Gedenkgottesdienst "Wir haben kaum noch Tränen übrig"

Die Aufräumarbeiten in den Trümmern des New Yorker World Trade Center sind am Sonntag zum zweiten Mal seit den Anschlägen vom 11. September für einen Gedenkgottesdienst unterbrochen worden. Christliche und muslimische Geistliche sprachen Gebete und riefen zur Toleranz auf.


New York: Die Trauernden beim Gedenkgottesdienst
REUTERS

New York: Die Trauernden beim Gedenkgottesdienst

New York - "Wir sind Nachbarn, wir sind Familienangehörige und Freunde - und wir sind verletzt", sagte der muslimische Kaplan Imam Izak-El Mu'eed Pasha. "Lasst uns zusammenhalten und beten und unseren Glauben nicht für so etwas benutzen. Sie können unseren Glauben nicht benutzen, um solch schreckliche Dinge zu tun." Der katholische Kardinal Edward Egan sagte in seiner Predigt, die mehr als 4000 seit dem 11. September vermissten Menschen seien "brutal, bösartig und ungerecht von uns genommen worden". "Wir haben kaum noch Tränen übrig."

Zu dem Gedenkgottesdienst kamen nach Angaben der Stadt 9200 Menschen, weit mehr als erwartet. Die in der bizarren Trümmerlandschaft aufgestellten Klappstühle reichten für die Trauernden nicht aus, von denen viele Fotos ihrer vermissten Angehörigen mit sich führten. Bürgermeister Rudolph Giuliani hatte zuvor die Veranstaltung als Dienst für die Trauernden bezeichnet. "Es ist wichtig für sie zu beten, eine Verbindung zu den Menschen zu spüren, die sie verloren haben."

Für viele war es der erste Besuch in der "Ground Zero" genannten Trümmerlandschaft, in der für den Gottesdienst erst zum zweiten Mal seit den Anschlägen die rund um die Uhr gehenden Aufräumarbeiten unterbrochen wurden. Die erste Unterbrechung war am 11. Oktober gewesen, um 8.48 Uhr (Ortszeit) - genau vier Wochen nach dem Einschlag des ersten entführten Passagierflugzeugs in einen der beiden Türme.

An dem Gedenkgottesdienst nahmen neben Giuliani auch Gouverneur George Patakis sowie die beiden Senatoren Hillary Rodham Clinton und Charles Schumer teil.



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