Gefangene Seeleute Iran wiederholt Besuchsangebot an London

Irans Außenminister hat der britischen Regierung erneut Zugang zu ihren 15 in Teheran inhaftierten Landsleuten zugesichert. London fordert inzwischen, der Uno-Sicherheitsrat müsse eingreifen.


Teheran/London - Der iranische Außenminister Manuschehr Mottaki machte seine Ankündigung während eines Aufenthaltes in Saudi-Arabien. Allerdings, fügte er laut einem Bericht der BBC hinzu, lasse sich die aktuelle Krise nur lösen, wenn die britische Regierung einräume, dass die Seeleute sich in iranischem Gewässer aufgehalten hätten.

Das britische Außenministerium erklärte, man erwarte Details wie eine mögliche konsularische Betreuung der Gefangenen aussehen könnte. Bisher habe es allerdings kein offizielles Angebot aus Iran gegeben.

Bereits vor drei Tagen hatte es Berichte darüber gegeben, dass die iranische Regierung Diplomaten Zugang zu den Häftlingen gewähren wolle. Mottaki habe der britischen Außenministerin Margaret Beckett in einem Telefongespräch gesagt, die Diplomaten dürften die Soldaten "nach Abschluss der Ermittlungen" sehen.

Im ganzen Land schaukeln sich inzwischen die Emotionen hoch. Premierminister Tony Blair hat vor dem Unterhaus angekündigt, London werde jetzt auch den internationalen Druck erhöhen. Britischen Medienberichten zufolge wird unter den Mitgliedern des Uno-Sicherheitsrates bereits der Entwurf einer Erklärung verbreitet, mit der unterstrichen werden soll, dass die britischen Seeleute unter einem Uno-Mandat im Einsatz waren. Blairs Regierung London hatte noch gestern alle Beziehungen zu Teheran eingefroren.

Das iranische Staatsfernsehen hatte gestern Abend Videoaufnahmen der britischen Soldatin und ihrer ebenfalls in Iran festgehaltenen Kameraden ausgestrahlt.

Die britische Regierung kritisierte die Vorführung scharf. "Es ist völlig inakzeptabel, dass diese Bilder im Fernsehen gezeigt werden", sagte ein Sprecher des Außenministeriums in London. Die Regierung sei außerdem sehr besorgt um Faye Turney, die junge Soldatin. Mit Blick auf ihre Aussage, ihre Einheit sei "offensichtlich" in iranische Hoheitsgewässer geraten, erklärte der Sprecher: "Wir sind sehr besorgt darüber, unter welchen Umständen sie diese Angaben gemacht hat."

Das ausgestrahlte Video zeigt die Gruppe beim Essen. Die 26-jährige Frau trägt ein weißes Gewand und hat ein Kopftuch lose über ihrem Haar drapiert. "Mein Name ist Faye Turney", identifiziert sich die Frau in den Aufnahmen. Sie komme aus England, habe auf "Foxtrot 99" gedient und sei seit neun Jahren in der Navy, sagt sie weiter. "Offensichtlich haben wir (die Grenze) überschritten", erklärt die Soldatin dann in dem Video, das vom arabischsprachigen Sender al-Alam ausgestrahlt wurde, der im gesamten Nahen Osten über Satellit zu empfangen ist. Außerdem wurde Turney in Uniform beim Essen mit den Soldaten gezeigt und beim Rauchen einer Zigarette. Wo die Bilder entstanden, ist bisher unklar.

Der Sender zeigte auch eine kurze Szene, in der offenbar britische Soldaten auf offener See in einem iranischen Boot sitzen. Möglicherweise entstanden diese Bilder unmittelbar nach der Festnahme der Soldaten durch iranische Revolutionsgarden am vergangenen Freitag.

Das Gebiet des Schatt al-Arab
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Das Gebiet des Schatt al-Arab

Zudem ist ein handgeschriebener Brief zu sehen, den Turney an die Adresse ihrer Familie gerichtet haben soll. Unabhängig von dem TV-Bericht erklärte die iranische Botschaft in London fast zeitgleich, sie sei im Besitz eines solchen Schreibens und habe es an die britische Regierung weitergeleitet. In dem Brief schreibe die Matrosin: "Wir wurden verhaftet, weil wir offensichtlich in iranische Gewässer gefahren waren. Ich wünschte, es wäre nicht passiert, weil ich dann längst bei Euch zu Hause wäre." Weiter zitiert die Botschaft: "Die Menschen hier sind sehr nett und gastfreundlich, sehr mitfühlend und warmherzig." Ihre Eltern sollten sich keine Sorgen machen, sie hoffe darauf, bald wieder nach Hause zu kommen.

Irans Außenminister hat am Mittwoch Abend angekündigt, die einzige Frau unter den festgehaltenen 15 britischen Militärangehörigen solle "sobald als möglich" freikommen.

ler/reuters/AP/dpa

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