Gefangenenlager in Nordsyrien Deutsche IS-Anhänger entkommen

Durch die türkische Militärinvasion konnten IS-Anhänger aus kurdischen Gefangenenlagern ausbrechen. Darunter befinden sich nach SPIEGEL-Informationen auch Deutsche, wie das Auswärtige Amt nun bestätigt.

IS-Gefangene in einem kurdischen Gefängnis in Nordsyrien (Archiv)
Hussein Malla/ AP

IS-Gefangene in einem kurdischen Gefängnis in Nordsyrien (Archiv)


In Syrien sind auch deutsche Anhänger des "Islamischen Staats" (IS) aus der Haft freigekommen. Das bestätigt das Auswärtige Amt auf eine schriftliche Frage des FDP-Bundestagsabgeordneten Benjamin Strasser. "Die der Bundesregierung vorliegenden Informationen legen nahe", heißt es darin, "dass sich unter den aus kurdischen Gefangenenlagern in Nordsyrien entkommenen IS-Anhängerinnen und -Anhängern auch deutsche Staatsangehörige befinden." Zahlen nannte die Regierung keine.

Nach SPIEGEL-Informationen sollen seit Beginn der Militärinvasion der Türkei bereits mindestens vier Frauen aus Deutschland aus einem Internierungslager in Nordsyrien entkommen sein. Ob auch männlichen IS-Kämpfern aus Deutschland die Flucht gelang, ist nicht bekannt. Nach einer internen Auflistung der Bundesregierung waren in Syrien zuletzt 84 Anhängerinnen und Anhänger der Terrormiliz mit deutschem Pass inhaftiert.

"Wir müssen von einem kaum kalkulierbaren Sicherheitsrisiko ausgehen, wenn deutsche IS-Kämpfer aus syrischen Gefangenlagern geflohen sind", sagt der FDP-Innenexperte Strasser.

Er wirft der Bundesregierung Versagen vor: "Dieses Problem würde nicht bestehen, wenn man den Umgang mit den in Syrien internierten Deutschen nicht auf die lange Bank geschoben und sich um eine Entscheidung gedrückt hätte." Wer von anderen Staaten verlange, ihre kriminellen Landsleute zurückzunehmen, könne sich nicht verweigern, deutsche IS-Kämpfer zurückzuholen und sie hier vor Gericht zu stellen, so Strasser.

Die USA und die Kurden in Nordsyrien hatten Deutschland seit fast zwei Jahren mehrfach zu einer solchen Rücknahme gedrängt - vergeblich. "Die Bundesregierung hat das Problem verschleppt", kritisiert auch der Terrorismusexperte Guido Steinberg von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP).

Verfassungsschutzchef Thomas Haldenwang warnte im aktuellen SPIEGEL vor einer möglichen Rückkehr entkommener IS-Kämpfer nach Europa, "im schlimmsten Fall unbemerkt", so Haldenwang: "Hier müssen die Sicherheitsbehörden wachsam sein."

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