israelische Soldaten am Samstag erschossen hätten, teilte die Hamas danach mit.



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