Gefangenenlager US-Generalstabschef fordert Ende von Guantanamo

Das US-Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba schadet nach Ansicht des Generalstabschefs Michael Mullen dem Ansehen der USA. Bei einer Ortsbegehung forderte Amerikas ranghöchster Soldat, das Lager zu schließen. Menschenrechtler setzen sich dafür seit Jahren ein.


Guantanamo Bay - Die Worte des US-Generalstabschefs Michael Mullen waren deutlich: Guantanamo schade dem Ansehen der USA in der Welt, und deshalb sei es besser, es zu schließen, sagte der Marine-Admiral gestern nach einem Rundgang auf dem Gelände des umstrittenen Lagers. Dabei inspizierte er mehrere Zellenblocks sowie das im Bau befindliche Hochsicherheitsgebäude, in dem künftig Militärtribunale gegen die in Guantanamo inhaftierten "Terrorverdächtigen" stattfinden sollen.

Gefangener in Guantanamo: Schaden für das Ansehen der USA?
AP

Gefangener in Guantanamo: Schaden für das Ansehen der USA?

"Die Welt schaut auf Guantanamo, deshalb müssen wir es richtig hinbekommen, jeden Tag, jede Stunde, jede Minute", sagte Mullen. Wenn nicht, habe das "globale Folgen".

Zum sechsten Jahrestag der Eröffnung von Guantanamo hatte es am Freitag auf Initiative von Menschenrechtsorganisationen weltweite Proteste gegeben. Seit dem 11. Januar 2002 waren etwa 800 Männer und Jugendliche in dem Lager inhaftiert. Die USA halten die Insassen ohne richterlichen Beschluss fest und ohne sie als Kriegsgefangene anzuerkennen. Bisher hat noch kein Prozess stattgefunden. Meist haben die Häftlinge nicht einmal Kontakt zu Anwälten.

Laut Angaben aus dem Pentagon werden in Guantanamo derzeit noch rund 275 Menschen aus mehr als 20 Ländern festgehalten, vor allem aus dem Jemen, Afghanistan und Algerien. Das Lager war nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA im Zuge des "Anti-Terror-Kriegs" eingerichtet worden.

Die von der US-Regierung immer wieder angekündigte Schließung des Lagers lässt weiter auf sich warten. Auch Mullen sagte auf Fragen von Journalisten, er wisse nicht, wann Guantanamo geschlossen werde. Die Entscheidung liege bei der "politischen Führung".

ffr/AFP



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