Gefangene Soldaten Psychologische Kriegsführung mit Gefangenen-Videos

Das iranische Fernsehen hat gestern erstmals Bilder der gefangenen britischen Soldaten ausgestrahlt. Die Gefangenen werden öffentlich zur Schau gestellt - eine Praxis, die auch in Kriegen weit verbreitet ist und die gegen die Menschenrechte verstößt.

Von Julia Spurzem


Die Aufnahmen, die im iranischen Staatsfernsehen ausgestrahlt wurden, zeigen die britischen Soldaten in Uniform beim Essen. Die einzige Frau unter ihnen, Faye Turney, trägt ein Kopftuch. Sie erklärt, dass sie und ihre Kameraden "offensichtlich" in iranische Hoheitsgewässer vorgedrungen waren. Eine Aussage, die die britische Regierung heftig kritisierte.

Faye Turney: Das Video des iranischen Staatsfernsehen zeigte die Gefangene mit Kopftuch.
DPA/ AL ALAM TV

Faye Turney: Das Video des iranischen Staatsfernsehen zeigte die Gefangene mit Kopftuch.

Die Zurschaustellung der Geiseln im iranischen Fernsehen sei "völlig inakzeptabel" sagte die britische Außenministerin Margaret Beckett. Sie äußerte die Furcht, die Soldaten könnten gefoltert worden sein: "Ich bin sehr besorgt über diese Bilder und jedes Anzeichen von Druck oder Folter", sagte sie. Es sei offensichtlich, dass die Soldaten, vor allem Turney, zu einem Eingeständnis von Schuld gezwungen worden seien.

Mit ihrer Kritik an dem Video der Geiseln steht Beckett nicht alleine da. Für Wolfgang Grenz von der Menschenrechtsorganisation Amnesty International sind "die Grenzen klar überschritten." Hier werde versucht, politischen Druck aufzubauen - zu Lasten der Menschen. "Diese Menschen werden vorgeführt. Das ist erniedrigend."

Vor drei Jahren gab es einen ähnlichen Fall zwischen dem Iran und Großbritannien - auch hier wurden die Gefangenen öffentlich gezeigt. Die iranische Marine hatte im Juli 2004 im Schatt el Arab drei britische Patrouillenboote aufgebracht und acht Marinesoldaten festgenommen. Sie waren gefesselt mit verbundenen Augen im iranischen Fernsehen präsentiert worden. Vor laufender Kamera entschuldigten sie sich dafür, aus Versehen in iranische Gewässer vorgedrungen zu sein. Drei Tage später wurden sie wieder frei gelassen.

Für Grenz steht indes fest, dass in beiden Fällen die Vorführung durch die Videos eine unmenschliche Behandlung der Gefangenen ist. "Auf jeden Fall ist das eine Verletzung der Menschenwürde."

Rechtlich jedoch fällt der Vorfall nach seinen Angaben wahrscheinlich nicht unter die Regeln der Genfer Konvention, da keine kriegerische Auseinandersetzung vorliegt. Allerdings gelten, so Grenz, die allgemeinen Rechte für Gefangene, die unter anderem auch einen konsularischen Schutz vorsieht. "Das wird ja hier auch nicht berücksichtigt." Außerdem gebe es Menschenrechte, die beachtet werden sollen. "Staaten sollten sich verpflichten, solche Videos nicht auszustrahlen."

Schutz vor öffentlicher Neugierde

Die Genfer Konvention, die von 189 Staaten unterschrieben wurde, geht auf das Jahr 1864 zurück und wurde zuletzt 1949 geändert. Artikel 13 der dritten Konvention sagt, dass Kriegsgefangene zu jeder Zeit geschützt werden müssen, vor allem gegen Gewaltanwendung, Einschüchterung, Beleidigungen und auch öffentliche Neugierde. Eine Regel, die allerdings auch in kriegerischen Auseinandersetzungen nicht immer eingehalten wird.

Vor allem in den diversen Irak-Kriegen wurden immer wieder gefangene Soldaten im Fernsehen präsentiert. Schon am ersten Tag des Krieges 1991 wurde der Brite John Nichol mit seiner Tornado über Bagdad abgeschossen. Danach begannen für ihn sieben Wochen voller Terror: Prügelorgien, stundenlanges Stehen gegen die Wand, Ausdrücken von Zigarettenkippen im Gesicht und auf den Armen - seine Peiniger ließen nichts aus. Als seine Folterer ihm brennende Taschentücher in den Nacken stopften, gab John Nichol auf und kooperierte. Und so wurde er vor den Kameras als Kriegsverbrecher vorgeführt und verkündete: "Der Krieg sollte aufhören."

Auch von US-Seite gab es Videos mit irakischen Gefangenen. Bei der Operation Wüstensturm wurde anfangs vom US-Militär versucht, möglichst psychologisch vorzugehen. Fotos und Videotapes der ersten irakischen Kriegsgefangenen wurden in den Medien gezeigt. Begründet wurden die Darstellungen damit, dass die Festnahmen ein berichtenswerter Vorgang gewesen seien.



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