Japans Gedenken an Zweiten Weltkrieg Premier Abe vermeidet direkte Entschuldigung

Ministerpräsident Shinzo Abe hat "tiefe Reue" für die Verantwortung Japans während des Zweiten Weltkrieges bekundet. China und Nordkorea gingen die Äußerungen des Bedauerns jedoch nicht weit genug.

Ministerpräsident Shinzo Abe: Mit der Kapitulation Japans am 2. September 1945 endete der Zweite Weltkrieg
REUTERS

Ministerpräsident Shinzo Abe: Mit der Kapitulation Japans am 2. September 1945 endete der Zweite Weltkrieg


Zum 70. Jahrestag der Kapitulation im Zweiten Weltkrieg gedenkt Japan am Samstag der Kriegstoten. Geplant ist eine zentrale Gedenkzeremonie, an der auch Kaiser Akihito teilnehmen wird. Zuvor hat Japans rechtskonservativer Regierungschef Shinzo Abe Bedauern für die Aggressionen seines Landes formuliert - er entschuldigte sich jedoch nicht explizit, sondern verwies dabei lediglich auf Erklärungen seiner Vorgänger.

"Japan hat wiederholt Gefühle der tiefen Reue und eine von Herzen kommende Entschuldigung für seine Taten während des Krieges zum Ausdruck gebracht", sagte Abe in einer Erklärung zum 70. Jahrestag des Kriegsendes. Diese Position früherer Kabinette "wird unerschütterlich in die Zukunft hinein bleiben", sagte Abe.

Gleichwohl versuchte Abe, bei der Pressekonferenz in Tokio künftige Generationen von dem Druck zu befreien, sich immer wieder aufs Neue entschuldigen zu müssen. "Unsere Kinder, Enkel und die kommenden Generationen, die nichts mit dem Krieg zu tun haben, dürfen nicht zum Entschuldigen verpflichtet werden."

Mit Blick auf China gestand der Ministerpräsident "unermessliches Leid" ein, das durch Japans Militär verursacht worden sei. Allen asiatischen Nachbarn und früheren Kriegsgegnern übermittelte er seine "tiefe Trauer und ewiges Mitgefühl".

Peking gingen die Worte des nationalistischen Ministerpräsidenten aber nicht weit genug: Japan solle sich für seine Aggression im Zweiten Weltkrieg "ernsthaft entschuldigen", erklärte das chinesische Außenministerium. Das nordkoreanische Außenministerium warf Abe sogar vor, sich "unverzeihlich über das koreanische Volk lustig gemacht zu haben". In seiner Rede habe "ein ehrliches Eingeständnis und eine Entschuldigung" für die "monströsen Verbrechen und den unaussprechlichen verursachten Schaden" gefehlt, hieß es in einer von der amtlichen Nachrichtenagentur KCNA verbreiteten Erklärung.

Nach Angaben Pekings wurden in China mehr als 20 Millionen Menschen durch Japans Invasion und Besatzung getötet. Korea litt unter einer 35-jährigen japanischen Kolonialherrschaft, die 1945 endete.

Mit der Kapitulation Japans am 2. September 1945 endete damals der Zweite Weltkrieg. Zuvor hatte die US-Armee Anfang August zwei Atombomben über dem Land abgeworfen.

Anmerkung der Redaktion: Die Überschrift dieses Artikels lautete zunächst "Japan entschuldigt sich". Das war nicht korrekt, da Premier Abe, wie es ja im Artikel heißt, eine explizite Entschuldigung vermieden hat. Wir haben die Überschrift entsprechend geändert und bitten, die missverständliche Darstellung zu entschuldigen.

asc/dpa/Reuters



insgesamt 28 Beiträge
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Hamstedt 14.08.2015
1. Falschmeldung
Abe hat in seiner Rede deutlich gemacht, dass diese keine Entschuldigung darstellt, von daher ist der Titel dieses Artikels irreführend.
herm16 14.08.2015
2. kuenftige
Generationen vom Druck des immer wieder entschuldigen zu nehmen. Waer auch für uns ueberlegenswert
redbayer 14.08.2015
3. Greueltaten und Millionen von Toten
typisch für die Ideologen & Militaristen - auch in Japan. Das eigentliche Verbrechen war aber schon vor dem Krieg der Zusammenschluss mit den deutschen Faschisten (Achsenmächte). Und da haben die Japaner nichts dazu gelernt. Auch heute gehen sie gerne "untergehakt mit den Deutschen" (unter dem Mäntelchen "Westen") obwohl die wieder dabei sind totalitär zu regieren - diesmal über ganz Europa (EU).
doutdes 14.08.2015
4. Das war mehr Provokation ..
Von der Wortwahl ,dem Satzaufbau und vor allem dem erkennbaren Bemühen Abes ,andere schwammige Erklärungen zu zitieren, um zu vermeiden ,eigenes zu sagen ,lassen auch den Schluss zu :das war mehr eine Entschuldigung an die eigene nationalistsche Klientel ,er könne nicht sagen ,Japan habe sich für nichts zu entschuldigen . " Aufrichtigkeitstest nicht bestanden ". so heute Xinhua .Das war noch sehr zurückhaltend ausgedrückt.
sachse78 14.08.2015
5. Entschuldigungen
Sollte man annehmen. Vor allem nach all diesen Jahren. Historischen Dreck am Stecken haben sicher alle.
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