Mehr als 75 Tote im Gazastreifen Ägypten öffnet Grenze für verletzte Palästinenser

Mindestens 75 Palästinenser sind bei israelischen Luftangriffen auf den Gazastreifen getötet worden. Mehr als 500 Menschen wurden verletzt - sie können nun auch in Ägypten behandelt werden.

AP

Gaza/Tel Aviv - Die massive israelische Offensive im Gazastreifen fordert immer mehr Opfer, darunter auch Zivilisten. Die Zahl der getöteten Palästinenser ist auf 78 gestiegen, erklärte das Gesundheitsministerium in Gaza-Stadt.

Mehr als 500 Menschen seien seit Beginn der Luftangriffe in der Nacht zum Dienstag verletzt worden. Unter den Opfern seien auch Frauen und Kinder.

Ägypten öffnet nun seinen Grenzübergang zum Gazastreifen in Rafah für die Verwundeten. Die ägyptischen Behörden hätten diese Entscheidung getroffen, damit Verletzte in ägyptischen Krankenhäusern behandelt werden könnten, berichtete das staatliche Nachrichtenportal "al-Ahram Online". Ägyptens Regierung hatte die Grenze zum Gazastreifen im Juni geschlossen.

Am Donnerstag flogen israelische Kampfflugzeuge neue Luftangriffe. Israel wägt nach den Worten von Armeesprecher Peter Lerner noch die Vor- und Nachteile einer Bodenoffensive im Gazastreifen ab. Ziel ist es, den Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen zu stoppen. Eine Bodenoffensive sei jedoch die "letzte Option", so der Sprecher. Die israelische Regierung hatte die Mobilisierung von insgesamt 40.000 Reservisten gebilligt.

Die Hamas und andere radikale Palästinensergruppen feuerten in den vergangenen Tagen insgesamt knapp 300 Raketen auf Südisrael ab. In der Küstenmetropole Tel Aviv heulten am Donnerstagmorgen wieder die Sirenen. Es war eine Serie dumpfer Explosionen zu hören. Menschen eilten in Schutzräume. Todesopfer aufseiten Israels gab es bislang nicht.

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Krise in Israel: Bomben und Raketen in der Nacht
Offenbar nahmen militante Palästinenser auch den Atomreaktor Israels ins Visier. Berichten zufolge feuerten sie mindestens drei Raketen in Richtung der Wüstenstadt Dimona ab, die in der Nähe des Atomkraftwerks liegt. Mindestens eine Rakete wurde demnach vom Abwehrsystem "Eisenkuppel" in der Luft abgefangen.

Die Gewalt in der Region eskaliert seit Juni, als im Westjordanland drei israelische Jugendliche entführt und ermordet wurden. Die Regierung sieht die Schuld der Hamas als erwiesen an, die die Tat als das Werk von Helden verherrlicht, sich aber nicht explizit dazu bekannt hat. In der vergangenen Woche wurde offenbar aus Rache ein palästinensischer Jugendlicher getötet. Sechs jüdische Tatverdächtige sind deswegen in Haft.

Die radikale Hamas lehnt Israels Existenzrecht sowie eine Friedensregelung ab. Die USA, Israel und die EU stufen die Hamas mit ihren Milizen als Terrororganisation ein. Die Organisation verlangt als Bedingung für eine neue Waffenruhe ein Ende der Blockade des Gazastreifens durch Israel und Ägypten. Außerdem fordert sie ein Ende der israelischen Militäraktionen gegen die Palästinenser sowie die Freilassung von Hamas-Mitgliedern.

Israel dagegen will ein Ende der Raketenangriffe erreichen, bevor es seine Luftangriffe einstellt.

kgp/dpa/AFP

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