Geberkonferenz EU und USA sagen Milliarden-Hilfen für Haiti zu

Die Hilfszusagen auf der Haiti-Geberkonferenz in New York haben die Erwartungen deutlich übertroffen: Washington wird das vom Erdbeben zerstörte Land mit 1,15 Milliarden Dollar unterstützen, die EU stellt noch etwas mehr zur Verfügung. Alle Versprechen summieren sich auf 9,9 Milliarden Dollar.

US-Außenministerin Clinton: "Sie brauchen Hilfe und wir brauchen Haiti"
REUTERS

US-Außenministerin Clinton: "Sie brauchen Hilfe und wir brauchen Haiti"


New York - Knapp drei Monate nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti hat eine Geberkonferenz auf Einladung der Uno das finanzielle Fundament für den Wiederaufbau des Landes gelegt. Allein die USA wollten dafür 1,15 Milliarden Dollar (850 Millionen Euro) bereitstellen, kündigte Außenministerin Hillary Clinton am Mittwoch auf der Tagung in New York an.

"Sie brauchen Hilfe und wir brauchen Haiti", sagte Clinton. "Menschenschmuggel, ausufernder Drogenhandel, Tuberkulose, Aids - das betrifft zuerst die Menschen in Haiti, aber schnell uns alle." Laut Clinton wollen die USA die politischen Institutionen in Haiti stärken, die Sicherheitslage verbessern und die Entwicklung von Sektoren wie Landwirtschaft, Energie und Gesundheit vorantreiben. Clintons Ehemann, Ex-Präsident Bill Clinton, nahm eine Einladung von Haitis Präsident René Préval an, den Co-Vorsitz einer Kommission zur Überwachung der Spendengelder zu übernehmen.

Die Hilfszusagen bei der internationalen Geberkonferenz haben die Erwartungen deutlich übertroffen. Die Teilnehmer sagten alleine für die kommenden zwei Jahre Hilfen in Höhe von 5,3 Milliarden Dollar (3,9 Milliarden Euro) zu, wie Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon am Mittwoch zum Abschluss der Konferenz mitteilte.

Über einen längeren Zeitraum will die internationale Gemeinschaft sogar insgesamt 9,9 Milliarden Dollar bereitstellen. Die Uno hatte im Vorfeld der in New York abgehaltenen Konferenz als Ziel 3,8 Milliarden Dollar für die kommenden 18 Monate angegeben.

1,2 Milliarden Euro von der Europäischen Kommission

Die Europäische Union stellt Haiti mehr als 1,2 Milliarden Euro zur Verfügung. Mit dem Geld sollten in den nächsten 18 Monaten vor allem Straßen und Gebäude gebaut und andere Infrastrukturprojekte verwirklicht werden, sagte EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton am Mittwoch auf der Geberkonferenz in New York.

Für Deutschland weist die EU einen Anteil von 39,4 Millionen Euro aus. Damit ist die Bundesrepublik die Nation mit dem viertgrößten Anteil - knapp hinter Italien mit 40 Millionen. Spanien überweist allein 346 Millionen, Frankreich 236 Millionen Euro. Hinter Deutschland kommen die Niederlande mit knapp 30 Millionen Euro.

Etwa ein Drittel des EU-Geldes kommt aus dem Topf der Europäischen Kommission. "Es geht bei den Spenden der einzelnen Länder nicht um einen Wettbewerb", sagte Lady Ashton auf die Frage, ob der deutsche Anteil nicht zu gering sei. "Einige Länder haben wichtige Handelsbeziehungen in die Region, andere weniger. Aber das ist Europa, das sind nicht einzelne Länder. Und die Spendensumme repräsentiert das Beste von Europa."

Venezuela versprach Haiti mehr als zwei Milliarden Dollar. Nach Angaben der Vereinten Nationen verpflichtete sich Caracas auf der Geberkonferenz zur Zahlung von 2,147 Milliarden Dollar (1,6 Milliarden Euro). Damit würde das südamerikanische Land mit seinen gut 27 Millionen Einwohnern fast doppelt so viel überweisen wie die USA. Allerdings will Venezuela nur gut die Hälfte des Geldes in den nächsten 18 Monaten überweisen, den Rest in den kommenden zehn Jahren.

Die Weltbank gab bekannt, ihre Hilfszusagen um 250 Millionen Dollar auf 479 Millionen Dollar bis Juni 2011 aufzustocken. An der eintägigen Konferenz hatten Vertreter von 138 Staaten, internationalen Organisationen und Nichtregierungsorganisationen teilgenommen.

Jeder Deutsche spendete im Durchschnitt 2,30 Euro

Die Europäer können nach Angaben der Europäischen Union noch zusätzlich fast 650 Millionen Euro nach Haiti schicken, die bei privaten Spendern gesammelt wurden. Dabei kommt mit 195 Millionen der mit Abstand größte Teil aus Deutschland. In Relation zur Einwohnerzahl wird Deutschland aber zum Beispiel erneut von den Niederländern übertroffen, die 68 Millionen Euro sammelten. Jeder Deutsche gab damit im Schnitt gut 2,30 Euro, jeder Niederländer aber 4,12 Euro. Am großzügigsten zeigten sich aber die Luxemburger, die im Schnitt 9,12 Euro spendeten.

Vertreter der Geberländer betonten die Notwendigkeit, die Hilfen für einen grundlegenden politischen und wirtschaftlichen Neubeginn in Haiti zu nutzen. Haiti zählte bereits vor dem Beben zu einem der ärmsten - und nach Einschätzung vieler Experten am schlechtesten regierten - Länder der Erde. "Es wird verlockend sein, wieder in alte Gepflogenheiten zurückzufallen", warnte Ministerin Clinton. "Wir dürfen aber nicht zu den gescheiterten Strategien zurückkehren. "

Haitis Regierung stellte in New York einen "Aktionsplan für nationalen Wiederaufbau und Entwicklung" vor, wobei der Wiederaufbau staatlicher Institutionen und Strukturen im Mittelpunkt stehen soll. Bei dem Erdbeben waren 220.000 Menschen ums Leben gekommen, 1,3 Millionen wurden obdachlos.

Deutschland wurde auf der Konferenz vom deutschen Botschafter bei der Uno vertreten, Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) reiste nicht nach New York. Die Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Entwicklung, die CSU-Politikerin Dagmar Wöhrl, sagte im SWR, Deutschland habe direkt, über die EU und über die Weltbank bislang knapp 180 Millionen Euro für Haiti bereitgestellt. Der Grünen-Entwicklungsexperte Thilo Hoppe bezeichnete die Hilfe als unzureichend und forderte die Regierung auf, "ihre kleinkrämerische Haltung abzulegen".

hen/lgr/AFP/dpa

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oberst klein 31.03.2010
1. 180 Mio Euro aus deutschen Steuergeldern
für so einen Kleinstaat in der Karibik finde ich von uns sehr sehr großzügig. Den Rest sollen dann wirklich die USA und Venezuela aufbringen. Lächerlich, dass dieser Hinterbänkler von den Grünen dafür plädiert, mehr Geld für eine aussichtslose Sache auszugeben. Wahrscheinlich ist der Typ von der GTZ gekauft.
puqio 31.03.2010
2. kurruptes System
Gerade bei dem korrupten System in Haiti ist mir sehr unklar wer die vielen Dollar und Euros auf sein persönliches schweizer Bankkonto schaufeln wird. Einige der Namen sind wohl bekannt, aber das gibt es offensichtlich noch viel mehr . . Nun gut, als braver Steuerzahler werde ich mein Geld wenn auch unfreiwillig dazu geben. Es ist nur schade, dass die Armen davon nichts haben werden.
Eppelein von Gailingen 31.03.2010
3. Solche Gelder wären berechtigt, wenn Bereicherungsdiktatoren ausgeschlossen sind
Zitat von sysopUS-Außenministerin Clinton hat auf der Haiti-Geberkonferenz in New York zu massiver Hilfe für den Karibikstaat aufgerufen - Washington werde das vom Erdbeben zerstörte Land mit 1,15 Milliarden Dollar unterstützen, kündigte Clinton an. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,686806,00.html
Wozu eine Entwicklungshilfe, die dem betroffenen Volk nicht nützt. Will man damit Verbrecher mästen und ihre Konten in der Schweiz mehren? Die rote Heidi war so eine Kurtisane der Geldverteilung. Die SPD hat hier negativ gepunktet. Wie überhaupt. Wieso unterhalten wir uns noch über eine SPD mit Gabriel, Nahles......und... ist alles auf die Spitze getrieben. Die FDP hat außer dem verkappten Möchtegern-Diplomaten Westerwelle nichts zu bieten, außer Puppentheater Aufführungen. Will diese SPD jemals auf die Beine kommen? Wie bei der FDP, sind keine Realdenker vorhanden. Dann kommt eine Inszenierung, Rückmeldung vom ehemaligen Chaos-Kanzler Schröder, der mit den Cohiba Zigarren keine Aufmerksamkeit mehr erweckte, der seinen wirklichkeitsfernen Senf zu türkischen Schulen abgibt. Mit Schröder-Denken wäre unsere Republik noch mehr abgewrackt als mit dem Übel Kanzlerin Merkel.
Akademiker 01.04.2010
4. Volksvertreter
"Der Grünen-Entwicklungsexperte Thilo Hoppe bezeichnete die Hilfe als unzureichend und forderte die Regierung auf, "ihre kleinkrämerische Haltung abzulegen"." Ich habe es noch nie erlebt, dass ein grüner Politiker Deutschland vertreten hat. Immer werden nur die Interessen anderer Nationen oder Volksgruppen vertreten. Immer wird von den grünen versucht das Maximum aus Deutschland rauszuspressen. Ob nun bei Hilfen oder Asyl etc.
alzaimar 01.04.2010
5. War da nich noch was mit Chile?
Ist Haiti so hip? Weil Wyclef Jean von dort kommt und die US-Promis sich für den Inselstaat einsetzen? Wow! Chile hat keinen Popstar. Kein Popstar, kein Geld. Armes Chile.
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