Gaza-Streifen Viele Tote bei israelischen Vergeltungsangriffen

Israelische Vergeltungsangriffe haben im Gaza-Streifen weitere Menschen das Leben gekostet. Seit Freitag starben im Palästinensergebiet mehr als ein Dutzend Hamas-Kämpfer und Zivilisten. Die Hamas hat den Ausnahmezustand ausgerufen

Getöteter Hamas-Kommandeur: Angriffe und Gegenangriffe
AP

Getöteter Hamas-Kommandeur: Angriffe und Gegenangriffe


Jerusalem - Im Nahen Osten ist kein Ende der Gewalt in Sicht. Israelische Angriffe aus der Luft und am Boden haben am Samstag im Gaza-Streifen vier Menschen das Leben gekostet. Drei Kämpfer der Hamas wurden bei einem Luftangriff getötet, ein weiterer Mann kam bei einem Panzerbeschuss ums Leben. Die Hamas rief daraufhin den Ausnahmezustand aus. Die Sicherheitskräfte müssten rund um die Uhr im Einsatz sein, sagte ein Sprecher des Innenministeriums am Samstag in Gaza. Dies gelte auch für die Angehörigen des Zivilschutzes und der Sanitätsdienste.

Die radikalislamische Hamas schieße zurück, meldeten die israelischen Streitkräfte. Aus dem Gaza-Streifen seien am Samstag acht Raketen auf Israel abgefeuert worden. Die Hamas erklärte, unter den drei Todesopfern in ihren Reihen sei ein Kommandeur. Zwei israelische Raketen hätten das Fahrzeug getroffen, mit dem Tajser Abu Snima und zwei weitere Kämpfer in der Nähe von Rafah unterwegs gewesen seien.

Seit Freitag starben in dem Gebiet bereits mehr als ein Dutzend Menschen. Der Freitag war der bislang blutigste im Gaza-Streifen seit fast zwei Jahren. Bei israelischen Luftangriffen wurden laut Armee-Angaben vier Kämpfer der Hamas und fünf Zivilisten getötet. Einige Quellen sprachen sogar von bis zu 18 getöteten Palästinensern.

Hamas droht mit Beschuss weiterer Ziele

Die Angriffe waren die Vergeltung Israels für einen Raketenangriff auf einen Schulbus. Am Donnerstag hatte eine aus dem Gaza-Streifen abgefeuerte Panzerabwehrrakete einen Schulbus im Süden Israels getroffen, ein Jugendlicher wurde dabei schwer verletzt. Die Hamas bekannte sich zu dem Angriff.

Ein Sprecher der israelischen Armee sagte am Samstag, die Angriffe gegen "terroristische Ziele" im Gaza-Streifen seien in der Nacht fortgesetzt worden. Ziele seien ein Waffentransport, ein Tunnel und "drei Kommandeure der Hamas" gewesen, sagte er der Nachrichtenagentur AFP. Radikale Palästinenser hätten gleichzeitig in der Nacht den Beschuss mit Raketen und Granaten auf den Süden Israels fortgesetzt, ohne dass es Verletzte gegeben habe.

Der israelische Bildungsminister Gideon Saar sagte im Rundfunk, die Streitkräfte würden die Angriffe auf Stellungen der Hamas fortsetzen. Israel werde keine Bedrohung dulden.

Die Hamas wiederum drohte mit einer Ausweitung ihrer Angriffe auf weitere Ziele. Sollte die "Eskalation" von Seiten Israels weitergehen, würden "die Reaktionen der Widerstandsgruppen erweitert". Auf diese Weise wolle man Palästinenser in Gaza schützen.

Die Uno und die Europäische Union hatten die Konfliktparteien am Freitag zu einem Ende der Feindseligkeiten aufgerufen.

mmq/dapd/AFP/Reuters



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