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Krieg in Gaza: Kommandoaktionen gegen die Hamas

Foto: Atef Safadi/ dpa

Hamas-Tunnel im Gazastreifen Israels Kampf im Untergrund

Im Kampf gegen die Hamas setzt Israel auf eine neue Strategie. Spezialeinheiten am Boden sollen unterirdische Waffenlager und Raketenwerfer zerstören. Vor einem Waffenstillstand hofft die Regierung Netanjahu so auf weitere Erfolge.

Gaza/Tel Aviv - Beit Lahia ist die nördlichste Stadt im Gazastreifen. Es ist der Ort, der den großen israelischen Städten Tel Aviv, Jerusalem und Haifa am nächsten gelegen ist. Deshalb schießen die Hamas und die mit ihr verbündeten Gruppen von hier die meisten ihrer Raketen ab.

Am nordöstlichen Rand des Gazastreifens hat die Hamas in den vergangenen Jahren ein unterirdisches System aus Waffenwerkstätten, Lagerräumen und Abschussrampen errichtet. Israelische Armeekommandeure bezeichnen dieses Netz aus Tunneln als "zweites Gaza". Allein 30 unterirdische Gänge sollen in dem Gebiet errichtet worden sein, durch die Hamas-Kämpfer nach Israel hätten eindringen sollen.

Beit Lahia ist aber nicht nur eine Hochburg der militanten Islamisten, sondern auch Heimat für 70.000 Menschen. Die Hamas hat ihre militärische Infrastruktur inmitten der dichtbesiedelten Wohngebiete errichtet. Als Beleg dafür hat die israelische Armee mehrere Videos von Luftangriffen veröffentlicht. Auf denen ist zu sehen, dass auf den Einschlag der israelischen Bombe weitere Explosionen folgen , auf denen Sekundärexplosionen zu sehen sind. Diese wurden offenbar durch Sprengstoff ausgelöst, der in den Wohnhäusern gelagert worden war.

Knapp 1500 Luftangriffe hat die israelische Armee seit Beginn ihrer Operation "Zuk Eitan" ("Fels in der Brandung") vor sechs Tagen geflogen. Doch mit Luftschlägen kann das Militär die Hamas nicht schwächen. Die Armee hat selbst eingeräumt, dass sie die meisten Ziele, die sie vor Beginn der Kampagne identifiziert hatte, inzwischen getroffen hat.

Israel kann nicht alle Hamas-Raketen zerstören

Die Militäroperation geht nun in eine neue Phase. Anstatt einer breit angelegten Bodeninvasion des Gazastreifens setzt die Armee nun offenbar auf Kommandoaktionen gegen militärische Einrichtungen der Hamas. Am Sonntag griff zum ersten Mal seit Beginn der jüngsten Eskalation eine israelische Spezialeinheit ein Ziel am Boden an. Nach Angaben der Streitkräfte handelte es sich dabei um eine Abschussrampe für Langstreckenraketen im Norden des Küstenstreifens. Nach israelischen Angaben wurden bei dem Schusswechsel mit Hamas-Kämpfern vier Soldaten verwundet, auf palästinensischer Seite soll es drei Tote gegeben haben.

In den vergangenen Jahren haben die Streitkräfte Tausende Soldaten für derartige Missionen geschult. Die Soldaten lernen nicht mehr nur den Häuserkampf, sondern auch den Kampfeinsatz in Tunneln und anderen unterirdischen Einrichtungen.

Ähnliche Einsätze dürften in den kommenden Tagen folgen. So will Israels Armee unterirdische Ziele angreifen, die aus der Luft nicht zerstört werden können - weil sie entweder zu tief unter der Erde liegen, oder die Gefahr vieler ziviler Opfer auf palästinensischer Seite mit sich bringen. Das hat die Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu aus den beiden jüngsten Militäroperationen gegen die Hamas - "Gegossenes Blei" 2008/09 und "Wolkensäule" 2012 - gelernt: Mit der Zahl der Toten im Gazastreifen wächst auch der Druck seitens der internationalen Gemeinschaft, einen Waffenstillstand mit den Islamisten zu schließen.

Doch noch immer kann die Hamas Raketen auf Israel abfeuern. Am Montag ließ sie sogar eine Drohne über der israelischen Hafenstadt Aschdod kreisen, die Israels Luftabwehr mit einer Patriot-Rakete abschoss.

Der israelische Geheimdienst schätzt nach Angaben der Zeitung "Haaretz", dass die Armee bislang etwa 2000 Raketen zerstört hat, knapp tausend hat die Hamas in den vergangenen Tagen abgefeuert. Doch insgesamt wird das Arsenal der Militanten auf bis zu 10.000 Raketen geschätzt. Auch mit Kommandoaktionen wird Israels Armee dieses Potenzial nicht bis zur letzten Rakete zerstören können - wohl aber einen Großteil der unterirdischen Batterien, von denen die Geschosse abgefeuert werden.

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