Pegida-Gast Geert Wilders Popstar der Islamgegner

Der Pegida-Auftritt von Geert Wilders sorgt für heftige Proteste. Wer ist der Niederländer? Der bekennende Islamhasser ist Vorbild vieler Rechtspopulisten, doch zuletzt ging es für ihn schon wieder bergab.

AP

Es wird ein Blitzbesuch. Erst kurz vor seinem Auftritt landet der Stargast in Dresden, wie immer an seiner Seite persönliche Leibwächter. Eine Wagenkolonne soll ihn auf dem schnellsten Weg zur Flutrinne bringen. Nach der Rede geht es für den Niederländer mit den blondgefärbten Haaren rasch wieder zum Flughafen. Die letzte Maschine nach Düsseldorf wartet.

Geert Wilders besucht Pegida - und es wird ein bisschen zelebriert wie der Auftritt eines Popstars. Ein Popstar für rechts außen, ein Idol für die Islamfeinde und Ausländerhasser in Europa.

Pegida, die Protestbewegung aus Dresden, hat den niederländischen Politiker als Hauptredner eingeladen. Dafür geht es eine Stunde früher als üblich los, es wurde eigens die Dresdner Flutrinne gebucht, wo sonst AC/DC oder Bon Jovi auftreten. Angeblich erwartet man 30.000 Besucher - und auch wenn es in Wahrheit wohl viel weniger werden: Für die schwächelnde Pegida-Bewegung ist Wilders, der zuletzt eher selten in der Öffentlichkeit auftrat, ein Stargast.

Wer ist der Mann?

Der 51-Jährige ist Vorsitzender der Partei für die Freiheit (PVV). Er selbst hat sie 2006 gegründet, aus dem Stand und im Alleingang ins Parlament geführt - und so zum Vorbild gemacht für viele andere rechtspopulistische Parteien, die in Europa in den vergangenen Jahren Auftrieb bekamen oder erst gegründet wurden.

Von 2010 bis 2012 duldete er gar die Minderheitsregierung von Premier Mark Rutte. Erst nachdem Wilders Bürger aufgerufen hatte, Beschwerden über Mitmenschen osteuropäischer Herkunft an seine PVV zu melden, zerbröckelte die Mehrheit. Politikwissenschaftlern gilt er als Verkörperung des modernen Rechtspopulismus.

"Wollt ihr mehr oder weniger Marokkaner?"

Wilders, Sohn einer Indonesierin und eines Niederländers, macht vor allem mit offenem Islamhass Politik. Straffällige Muslime wollte er abschieben, ganz egal welchen Pass sie haben. Er verglich den Koran mit Hitlers "Mein Kampf", warb für ein Verbot der heiligen Schrift in den Niederlanden.

In seinem Propaganda-Video "Fitna" ("Prüfung") stellte er den Islam als Quelle des Terrorismus dar. Seit dem Mord an dem islamkritischen Filmregisseur Theo van Gogh 2004 lebt Wilders unter ständigem Polizeischutz und kann sich nicht frei bewegen.

Erst im vergangenen März sorgte er für den letzten großen Eklat. Anhängern in einer Kneipe in Den Haag rief er zu: "Wollt ihr mehr oder weniger Marokkaner in den Niederlanden?" - "Weniger, weniger!", grölten diese. "Dann werden wir das regeln", antwortete er - und lächelte.

Das bescherte Wilders nicht nur einen YouTube-Hit, sondern auch Rücktritte mehrerer Mandatsträger und Strafanzeigen Tausender Bürger wegen Aufhetzung und Rassismus. Er wartet jetzt auf den Prozessauftakt. Zuvor stand der Serienprovokateur bereits wegen Volksverhetzung vor Gericht, wurde aber freigesprochen.

Bündnis der Europafeinde platzt

Für seine Partei ging es zuletzt allerdings bergab, sie musste bei vier Wahlen in Folge Verluste hinnehmen. In Europa scheiterte Wilders zudem mit einem ehrgeizigen Plan: Nach seinem Einzug ins Europaparlament im Mai 2014 hatte er angekündigt, eine Fraktion der anti-europäischen Kräfte zu bilden.

Doch das Bündnis rechtspopulistischer und rechtsextremer Parteien, etwa mit dem französischen Front National, kam nicht zustande. Wilders selbst verzichtete daraufhin auf sein Mandat im EU-Parlament. Er sitzt nach wie vor im niederländischen Parlament, wird von der politischen Konkurrenz und den Medien aber zunehmend ignoriert.

Und so sucht der Mann in letzter Zeit wieder mehr die internationale Öffentlichkeit. Zuletzt trat er in Wien bei einer Veranstaltung der rechtspopulistischen FPÖ auf. Im Mai will er dann in Washington über die "Gefahren der Islamisierung" aufklären, auf Einladung mehrerer Rechtsaußen-Republikaner.

Und so soll sein Auftritt in Dresden nicht nur der erlahmten Pegida-Bewegung Aufschwung geben, auch ihm selbst kommt die neue Aufmerksamkeit im Ausland alles andere als ungelegen.

Video: Geert Wilders 2010 in Berlin

REUTERS

mit Material von dpa

insgesamt 130 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
David K. 13.04.2015
1. Warum diese Aufgeregtheit oder warum hat der Mainstream Angst
Es ist schon interessant: Als die Islamisten vor ein paar Jahren ihre Veranstaltung in Frankfurt Innenstadt hatten, gab es objektiv-faire Berichterstattung und freundliches Desinteresse. Wenn Geert Wilders nach Dresden kommt, werden panikartige und -machende Artikel geschrieben, das Forum geschlossen und man übersteigert sich im Populismus. Kann es nicht auch sein, dass man sich insgeheim vor Wilders und Co fürchtet, weil man Angst hat, sie könnten rechthaben? Gegenvorschlag: Reden lassen und dann eine schöne Heimfahrt wünschen!
tkedm 13.04.2015
2.
Hihi, der "Gentleman"-Rechtspopulist neben der grölenden Neonazi-Maus Festerling, das passt ja.
Karl10 13.04.2015
3. Freiheit
Herr Wilders und die Pe-irgendwie und irgendwas sollte die Freiheit haben zu hassen, wen oder was sie wollen. Und sie sollten das auch sagen können.
Berg 13.04.2015
4.
Bei uns ist ein Teil der Bürger einfach konfessionslos, ist also weder evangelisch noch katholisch. Damit kann man in christlichen Ländern ohne Ängste oder Bedenken auskommen. In einigen islamischen Ländern allerdings ergreifen strenggläubige Islamisten für sich den Anspruch, dass ALLE ihren Glauben haben müssen. Andersgläubige und Nichtgläubige werden zu Feinden erklärt, verfolgt und umgebracht. Dieser Unterschied in der Methodik der Religionsausübung ist für uns beängstigend.
nurmeinemeinung77 13.04.2015
5. Witzfigur !!
Selber kein richtiger Hollander aber gegen ausländer hetzen. So eine Gestalt benötigen wir hier nicht. Davon haben wir in Dresden schon genug. Geht nach Hause du zuvielredener Nichtsnutz !!!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.