Gefangenenlager Guantanamo EU fordert erneut die Schließung

Die Europäische Union hat an die Vereinigten Staaten appelliert, das Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba so schnell wie möglich aufzulösen. Jüngsten Informationen zufolge sei ein Teil der Häftlinge noch keine 18 Jahre alt gewesen.


Hamburg - Im Sinne der Uno-Konvention waren sie demnach noch Kinder. "Für ein Land wie die USA, das sich zu Freiheit, Rechtstaatlichkeit und ordnungsgemäße Gerichtsverfahren bekennt, ist Guantanamo eine Anomalie", sagte die österreichische Außenministerin Ursula Plassnik, deren Land derzeit die EU-Präsidentschaft innehat, vor dem Europaparlament in Brüssel.

Gefangener in Guantanamo: Menschenrechte müssten eingehalten werden
AP

Gefangener in Guantanamo: Menschenrechte müssten eingehalten werden

Auch beim Kampf gegen den Terrorismus müssten weltweit die Menschenrechte eingehalten werden, sagte Plassnik weiter. Die dortige Inhaftierung der Terrorverdächtigen geschehe in einem rechtsfreien Raum. Die US-Regierung solle deshalb Maßnahmen ergreifen, um dieses Lager so schnell wie möglich zu schließen.

Das US-Nachrichtenmagazin "Times" hatte am Sonntag berichtet, dass in Guantanamo möglicherweise Kinder festgehalten werden. Ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums hatte dagegen erklärt, keiner der Gefangenen sei unter 18. Derzeit sitzen rund 460 Menschen in dem Lager ein, nur zehn von ihnen wurden bislang formell angeklagt.

Die Kritik der Europäer dürfte auch beim bevorstehenden Besuch von US-Präsident George W. Bush in Wien zur Sprache kommen. Er nimmt dort am 21. Juni am Gipfel der EU und der USA teil.

bri/AFP/AP



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