Gefangenenlager Cheney verteidigt Guantánamo

Trotz der Berichte über Misshandlungen hat US-Vizepräsident Dick Cheney das Gefangenenlager Guantánamo auf Kuba verteidigt. Die Insassen würden dort von den USA besser behandelt als "von praktisch jeder anderen Regierung auf der Welt".


Washington - Einen Imageschaden für die USA befürchte er nicht, sagte Cheney im Presseclub in Washington. Wer das Lager Camp X-Ray auf Kuba schließen wolle, sei wahrscheinlich ohnehin gegen die US-Politik.

"Ich glaube, die Leute dort sind weit besser behandelt worden, als sie es von praktisch jeder anderen Regierung auf der Welt erwarten könnten", sagte Cheney. "Wir brauchen eine Einrichtung, wo wir feindliche Kämpfer festhalten können, die, wenn sie freigelassen würden, alles tun würden, um wieder in den Kampf zu ziehen, um ihre Mission, Amerikaner umzubringen, zu vollenden."

Von den noch rund 540 Gefangenen in Guantánamo auf Kuba seien 520 als feindliche Kämpfer einzustufen, berichtete Cheney. Die anderen würden demnächst in ihre Heimatländer abgeschoben. Von den 200 Gefangenen, die bereits freigelassen wurden, seien mindestens zehn bereits wieder bei Terroreinsätzen gefasst worden, sagte der Stellvertreter von Präsident George W. Bush. Einer sei etwa ein Jahr nach seiner Freilassung im September vergangenen Jahres in Afghanistan festgenommen worden, wo er ein Regionalkommando der gestürzten Taliban geleitet habe.

Das Magazin "Time" hatte ein Vernehmungsprotokoll aus Guantánamo veröffentlicht. Der betroffene Gefangene sei demnach unter anderem gezwungen worden, sich nackt auszuziehen oder Fotos von leicht bekleideten Frauen um den Hals zu tragen. Die Verhöre dauerten mehrere Stunden, ohne dass der Mann zur Toilette durfte. Der Mann steht im Verdacht, als 20. Entführer für die Terroranschläge vom 11. September 2001 vorgesehen gewesen zu sein. Ihm war die Einreise in die USA verweigert worden.

Auch Bushs Sprecher Scott McClellan verteidigte Guantánamo. "Wir sind ein Land im Krieg", sagte McClellan. "Diese Leute sind gefährliche Terroristen." Misshandlungen seien absolute Einzelfälle.



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