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Fotostrecke: Die Zerstörung im Gaza-Streifen

Foto: ROBERTO SCHMIDT/ AFP

Waffenstillstand in Gaza Lauter Verlierer

Der Gaza-Streifen ist verwüstet, Israels Ansehen in der Welt lädiert, die Hamas geschwächt - und trotz des Waffenstillstandes stehen die Chancen für einen dauerhaften Frieden schlecht.

Gaza/Tel-Aviv - Vor allem Erleichterung ist in den Gesichtern der Menschen im Gaza-Streifen zu sehen. Tausende Familien haben ihre Taschen geschultert und verlassen die überfüllten Klassenzimmer, die ihnen als Notunterkünfte gedient haben. Sie machen sich auf in Richtung ihres Zuhauses - in der Hoffnung, dass es noch steht.

Zögerlich kehren auch israelische Familien wieder zurück, die aus dem Grenzgebiet zum Gaza-Streifen in den Norden Israels geflohen waren, um den Raketen und Mörsergranaten zu entkommen. 50 Tage hat der Krieg gedauert, nun scheinen die Waffen zu schweigen. Darauf konnten sich Israelis und Palästinenser in Kairo einigen - und sonst auf nicht viel. Über den ägyptischen Grenzübergang Rafah sollen Hilfslieferungen nach Gaza kommen. Weiter verhandelt werden soll dann in einem Monat.

Israel will, dass die Radikalen ihre Waffen abgeben

Israel pocht dabei auf eine Demilitarisierung des Gaza-Streifens: Die radikalen Milizen dort, Hamas und der Islamische Dschihad, sollen ihre Waffen abgeben. Doch die palästinensischen Milizen denken nicht daran, dieser Forderung nachzukommen.

Noch eine Stunde vor Beginn der Waffenruhe tötete eine Mörsergranate aus dem Gaza-Streifen einen 55- und einen 43-Jährigen im Kibbuz Nirim, rund einen Kilometer von der Grenze des Gaza-Streifens entfernt. Insgesamt kamen in dem Krieg sechs Zivilisten in Israel ums Leben sowie 64 israelische Soldaten. Dem stehen rund 2100 tote Palästinenser gegenüber.

Vier israelische Regierungsmitglieder, darunter Außenminister Avigdor Lieberman und Wirtschaftsminister Naftali Bennett, hatten sich sogar gegen die derzeitige Waffenruhe ausgesprochen. Der Krieg solle weitergehen, bis die Terrorgruppen endgültig geschlagen seien. Das internationale Ansehen Israels hat in dem Krieg stark gelitten.

Im Lande selbst ist das Verhältnis zwischen Arabern und Juden vergiftet; dort dräut schon der nächste Konflikt: Vor drei Tagen verschwand in Jerusalem ein 23-jähriger amerikanischer Talmud-Student. Israels Polizei schließt nicht aus, dass es sich um einen erneuten Racheakt gehandelt haben könnte. Er verschwand in dem selben Wald, in dem jüdische Extremisten im Juli einen arabischen Jungen ermordeten.

Eine Entführung hatte den Krieg ausgelöst: Am 12. Juni waren drei israelische Teenager im Westjordanland gekidnappt worden. Israel machte die Hamas dafür verantwortlich und ließ Hunderte ihrer Mitglieder verhaften. Daraufhin feuerte diese Raketen, Israel antwortete mit Bomben. Bis heute ist nicht sicher belegt, ob die Hamas mit den Morden etwas zu tun hatte. Es ist nicht ausgeschlossen, dass das Verbrechen von fanatisierten Einzeltätern begangen wurde.

Die Palästinenser wollen ein Ende der Gaza-Blockade

Im Gaza-Streifen selbst fällt die Bilanz des Krieges verheerend aus. Das Gros der Toten im Gaza-Streifen sind Zivilisten. Ein Viertel der Bevölkerung musste ihr Haus verlassen. Hunderttausende sind nun obdachlos und hausen in den Trümmern ihrer Existenz. Eine ganze Generation ist traumatisiert, Tausende haben ihre Lebensgrundlage - ihre Läden, ihre Schafherden - verloren.

Deshalb fordern die Palästinenser ein Ende der Beschränkungen, die Israel und Ägypten dem Gaza-Streifen auferlegt haben. Sie machen das Leben der Menschen dort unerträglich. Zudem will die Hamas, dass ihre Mitglieder freigelassen werden, die Israel im Juni im Westjordanland verhaften ließ.

Die Radikalen inszenieren sich als Sieger - dabei dürften sie militärisch stark geschwächt sein: Das israelische Militär hat 32 Angriffstunnel der Hamas nach Israel zerstört und rund 3500 ihrer Raketen vernichtet. 4500 hatte die Hamas auf Israel abgeschossen, von denen viele von der Luftabwehr "Iron Dome" abgefangen wurden. Noch rund 3000 Geschosse bunkern die Radikalen für den nächsten Waffengang.

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