Gefangenenaustausch in Nahost Gerüchte über Uhrlau-Vermittlung

Israel scheint nun doch bereit, libanesische Gefangene gegen seine zwei von der Hisbollah entführten Soldaten auszutauschen. Eine libanesische Zeitung berichtet, eine deutsche Delegation solle unter Führung von BND-Chef Ernst Uhrlau nach Beirut reisen und vermitteln.

Beirut – Uhrlau werde bereits am Samstag im Libanon erwartet, meldet die libanesische Zeitung "al-Safir". Er solle die deutsche Vermittlerdelegation anführen und Sondierungsgespräche über einen Gefangenenaustausch zwischen dem Libanon und Israel aufnehmen. Bislang gibt es von deutscher Seite keine Bestätigung für die Nachricht.

Für die Darstellung von "al-Safir" spricht, dass Israel nach Informationen aus Regierungskreisen nun doch bereit ist, libanesische Gefangene freizulassen, um die Mitte Juli verschleppten Soldaten zurück nach Hause zu holen. Ihre Entführung durch die radikal-islamische Hisbollah-Miliz war Auslöser des Krieges im Nahen Osten.

Voraussetzung für einen Austausch sei allerdings, dass die Verhandlungen direkt über die libanesische Regierung laufen. Direkte Gespräche mit der Hisbollah schließe die israelische Regierung aus, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters einen hochrangigen Politiker.

Die deutsche Delegation soll sich "al-Safir" zufolge in Beirut unter anderem mit dem Generaldirektor des Sicherheitsdienstes, General Wafik Dschissini, treffen. Die libanesische Regierung habe erklärt, es sei ihr egal, wer die Verhandlungen übernimmt. Voraussetzung sei nur, dass der Vermittler vorab von Israel "grünes Licht" einhole.

Israelische Medien hatten berichtet, Außenministerin Zipi Livni habe bei ihrem Besuch in Berlin am vergangenen Montag auch Bundesnachrichtendienst-Chef Uhrlau getroffen. Der BND hatte dies weder dementiert noch kommentiert. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hat bereits erklärt, es gebe keine deutschen Aktivitäten für einen Gefangenenaustausch. Libanons Ministerpräsident Fuad Siniora sagte auf der Geberkonferenz in Stockholm, sein Parlament erwäge einen Gefangenenaustausch. Aber es gebe noch keine genauen Pläne.

Die meisten Mitglieder der Delegation hätten bereits geholfen, den letzten Gefangenenaustausch zwischen Israel und der pro-iranischen Hisbollah im Jahr 2004 zu organisieren, schreibt die libanesische Zeitung. Auch frühere Verhandlungen sind unter größter Geheimhaltung abgelaufen.

agö/dpa/AP/Reuters

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