Gaza-Streifen Palästinensische Militante machen mobil

Die Lage in Gaza eskaliert. Israelische Truppen haben nach der Entführung eines Soldaten das Gebiet abgeriegelt. Palästinensische Extremisten rufen ihre Kämpfer zu den Waffen und errichten Panzersperren. Eine militärische Auseinandersetzung scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein.


Gaza/Tel Aviv - Die Ankündigung wirkt wie der hilflose Bau von Sandburgen gegen Panzer. Doch die Worte der palästinensischen Extremisten sind ernst: "Wir sind bereit, jeder dummen Aktion der zionistischen Macht entgegenzutreten", sagte Abu Obeida. Der Sprecher des militärischen Flügels der Hamas fügte martialisch hinzu: "Wir sind vorbereitet und werden sie nicht mit Blumen begrüßen."

Mit Bulldozern schütteten Palästinenser im Norden des Gaza-Streifens Erdwälle auf und errichteten Stacheldraht-Hindernisse. In den Straßen patrouillierten Männer mit Sturmgewehren und Panzerfäusten. Die Gruppe "Islamischer Dschihad" rief zu einer Generalmobilisierung ihrer Kämpfer auf. Die Extremisten sollen über rund tausend Kämpfer verfügen.

Auf der anderen Seite der Grenze, am Nismit-Hügel, sind rund 100 israelische Kampfpanzer und gepanzerte Truppentransporter aufgezogen. Inzwischen hat die israelische Armee den Gaza-Streifen komplett abgeriegelt. Eine israelische Militärsprecherin bestätigte, alle Übergänge in das autonome Palästinensergebiet am Mittelmeer seien vollständig geschlossen. Es gebe auch keine Ausnahmen für humanitäre Fälle und die Einfuhr von Medikamenten.

Die Regierung Israels hat den Palästinensern mit einem Angriff gedroht,  falls heute nicht der verschleppte 19-jährige Unteroffizier Gilad Schalit übergeben würde. Der israelische Armeesender meldete, die Familie des Soldaten sei informiert worden, dass er eine Schussverletzung im Bauch und einen gebrochenen Arm habe.

Indirektes Lebenszeichen des Soldaten

Die Bekennergruppe Komitee des Volkswiderstands gab heute indirekt ein Lebenszeichen des Mannes: Der Soldat werde an einem "sicheren Platz" festgehalten - an dem die Israelis ihn nicht finden könnten, sagte ihr Sprecher Mohammed Abdel Al. Eine Freilassung des Soldaten lehnte die Gruppe ab. Die Forderungen der Gruppe seien klar: Israel müsse Frauen und Kinder aus dem Gefängnis befreien, sagte der Sprecher weiter.

Das Komitee des Volkswiderstandes, der bewaffnete Arm der radikalislamischen Hamas, und die bis dahin unbekannte Armee des Islam hatten sich zu dem Angriff am Sonntag bekannt. Dabei töteten bewaffnete Palästinenser, die sich in einem Tunnel vom Gaza-Streifen auf israelisches Territoriums vorgegraben hatten, zwei Soldaten und verschleppten Schalit.

Die Freilassung von Palästinensern als Gegenleistung schloss Israel aus. Ministerpräsident Ehud Olmert drohte zuvor mit einem umfassenden und langwierigen Militäreinsatz im Gaza-Streifen - auch wegen des fortgesetzten Raketenbeschusses auf israelisches Gebiet. Außerdem kündigte Israel an, es werde ranghohe Vertreter der radikalen Hamas-Bewegung töten, auch den in Syrien lebenden Hamas-Anführer Chalid Maschaal.

Der Sender meldete unter Berufung auf Olmerts Büro, es sei in den kommenden Tagen mit einer Benzinknappheit im Gaza-Streifen zu rechnen. Nach Angaben des Senders dementierte ein Armeesprecher jedoch TV-Berichte, denen zufolge Israel als Druckmittel die Stromversorgung des Gaza-Streifens unterbrechen will, bis der Soldat freigelassen wird. Der Sprecher wies auch Berichte über eine Frist zur Freilassung Schalits zurück.

lan/AFP/Reuters/AP



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