Gefangenschaft im Iran Britische Soldaten berichten von Zwang zu falschen Geständnissen

Von Isolationshaft, steinigen Zellen und massivem psychologischen Druck berichten die 15 aus dem Iran heimgekehrten britischen Marine-Soldaten – und von erzwungenen Geständnissen. Die im Fernsehen ausgestrahlten Aussagen, sie seien in iranisches Hoheitsgebiet eingedrungen, seien falsch gewesen.


Chivenor/London - "Wir wurden fast jede Nacht verhört und uns wurden zwei Möglichkeiten gegeben: Wir könnten bald wieder in einem Flugzeug nach Großbritannien sitzen, wenn wir zugäben, dass wir vom Weg abgekommen seien. Wenn wir das nicht täten, würde uns sieben Jahre Haft drohen", erklärten die Soldaten heute auf einer Pressekonferenz. Am Mittwoch waren sie nach zwei Wochen überraschend frei gekommen und gestern sie zu ihren Familien zurückgekehrt. Die 14 Männer und eine Frau waren bei einem Schiffseinsatz in iranisch-irakischen Grenzgewässern festgenommen worden. Die Regierung in Teheran wirft ihnen vor, in iranisches Hoheitsgebiet eingedrungen zu sein, was Großbritannien bestreitet. Das iranische Fernsehen hatte Entschuldigungen der Briten für einen illegalen Grenzübertritt ausgestrahlt, Großbritannien sprach von unlauterer Propaganda.

"Lassen Sie mich das klarstellen - egal, was wir in der Vergangenheit sagten: Als wir von der iranischen Revolutionsgarde festgenommen wurden, waren wir in international anerkannten irakischen Gewässern", erklärte der Soldat Felix Carman, der gemeinsam mit seinem Kollegen Chris Air die Erklärung der Gruppe vortrug.

Sei seien in steinigen Zellen festgehalten und zunächst alle voneinander isoliert worden, erklärte Carman. Vor allem die einzige Frau in der Gruppe, Faye Turney, wurde den Berichten zufolge unter Druck gesetzt. Die Iraner erzählten der 26 Jahre alten Mutter demnach, dass die anderen Soldaten schon nach Hause gefahren seien. "Sie hatte etwa vier Tage lang den Eindruck, sie sei dort ganz allein", hieß es in der Erklärung. Von Turney wurden Briefe bekannt, in denen sie die Gastfreundschaft der Iraner lobte und ein Fehlverhalten der britischen Soldaten einräumte.

Bei der Gefangennahme habe man sich bewusst gegen eine Gegenwehr entschieden, erklärten die Soldaten außerdem. Die Iraner seien aggressiv vorgegangen, sagte Air. "Sie rammten unsere Boote und richteten ihre schweren Maschinengewehre, ihre Geschosse und Waffen auf uns.

Weitere sechs Boote umzingelten uns. Wir merkten, dass unsere Versuche, mit diesen Leuten zu argumentieren, keine Chance hatten." Widerstand hätte zum Kampf geführt, "den wir nicht hätten gewinnen können", sagte der Soldat. Premierminister Tony Blair hat betont, die Briten hätten in Selbstverteidigung schießen dürfen.

Für Wirbel sorgten in Großbritannien Aussagen Airs, wonach die Patrouillenfahrten der Briten die Aufklärung iranischer Aktivitäten einschlossen. Diese Äußerung stammte aus einem Interview, das der Soldat bereits vor drei Wochen dem Fernsehsender Sky gegeben hatte.

Die britische Regierung erklärte dagegen, die Seepatrouille vom 23. März habe keinen Aufklärungsauftrag gehabt, sondern habe lediglich Handelsschiffe kontrollieren sollen. Die Marine würdigte den Mut der Soldaten. Das Londoner Verteidigungsministerium hat bereits versichert, sie würden nicht bestraft. Dennoch werde die genaue Aufgabe, die Position und die Taktik der Einheit überprüft. Bis auf weiteres würden die Kontrollfahrten im Persischen Golf eingestellt, sagte der Chef der Royal Navy, Admiral Jonathon Band.

Blair versicherte, die Regierung in Teheran habe keine Gegenleistung für die Freilassung erhalten. Die EU begrüßte die Freilassung und äußerte die Hoffnung auf eine Verhandlungslösung auch im Atomstreit mit Teheran.

ase/AP/dpa

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