Gazastreifen Israelisches Militär zieht ab

Neuer Hoffnungsschimmer für Nahost: Die israelische Armee hat mit dem Abzug aus dem Norden des Gazastreifens begonnen. Gepanzerte Fahrzeuge bewegten sich in Richtung Grenze. Inzwischen gab die Fatah- Bewegung von Palästinenserpräsident Arafat eine sofortige Waffenruhe bekannt.




Abzug aus dem Gaza-Streifen
REUTERS

Abzug aus dem Gaza-Streifen

Tel Aviv - Nach Berichten israelischer Medien, die von den Palästinensern bestätigt wurden, bewegten sich Panzerfahrzeuge aus dem Gebiet von Beit Chanun in Richtung der Grenze zu Israel. Unterdessen gab die Fatah-Bewegung von Palästinenserpräsident Jassir Arafat am Sonntagabend eine sofortige Waffenruhe bekannt. Zuvor hatten die militanten Organisationen Hamas und Islamischer Dschihad ihre Aktionen gegen Israel für die Dauer von drei Monaten eingestellt.

Am Sonntag hatten sich der israelische Befehlshaber für den Gazastreifen, Brigadegeneral Gad Schamni, und der palästinensische General Abdel Rasik al-Medscheida am Grenzübergang Eres getroffen und Einzelheiten des Rückzugs besprochen. Nach dem Abzug der Israelis wollen die palästinensische Sicherheitskräfte ab heute morgen in dem Gebiet für Ruhe und Ordnung sorgen. Schamni und al-Medscheida besprachen auch die Wiederöffnung der Fernstraße, die den Gazastreifen von Nord nach Süd durchzieht. Gespräche über einen israelischen Rückzug aus Bethlehem im Westjordanland sollen in dieser Woche folgen.

Die israelischen Streitkräfte betonten, trotz des Abzugs würden sie die Lage in den Gebieten weiter genau überwachen, um die Sicherheit israelischer Bürger garantieren zu können.

Nach offiziellen palästinensischen Angaben will die Fatah alle Aktionen gegen Israel für sechs Monate einstellen. Allerdings verlangt die Fatah, dass Israel den international Nahost-"Fahrplan" umsetzt, die jüdischen Siedlungen in den palästinensischen nicht weiter ausbaut und Arafat Bewegungsfreiheit gewährt.

Hamas und Islamischer Dschihad bestehen darauf, dass Israel militärische Aktionen gegen sie einstellt und die Abriegelung palästinensischer Gebiete aufhebt. Auch die kleine Demokratische Front für die Befreiung Palästinas (DFLP) schloss sich der Waffenruhe an.

Rice gegen Sicherheitszaun

Die US-Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice erörterte mit der israelischen und der palästinensischen Führung, wie die Umsetzung des internationalen Friedensplans vorangetrieben werden kann. Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon informierte Rice über geplante Maßnahmen, die Beschränkungen für Palästinenser zu lockern. Dazu gehören die Entlassung palästinensischer Häftlinge und die Erlaubnis, den 2001 von Israel zerstörten Flughafen von Gaza-Stadt wieder aufzubauen.

Rice übte Kritik an dem im Bau befindlichen acht Meter hohen Sicherheitszaun, der Kern-Israel vom Westjordanland trennen und das Einsickern von Selbstmordattentäter verhindern soll. Das könne als Vorwegnahme der endgültigen Grenzziehung interpretiert werden. Mitglieder des israelischen Sicherheitskabinetts erwiderten nach Angaben von Radio Israel, der Zaun sei aus Sicherheitsgründen unverzichtbar und unverhandelbar.

Rice war Samstagabend in der Region eingetroffen und hatte zunächst in Jericho mit dem palästinensischen Ministerpräsidenten Mahmud Abbas, Außenminister Nabil Schaath und Sicherheitsminister Mohammed Dachlan gesprochen. Dabei lud sie Abbas zu einem Besuch im Weißen Haus nach Washington ein.

Hatem Abdel Kadder, der Fatah-Führer im Westjordanland, sagte vor der Presse, zwischen den verschiedenen militanten Gruppierungen gebe es Meinungsverschiedenheiten über den Text einer Waffenruhe-Erklärung. Einige wollten keinen Text, der als Annahme des internationalen Friedensplans interpretiert werden könne.

Die Al-Aksa-Märtyrerbrigaden, der bewaffnete Arm der Fatah- Bewegung, bestehen auf der Freilassung aller palästinensischen Häftlinge durch Israel. Die Palästinensische Volksbefreiungsfront PFLP lehnt eine Waffenruhe ab, doch sagte der PFLP-Vertreter im Gazastreifen, Kajed al-Ghoul, man wolle sie dennoch respektieren, um inner-palästinensischen Zwist zu vermeiden.



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