Gazastreifen Hamas macht Hardliner zu neuem Anführer

Bei der radikalislamischen Hamas steht ein Führungswechsel im Gazastreifen bevor. Die Palästinenser-Organisation hat den für seine harte Linie bekannten Jahia Sinwar an die Spitze gewählt.

Ismail Hanija (l.) und Jahia Sinwar (Archiv)
AFP

Ismail Hanija (l.) und Jahia Sinwar (Archiv)


Die Hamas hat ein führendes Mitglied ihrer bewaffneten Einheiten zum neuen Anführer im Gazastreifen gemacht. Das bestätigten Vertreter der radikalislamischen Palästinenser-Organisation. Mit der Ernennung von Jahia Sinwar übernimmt einer der größten Hardliner innerhalb der Hamas die Führung.

Sinwar tritt die Nachfolge von Ismail Hanija auf diesem Posten an. Die Hamas herrscht seit einem Jahrzehnt im Gazastreifen, der von Israel mit einer Blockade belegt wird. Sie rivalisiert mit der gemäßigten Fatah-Organisation, die im Westjordanland regiert.

Der 1962 im Flüchtlingslager Chan Junis im südlichen Gazastreifen geborene Sinwar ist Mitgründer der Essedin-al-Kassam-Brigaden, des bewaffneten Arms der Hamas. Die USA setzten ihn im September 2015 auf ihre Liste "internationaler Terroristen".

Israel nahm Sinwar 1988 wegen "terroristischer Aktivität" fest. Er wurde viermal zu lebenslanger Haft verurteilt und saß jahrzehntelang in israelischer Haft. Im Oktober 2011 kam er im Tausch gegen den von der Hamas fünf Jahre lang festgehaltenen israelischen Soldaten Gilad Schalit frei - zusammen mit mehr als tausend anderen palästinensischen Gefangenen.

Der von Sinwar abgelöste Hanija wird als Nachfolger des im Exil in Katar lebenden Chefs des Hamas-Politbüros, Chaled Maschaal, gehandelt. Wie Hamas-Vertreter weiter mitteilten, wird der Abgeordnete Chalil al-Haja die Nummer zwei des Politbüros der Hamas in Gaza.

asc/AP/AFP

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Afrojüdischer_Sozi-Sinti 13.02.2017
1. Menschen sind einfach blöd
wenn sie glauben solche Hardliner würden ihre Situation nachhaltig verbessern. Dieses Jahrhundert wird in die Geschichte als das Jahrhundert verlogener Pragmatiker, Hardliner und Volksverhetzer eingehen.
sfk15021958 13.02.2017
2. Das könnte ja
Zwei Hardliner und jede Menge "explosive Themen" wie z.B. Siedlungsbau bzw. abservierte 2-Staaten-Lösung lassen nichts Gutes erwarten!
chico 76 13.02.2017
3. Einen islamistischen Terroristen
zum Anführer zu wählen verheisst zunehmend Terroranschläge. Die 2 Millionen Einwohner im Gaza haben besseres verdient, die Israelis auch.
geemypge 13.02.2017
4. Es bleibt zu wünschen,
das dies gut geht. Aber prinzipiell ist es doch verständlich einen Hardliner, von mir aus auch Terroristen, dem israelischen Saatsterror entgegen zu setzen. Wer andere Menschen unterdrückt und Ihnen Land und Lebensgrundlage stielt, darf sich über harsche Reaktionen nicht wundern!
Frietjoff 13.02.2017
5.
Natürlich hat die brutale Politik der Hamas desaströse Folgen, besonders für die Menschen in Gaza, aber auch für alle Palästinenser und Israelis. Für das Siedlerprojekt und die von ihm völlig abhängige israelische Rechtsregierung ist die Hamas hingegen ein Segen. Die Hamas stellt in keiner Weise eine existentielle Bedrohung für Israel dar, aber sie ist ein prima Sündenbock, um der Welt zu demonstrieren, dass man mit "diesen" Palästinensern keinen Frieden schließen kann. Darum stützt Netanyahu die Hamas auch seit Jahren (ja, auch durch die periodischen Mini-Kriege, die trotz ihrer fatalen Folgen für die Zivilisten in Gaza die Macht der Hamas nur stärken), während er die Palästinensische Autonomiebehörde untergräbt. Wer in Gaza-Stadt jetzt welchen Posten hat, ist da ziemlich irrelevant.
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