Gaza-Streifen Uno fordert 140 Millionen Euro für Notversorgung

"Viele werden keine Häuser mehr vorfinden": Die Uno drängt auf umfangreiche Hilfen für Gaza-Rückkehrer nach der israelischen Militäroffensive. Schätzungen beziffern den Schaden in der Region auf mehrere Milliarden Euro.

Zerstörung im Gaza-Streifen: Zahlreiche Kinder unter den Opfern
AP/dpa

Zerstörung im Gaza-Streifen: Zahlreiche Kinder unter den Opfern


Gaza-Stadt - Der Leiter des Uno-Hilfswerks für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA), Pierre Krähenbühl, hat für die Notversorgung von geschätzt 250.000 Vertriebenen im Gaza-Streifen Hilfsgelder in Höhe von rund 140 Millionen Euro gefordert. "Unter denen, die jetzt aus den Notunterkünften nach Hause zurückkehren, werden viele keine Häuser mehr vorfinden", sagte Krähenbühl.

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 32/2014
Bleibt die Türkei ein freies Land? Türkiye özgür kalacak mı?

Zurzeit gilt eine dreitägige Waffenruhe zwischen Israel und der islamistischen Palästinenserorganisation Hamas im Gaza-Streifen. Krähenbühl sagte, das Ende der Gefechte in dem Küstenstreifen bedeute nicht das Ende der Armut.

Allein das Uno-Welternährungsprogramm (WFP) bezifferte seinen Finanzbedarf zur Versorgung der bedürftigen Palästinenser auf etwa 36 Millionen Euro. Zuvor hatte der palästinensische Vize-Wirtschaftsminister Taissir Amro die Schäden durch die israelische Militäroffensive im Gaza-Streifen auf rund drei bis 4,5 Milliarden Euro geschätzt. Dabei seien nur die "direkten Folgen für die Wirtschaft" eingerechnet, noch nicht die "indirekten Folgen für die Bevölkerung", sagte Amro.

Unicef: Mehr als 400 Kinder unter den Opfern in Gaza

Unicef prangert an, dass unter den Opfern der israelischen Militäroffensive im Gaza-Streifen zahlreiche Kinder seien. Vielen der dort lebenden Kinder stehe eine "außerordentlich düstere" Kindheit bevor, teilte das Kinderhilfswerk mit. Nach den Angaben der Organisation wurden infolge der Offensive gegen Gaza bis Montag 408 Kinder getötet. Das entspreche 31 Prozent der gesamten Opfer, meldete die Nachrichtenagentur Reuters. Mehr als 70 Prozent der 251 Jungen und 157 Mädchen seien zwölf Jahre oder jünger.

Beim Wiederaufbau der Region dürfe nicht vergessen werden, sich um die dort lebenden Kinder besonders zu kümmern, sagte Pernille Ironside, die Chefin des in Gaza ansässigen Unicef-Büros. "Wie können wir von Eltern und Betreuern erwarten, für ihre Kinder zu sorgen und sie gut zu erziehen, wenn sie selbst kaum als Menschen funktionieren", sagte Ironside. Die Militäroffensive Israels sei eine "tiefe, tiefe, tiefe Wunde", so die Uno-Vertreterin.

Israel hatte vor vier Wochen den Militäreinsatz gegen die Hamas im Gaza-Streifen gestartet. Ziel der Mission war es, den Raketenbeschuss aus dem Palästinensergebiet zu stoppen und die Tunnel der Hamas zu zerstören, die unter anderem für Angriffe auf das israelische Gebiet genutzt wurden.

Seit Beginn der Militäroffensive wurden im Gaza-Streifen nach palästinensischen Angaben mehr als 1860 Menschen getötet, größtenteils Zivilisten. Auf israelischer Seite starben in dem Konflikt 64 Soldaten und drei Zivilisten.

kes/AFP

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.