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Konflikt in Nahost: Die fünfte Bombennacht

Foto: Anadolu Agency/ Getty Images

Raketen auf Gazastreifen Mehrere Tote bei israelischen Luftangriffen

Erneut hat die israelische Luftwaffe Ziele im Gazastreifen bombardiert. Nach palästinensischen Angaben starben mindestens 16 Menschen. Ministerpräsident Netanjahu lehnt eine Waffenruhe ab und will weiterbomben.

Gaza/Jerusalem - Israel hat seine Bombenangriffe auf den Gazastreifen fortgesetzt. Die fünfte Nacht in Folge gingen Raketen auf das Küstengebiet nieder. Nach palästinensischen Angaben starben mindestens 16 Menschen. Darunter sollen auch fünf Jugendliche sein. 15 Menschen wurden laut Augenzeugen beim jüngsten Luftschlag verletzt. Seit Beginn der israelischen Offensive am Dienstag sind nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza mindestens 113 Palästinenser getötet und etwa 780 verletzt worden. Zwei Drittel der Opfer seien Zivilisten. Unter den Toten sollen 23 Kinder sein.

Bei dem Angriff am frühen Samstagmorgen wurde nach palästinensischen Angaben unter anderem der Sitz einer Wohlfahrtsorganisation für Behinderte getroffen, dabei sollen zwei Menschen ums Leben gekommen sein. Neben der Wohlfahrtsorganisation in Beit Lahija wurden auch Ziele in Dschebalija im Norden des Küstenstreifens, in Deir al-Balah weiter südlich sowie in Gaza-Stadt getroffen, wie ein Sprecher des Gesundheitsministeriums sagte. Auch eine Moschee sei beschossen worden.

Wie die israelische Armee per Twitter mitteilte, wurden in der Nacht "mehr als 60 Terrorziele" im Gazastreifen bombardiert. Nach Militärangaben wurden bei den Angriffen "mehrere Terroristen" getötet, die am Abschuss von Raketen beteiligt gewesen seien.

Auch die Extremisten der Hamas und des Islamischen Dschihad setzten den Beschuss Israels mit Raketen fort. In der Nacht heulten an unterschiedlichen Orten in Israel die Sirenen, die die Bevölkerung vor Raketenangriffen warnen. Militante Palästinenser warnten Fluggesellschaften zudem, sie würden Raketen auf den Flughafen von Tel Aviv schießen.

Reichweiten der Hamas-Raketen (Stand Juli 2014)

Reichweiten der Hamas-Raketen (Stand Juli 2014)

Foto: SPIEGEL ONLINE

Die israelischen Streitkräfte hatten am Dienstag ihre Offensive "Schutzrand" begonnen, um einen massiven Raketenbeschuss durch militante Organisationen aus dem Gazastreifen zu stoppen. Durch den fortdauernden Raketenbeschuss palästinensischer Extremisten wurden am Freitag mehrere Israelis verletzt, aber niemand getötet. Erstmals seit Beginn des jüngsten Konflikts war am Freitag auch ein Geschoss aus dem Libanon im Norden Israels eingeschlagen, hatte allerdings keine Schäden angerichtet.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erteilte Rufen der USA, der EU, der Uno und der Arabischen Liga nach einer Waffenruhe am Freitag eine klare Absage. "Kein internationaler Druck" könne Israel daran hindern, "die Terroristen zu bekämpfen", sagte er vor Journalisten. Der Einsatz werde fortgesetzt, bis vom Gazastreifen keine Raketen mehr auf Israel abgeschossen würden und wieder Ruhe herrsche. Die Armee mobilisierte inzwischen 33.000 Reservisten für eine etwaige Bodenoffensive.

Auch die radikalislamische Hamas lehnt Gespräche über eine Feuerpause bislang kategorisch ab. Sie und andere militante Organisationen feuerten seit Dienstag 520 Mörsergranaten und Raketen auf israelische Ziele. 140 weitere Geschosse wurden von der israelischen Luftabwehr abgefangen, wie das Militär mitteilte.

Sitzungen des Uno-Sicherheitsrats verliefen bisher ohne Ergebnis. Die von Kuwait beantragte Dringlichkeitssitzung der Außenminister der Arabischen Liga (AL) solle voraussichtlich am Montag stattfinden, sagte ein AL-Vertreter. Die USA hatten am Freitag angeboten, ihre Verbindungen in Nahost für die Vermittlung einer Waffenruhe zu nutzen. Zugleich signalisierte US-Präsident Barack Obama Israel im Fall einer Bodenoffensive im Gazastreifen Rückendeckung. Ägypten hatte kurz zuvor seine Bemühungen wegen der "Sturheit" der Konfliktparteien für gescheitert erklärt.

Auslöser der schwersten Krise seit 2012 waren der gewaltsame Tod dreier jüdischer Jugendlicher und der mutmaßliche Rachemord an einem palästinensischen Jungen.

mmq/AFP/dpa/Reuters
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