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Katar und Israel: Gespräch unter Gegnern

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Israels neuer Ansatz für Gaza Der Katar-Clou

Gibt es eine Lösung für die Misere im Gazastreifen? Israel hat längst erkannt, dass das Elend die Palästinenser weiter radikalisiert. Jetzt wird offenbar ein Akteur ins Boot geholt, dessen Geld helfen könnte - der die Lage aber noch brisanter macht.

Eigentlich war es ein normales Arbeitstreffen: Israels Verteidigungsminister Avigdor Lieberman traf sich Ende Juni mit seinen zyprischen und griechischen Amtskollegen in Zypern. Offiziell ging es um eine Vertiefung der militärischen Zusammenarbeit. Aber offenbar hat Lieberman während seines Aufenthalts auch einen hochrangigen Vertreter Katars getroffen, um über die Lage in dem von der radikalislamischen Hamas kontrollierten Gazastreifen zu sprechen.

Der israelische TV-Sender Kanal 10 berichtete in der vergangenen Woche, Lieberman habe mit Mohammed al-Amadi gesprochen, dem Gaza-Gesandten des Emirats. Bei dem Treffen soll es unter anderem um Sicherheitsfragen und die katastrophale humanitäre Lage in der Mittelmeerenklave gegangen sein, die Israel und Ägypten seit Jahren blockieren. Das israelische Verteidigungsministerium wollte das Treffen nicht kommentieren.

Lieberman mit seinen zyprischen und griechischen Amtskollegen

Lieberman mit seinen zyprischen und griechischen Amtskollegen

Foto: Petros Karadjias/ AP

Die israelische Newsseite "Walla" berichtete nun diese Woche, Lieberman habe tatsächlich einen weitaus höheren Gesprächspartner in Zypern getroffen: Mohammed bin Abdulrahman bin Jassim al-Thani, Katars Außenminister. Er soll mit einer Qatar-Airways-Maschine - Kennung: Amiri A7-MBK - von Italien aus eingeflogen sein. Auch hierzu wollte sich das israelische Verteidigungsministerium nicht äußern. Kein Wunder, schließlich unterhalten beide Staaten offiziell keine diplomatischen Beziehungen.

Hilfslieferungen werden dringend benötigt

Klar ist nur: Israels Armee hat in den vergangenen Monaten immer wieder betont, dass eine weitere Verschlechterung der humanitären Lage im Gazastreifen nicht im eigenen Interesse sei. Der Zuspruch für die dort herrschende islamistische Hamas würde durch den Druck von außen nicht abnehmen, die Radikalisierung der palästinensischen Jugend zunehmen.

Die Vereinten Nationen zeichnen schon jetzt ein dramatisches Bild der Lage: Der Treibstoff, mit dem 250 Krankenhäuser und Wasseraufbereitungsanlagen in Gaza betrieben werden, gehe zur Neige. Die dringend benötigten Hilfslieferungen dürften nicht "als Geisel politischer Entwicklungen" genommen werden.

Hilfsgüter werden auf dem Landweg nach Gaza transportiert

Hilfsgüter werden auf dem Landweg nach Gaza transportiert

Foto: Adel Hana/ AP

Eine dauerhafte Lösung des Gaza-Konflikts ist nach diesem Terrorsommer, in dem es immer wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen kam, unter ägyptischer Vermittlung nicht gelungen. Ägypten grenzt an den Gazastreifen, blockiert diesen ebenso wie Israel, und fungiert traditionell als wichtiger Vermittler zwischen Israelis und Palästinensern.

Katar ist zu reich, um ignoriert zu werden

Die Regierung in Kairo will diese Rolle verteidigen. Staatschef Abdel Fattah el-Sisi ist strikt dagegen, dass Katar bei den Friedensverhandlungen mitmischt. Ein Grund: Ägypten ist finanziell von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) abhängig. Beide Staaten haben unter der Führung des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman eine arabische Allianz gegen Katar geschmiedet und blockieren das Emirat seit mehr als einem Jahr politisch und wirtschaftlich.

Ägyptens Staatschef Sisi zu Gast bei König Salman in Saudi-Arabien

Ägyptens Staatschef Sisi zu Gast bei König Salman in Saudi-Arabien

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Im Gegensatz zu Ägypten ist Katar - trotz der Blockade - wirtschaftlich stark. Das Geld vom Golf wäre für den geplanten Gaza-Stabilisierungspakt wichtig. Katar ist seit der Machtübernahme der Hamas in Gaza 2007 der wichtigste ausländische Geldgeber für das Küstengebiet. Mehr als 1,5 Milliarden Euro hat Katar bislang dort investiert. Leuchtturmprojekt ist die "Scheich-Hamad-Stadt" in Khan Yunis, ein neues Wohnviertel für mehr als tausend Familien, das Ende 2017 fertiggestellt wurde.

Zudem ist Katar einer der wichtigsten politischen Verbündeten der Hamas. Nachdem die Exilführung um Khaled Mashal 2012 aus Damaskus flüchten musste, hat sie ihren Sitz in Doha aufgebaut. Das Herrscherhaus nimmt seither direkten Einfluss auf die Organisation.

Vor diesem Hintergrund scheint sich Israel dazu entschieden zu haben, nicht mehr nur allein auf die Vermittler aus Kairo zu setzen.

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Katar und Israel: Gespräch unter Gegnern

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Um die angespannte Versorgungslage im Gazastreifen zu verbessern, wird nun offenbar wieder ein alter Plan diskutiert: der Bau eines Hafens. Die Idee kam bereits während der Oslo-Friedensverhandlungen Anfang der Neunzigerjahre auf. Nun soll der Hafen aber nicht im Gazastreifen entstehen, sondern - auf Zypern.

Trump braucht Katar für seinen "Jahrhundert-Deal"

Nach Angaben der Regierung in Nikosia soll Lieberman bei seinem Aufenthalt vor wenigen Wochen explizit danach gefragt haben. Die Idee ist es, Güter für den Gazastreifen in einem speziell eingerichteten Hafen auf Zypern von israelischem Sicherheitspersonal prüfen zu lassen, um sie dann mit einer Eskorte in das knapp 400 Kilometer entfernte palästinensische Küstengebiet zu liefern.

Die vielen praktischen und finanziellen Fragen, die damit verbunden sind, blieben bislang unbeantwortet - oder die Antworten unbekannt. Ebenso, ob Lieberman auch mit dem Außenminister Katars darüber gesprochen hat. Fest steht aber, dass seit Wochen und Monaten eine Pendeldiplomatie stattfindet, an der alle Länder, die um einen Frieden zwischen Israelis und Palästinensern ringen, beteiligt sind:

  • Israels Premier Benjamin Netanyahu soll sich nach israelischen Medienangaben heimlich mit Ägyptens Präsident Sisi im Mai in Kairo getroffen haben. Ägyptens Geheimdienstminister wiederum reiste demnach vor wenigen Tagen nach Israel.
  • Der palästinensische Präsident Mahmoud Abbas reiste Anfang August nach Doha und sprach dort mit Emir Tamim bin Hamad al-Thani. Der wiederum reiste bald darauf in die Türkei, das die Hamas ebenso wie er unterstützt.
  • Und Katars Außenminister sprach erst in dieser Woche mit seinem US-Kollegen Mike Pompeo, mit Donald Trumps Schwiegersohn Jared Kushner sowie mit Jason D. Greenblatt, Nahost-Sondergesandter des US-Präsidenten.

Katar hofft, dass sich das finanzielle und diplomatische Engagement politisch auszahlt. Indem man sich für eine Lösung des Gazakonflikts unverzichtbar macht, unterläuft man die Blockade Saudi-Arabiens. Falls es Donald Trump mit seinem Jahrhundert-Deal zwischen Israelis und Palästinensern ernst meint, braucht er die Unterstützung aus Doha.