Gefangenen-Krise Iran stoppt Freilassung von britischer Soldatin

Spätestens heute sollte Faye Turney freikommen - so war es angekündigt. Doch jetzt verzögert Iran die Freilassung der einzigen Frau unter den festgenommenen britischen Seeleuten. Teheran ist verärgert über das "politische Tamtam" aus London.


Teheran - Ali Laridschani, Sekretär des nationalen Sicherheitsrates, sagte dem staatlichen iranischen Fernsehsender: "Wir hatten beschlossen, die Frau freizulassen, aber angesichts des politischen Tamtams, das London veranstaltet, ist dieser Beschluss vorläufig auf Eis gelegt."

Warten auf die Freiheit: Die britische Soldatin Turney in einer Aufnahme des TV-Senders al-Alam
DPA/ AL ALAM TV

Warten auf die Freiheit: Die britische Soldatin Turney in einer Aufnahme des TV-Senders al-Alam

Die Haltung der britischen Regierung sei bei der Lösung des Problems wenig hilfreich, fügte er hinzu. Sollte sich das nicht ändern, dann würde Iran ebenfalls einen anderen Kurs einschlagen, warnte Laridschani. "Wir hätten es vorgezogen, die Angelegenheit über diplomatische Kanäle und bilaterale Gespräche beizulegen. London hätte ein Team aus Rechts- und Technikexperten nach Teheran schicken können, um den Vorfall zu prüfen und den Weg für eine Regelung zu ebnen", sagte er.

"Stattdessen hat die britische Regierung eine harsche Rhetorik an den Tag gelegt und für die Sache in Pressekreisen die Werbetrommel gerührt, den Weltsicherheitsrat eingeschaltet sowie andere Länder, die sich zu der Sache ohne irgendeine Kenntnis der Fakten geäußert haben", sagte Laridschani. Es sei nicht das erste Mal gewesen, dass britische Streitkräfte in iranische Gewässer eingedrungen seien.

Nach dem letzten Vorfall im Juli 2004 habe die britische Seite zugesagt, dass sich eine solche Verletzung der iranischen Hoheitsgewässer nicht wiederholen werde. "Wir leben nicht im Steinzeitalter (...). Wir können ganz einfach (das Satelliten-Navigationssystem) GPS nutzen, um zu klären, ob die Soldaten auf der iranischen oder irakischen Seite des (Mündungsgebietes des Schatt al-Arabs) waren", sagte Laridschani.

Großbritannien strebt wegen der Festnahme der Soldaten eine Verurteilung Irans im Weltsicherheitsrat an. Entsprechende Schritte seien bereits eingeleitet worden, bestätigte das Außenministerium in London. Gestern Abend hatte London das Uno-Gremium bereits aufgefordert, sich für die unverzügliche Freilassung der Soldaten einzusetzen.

Erstmals schaltete sich auch Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon in den sich verschärfenden Streit zwischen Großbritannien und Iran ein. Er traf am Rande des Arabischen Gipfels in Riad mit dem iranischen Außenminister Manutschehr Mottaki zusammen. Einzelheiten der Unterredung wurden zunächst nicht bekannt. Mottaki sagte, die britischen Soldaten könnten freikommen, wenn London sich zu deren Fehler bekenne - dem Eindringen in iranische Gewässer. Ein Sprecher des Londoner Außenministeriums lehnte dies kategorisch ab.

Am Mittwoch hatte das britische Verteidigungsministerium Positionskoordinaten von einem Satelliten veröffentlicht, die nach britischer Darstellung beweisen, dass die Soldaten in irakischen Gewässern gefangen genommen wurden. Mottaki erwiderte, man habe den Soldaten GPS-Geräte abgenommen, die zeigten, dass ihre Boote in iranischem Gebiet aufgebracht worden seien.

Großbritannien hat die bilateralen Kontakte zu Iran inzwischen auf Eis gelegt und will nur noch über die sofortige Freilassung der Soldaten mit Teheran reden. Laridschani bezeichnete diesen Schritt als "Fehlkalkulation", die sich nicht auszahlen werde. Auch Mottaki dämpfte Hoffnungen, dass zumindest die Soldatin bald freikäme. Er kündigte lediglich an, dass es britischen Diplomaten bald erlaubt werden solle, die 15 Gefangenen zu besuchen. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan erklärte, auch sein Land warte darauf, Diplomaten zu den Briten entsenden zu dürfen.

Das staatliche iranische Fernsehen zeigte am Mittwochabend ein Video mit den Soldaten. Die britische Regierung bezeichnete diese Ausstrahlung als "völlig inakzeptabel". Die Bilder verstießen gegen einschlägige Konventionen und die Menschenrechte, hieß es aus dem Büro von Premierminister Tony Blair. Man dürfe niemanden einer solchen Bloßstellung unterziehen.

Die Lage zwischen Großbritannien und Iran spitzte sich auch andernorts zu. Der iranische Generalkonsul in der südirakischen Stadt Basra erklärte, britische Soldaten hätten sein Büro umstellt und Schüsse abgegeben. Die Streitkräfte sollten wegen der Gefangennahme der Soldaten nicht überreagieren, warnte Mohammed Ridha Nassir Baghban. Das britische Verteidigungsministerium wies die Anschuldigungen zurück. Die britischen Soldaten hätten mit ihren Schüssen einen Angriff in der Nähe des Konsulats erwidert.

Auch der EU-Außenbeauftragte Javier Solana rief Iran zur Freilassung der gefangenen Briten auf. Der Fall könnte die Beziehungen der Europäischen Union zu Teheran nachhaltig belasten, erklärte er in Brüssel. Solana bemüht sich immer noch um eine Beilegung des Atomstreits mit Iran.

asc/dpa/AP

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