Gefangenen-Krise Nervenprobe am iranischen Konsulat in Basra

Die Geisel-Krise eskaliert: Irans Konsul im irakischen Basra behauptet, britische Soldaten hätten seine Residenz umstellt, es seien Schüsse gefallen. London dementiert aufs Heftigste. Jetzt zieht Teheran die angekündigte Freilassung der britischen Marinesoldatin zurück.


Teheran/London - Noch ist unklar, was genau in Basra passiert ist: Britische Truppen haben laut einem Bericht des arabischen Fernsehsenders al-Arabija das iranische Konsulat in der südirakischen Hafenstadt umstellt. Der iranische Konsul in der Stadt beschuldigt die Briten, Soldaten um das Gebäude zusammengezogen zu haben. Mohammed Ridha Nasir Bagban sagte, die Truppen seien um zehn Uhr morgens aufmarschiert. 20 Minuten später hätten sie begonnen, in verschiedene Richtungen zu schießen.

Die britische Regierung dementierte umgehend. Großbritannien suche auf gar keinen Fall die Konfrontation mit Iran. "Wir wollen so schnell wie möglich eine Lösung. Wir wollen keine Konfrontation", sagte ein Regierungssprecher in London.

Auch eine britische Militärsprecherin wies Berichte zurück, britische Truppen hätten das iranische Konsulat in Basra umstellt. "Das Gebäude wurde nicht umstellt", sagte die Sprecherin des britischen Militärkontingents vor Ort.

Es habe Patrouillen in der Umgebung des Konsulats gegeben, weil britische Soldaten zuvor von Unbekannten beschossen worden seien. Dies habe aber in keinem Zusammenhang mit dem iranischen Konsulat gestanden, fügte die Sprecherin hinzu.

Am frühen Nachmittag erklärte der iranische Chefunterhändler Ali Laridschani, die geplante Freilassung der einzigen Frau unter den Gefangenen werde jetzt verschoben. "Wir hatten beschlossen, die Frau freizulassen, aber angesichts des politischen Tamtams, das London veranstaltet, ist dieser Beschluss vorläufig auf Eis gelegt." Die Frau wird seit Freitag zusammen mit 14 anderen Seeleuten in Iran festgehalten. Noch gestern hatte es geheißen, die Soldatin solle "in ein oder zwei Tagen" freigelassen werden.

Zuvor hatte sich Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon in den Fall eingeschaltet. Er sprach mit Irans Außenminister Manutschehr Mottaki am Rande des Gipfels der Arabischen Liga. Er habe "grundsätzlich" über die Krisen zwischen Teheran und der internationalen Gemeinschaft gesprochen. Dabei habe der Generalsekretär den Fall der festgehaltenen Seeleute angesprochen. Genauere Angaben machte der Uno-Vertreter nicht.

Das iranische Atomprogramm und die Festnahme der 15 Briten belasten das Verhältnis Irans zur internationalen Gemeinschaft. Nach Darstellung Londons befanden sich die Seeleute zum Zeitpunkt der Festnahme fast 1,7 Seemeilen (3,15 Kilometer) außerhalb des iranischen Hoheitsgebiets. Teheran behauptet, sie seien in iranische Hoheitsgewässer eingedrungen. Die Festgenommenen gehören zur multinationalen Truppe im Irak und patrouillierten auf der Wasserstraße Schatt al-Arab, die den Irak von Iran trennt.

ler/Reuter/AFP/dpa

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