Gefangenen-Krise Iran schlägt versöhnliche Töne an

Die Worte sind deutlich weniger hitzig als in den vergangenen Tagen: Großbritannien und Iran suchen verstärkt nach einer diplomatischen Lösung der Krise. Irans Unterhändler Laridschani sagte, er sehe keinen Grund für ein Gerichtsverfahren gegen die gefangenen Briten.


Teheran/London - Die Töne der iranischen Regierung werden deutlich moderater. Am Abend sagte der internationale Unterhändler Irans, Ali Laridschani in einem Interview mit dem britischen Sender Channel 4, Iran wolle die Krise auf diplomatischem Wege lösen. "Wir sind nicht daran interessiert, diese Angelegenheit noch komplizierter werden zu lassen." Seine Regierung suche einen schnellen Ausweg aus der Krise.

Ali Laridschani: "Wir glauben daran, dass die Sache gelöst werden kann"
DPA

Ali Laridschani: "Wir glauben daran, dass die Sache gelöst werden kann"

"Wir glauben fest daran, dass die Sache gelöst werden kann und sehen keinen Grund für einen Gerichtsprozess", sagte Laridschani weiter. Dabei war er es gewesen, der in der vergangenen Woche den Eindruck erweckt hatte, die 15 gefangenen Seeleute müssten sich vor Gericht verantworten.

Alle in die Krise involvierten Kräfte sollten auf die "Sprache der Gewalt" verzichten. Mit Sensationsmacherei sei das Problem nicht zu lösen.

Er erwarte allerdings von der britischen Seite, dass sich solch ein Zwischenfall nicht wiederholen dürfe. Zunächst müsse jetzt geklärt werden, ob die gefangen genommenen Seeleute in iranischen Gewässern gewesen seien. Das soll eine Delegation Übernehmen. Wie sich ein solches Gremium zusammensetzen wird, darüber sagte er nichts.

Großbritannien erklärte am Abend, es teile mit Iran das Ziel, bilaterale Gespräche zu führen. Eine Sprecherin des Außenministeriums sagte, es gebe zwar nach wie vor "einige Differenzen, aber wir bestätigen, dass wir die Präferenz zu baldigen bilateralen Gesprächen mit Iran teilen, um eine diplomatische Lösung des Problems zu finden".

Auch der staatliche iranische Rundfunk hatte heute schon versöhnlichere Töne angeschlagen. Es gebe "positive Veränderungen" in der britischen Verhandlungsposition. Deshalb würden die Fernsehsender auch keine weiteren Videos mit den Geständnissen britischer Seeleute zeigen.

Der staatliche iranische Nachrichtensender Al Alam, der nur im Ausland zu empfangen ist, hatte zuvor gemeldet, dass alle 15 britischen Soldaten zugegeben hätten, ohne Genehmigung in iranische Hoheitsgewässer eingedrungen zu sein. Iran wirft ihnen illegalen Grenzübertritt vor, Großbritannien bestreitet dies.

Britischen Angaben zufolge befand sich die Patrouille in irakischen Gewässern. In London heißt es, die angeblichen Geständnisse seien möglicherweise erzwungen worden.

Ein Sprecher von Premierminister Tony Blair hatte heute klargestellt, an der britischen Position habe sich nichts geändert. Die Soldaten müssten ohne Bedingungen freigelassen werden. "Die Iraner kennen unsere Position, und sie wissen, dass wir starke internationale Unterstützung haben", sagte er.

Die fünfzehn britischen Seeleute waren am 23. März im Mündungsgebiet des Schatt al-Arab im Persischen Golf festgenommen worden.

ler/AP/dpa



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