Israels Bodenoffensive Zahl der Flüchtlinge im Gazastreifen hat sich verdoppelt

Die israelische Armee rückt im Gazastreifen vor, Premier Netanjahu droht mit einer Ausweitung der Bodenoffensive. Schon jetzt suchen laut Uno Zehntausende Menschen Zuflucht.

Raketeneinschlag in Gaza-Stadt: 30 Tote nach Start der Bodenoffensive
AP/dpa

Raketeneinschlag in Gaza-Stadt: 30 Tote nach Start der Bodenoffensive


Gaza/Tel Aviv - Nach Beginn ihrer Bodenoffensive ist die israelische Armee weiter im palästinensischen Gazastreifen vorgerückt. Sie zerstörte nach eigenen Angaben mindestens 13 Tunnel, die die militant-islamische Hamas angelegt hatte, um Israel anzugreifen oder Waffen zu schmuggeln. Die groß angelegte Offensive hatte in der Nacht zuvor begonnen.

Der erste massive Vorstoß in das Palästinensergebiet seit 2009 soll nach dem Willen Israels die militärische Infrastruktur der Hamas und verbündeter Gruppen zerschlagen. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte an, dass die Operationen sogar noch ausgeweitet werden könnten.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon kündigte an, am Samstag in den Nahen Osten zu reisen. Er werde sich dort mit Vertretern Israels und der Palästinenser treffen, sagte der für politische Fragen zuständige stellvertretende Uno-Generalsekretär Jeffrey Feltman nach einer Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats. Ban wolle durch seinen Besuch in der Krisenregion seine Solidarität mit beiden Seiten zum Ausdruck bringen.

Nach Angaben palästinensischer Rettungsdienste kamen seit Beginn der Bodenoffensive mindestens 30 Menschen uns Leben. Insgesamt wurden demnach seit dem 8. Juli, dem Start einer Welle von Luftangriffen, 271 Palästinenser getötet und mehr als 2000 weitere verletzt. Laut der Uno verdoppelte sich seit Beginn der Bodenoffensive die Zahl der Flüchtlinge. Demnach suchten rund 40.000 Menschen Zuflucht in Gebäuden der Vereinten Nationen.

Die israelische Armee tötete nach eigenen Angaben bei ihrer Bodenoffensive 19 Militante und nahm 13 weitere gefangen. Auf israelischer Seite starben bislang ein Zivilist und ein Soldat.

Stromausfälle, Wasserengpässe in Gaza

Der Einsatz der Bodentruppen, den Luftwaffe und Marine unterstützen, weckte international Sorgen, dass es in dem dicht besiedelten Küstenstreifen am Mittelmeer noch mehr zivile Opfer geben wird. Hilfsorganisationen in Gaza berichteten am Freitag von lang anhaltenden Stromausfällen. Auch die Wasserversorgung sei stark beeinträchtigt. Weil Bauern ihre Waren aus dem Umland nicht zu den Märkten bringen konnten, würden die Lebensmittelpreise drastisch steigen.

Die Bodenoffensive begann nach tagelangem Beschuss und einer vereitelten Kommandoaktion militanter Palästinenser, die offenbar einen Anschlag in Israel verüben wollten.

Obwohl unter Druck, setzte die Hamas ihre Raketenangriffe auf Israel fort. Am frühen Freitagabend heulten erneut die Sirenen in der Metropole Tel Aviv. Geschossteile fielen in der Nähe einer Synagoge und eines Kindergartens zu Boden. Verletzt wurde dabei aber niemand. Die meisten Raketen werden von israelischen Abwehrsystemen abgefangen.

Obama stellt sich hinter Israel

US-Präsident Barack Obama zeigte sich tief besorgt über die Gefahr einer weiteren Eskalation der Gewalt. Washington hoffe, dass Israel Zivilisten schone. Erneut plädierte Obama für eine Feuerpause.

Zugleich stellte sich der US-Präsident demonstrativ hinter die Regierung in Jerusalem. In einem Telefonat mit Netanjahu habe er seine "Unterstützung für Israels Recht, sich selbst zu verteidigen", betont, sagte Obama am Freitag im Weißen Haus. Keine Nation müsse es hinnehmen, dass sie mit Raketen beschossen werde und Terroristen unter ihrem Territorium Tunnel bauten.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel betonte, Israel habe ein Recht auf Selbstverteidigung. Deutschland stehe in dieser Frage an der Seite Israels. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) verlangte neue Bemühungen für eine Einstellung der Kämpfe. "Das Engagement der arabischen Nachbarstaaten für eine Waffenruhe muss weitergehen", sagte er.

fab/jbe/AFP/dpa/Reuters

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.