Gefechte in Libyen Alliierte weiten Kampfzone aus

AP

3. Teil: Neue Sanktionen, steigende Ölpreise


+++ Sarkozy-Berater hält längeren Libyen-Einsatz für möglich +++

[14.12 Uhr] Möglicherweise geht es doch nicht so schnell wie zunächst geplant: Der Militäreinsatz in Libyen könnte nach Einschätzung eines hochrangigen Beraters des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy "noch eine Weile" andauern. Dem französischen Sender BFM TV erklärte Henri Guaino, das vom Uno-Sicherheitsrat autorisierte Mandat zum Schutz libyscher Zivilisten sei noch nicht "vollkommen erreicht". Gleichzeitig betonte er, dass es fast keine Angriffe von Gaddafis Truppen mehr auf Zivilisten gebe.

+++ Vier US-Journalisten wieder frei +++

[13.55 Uhr] Vier in Libyen festgehaltene Journalisten der "New York Times" sind wieder frei. Dies bestätigte ein Sprecher der türkischen Botschaft in Washington. Er erklärte, die vier seien dem türkischen Botschafter in Tripolis übergeben worden. Sie sollten noch im Lauf des Tages nach Tunesien ausreisen. Libysche Sicherheitskräfte hatten die Reporter Anthony Shadid und Stephen Farrell sowie die Pressefotografen Tyler Hicks und Lynsey Addario in den vergangenen Wochen bei Kämpfen im Osten des Landes festgenommen.

+++ Kabinett will diese Woche Awacs-Mandat beschließen +++

[13.44 Uhr] Die Bundesregierung will am Mittwoch ein neues Mandat für einen Einsatz von Awacs-Aufklärungsflugzeugen über Afghanistan beschließen. Das kündigte Bundeskanzlerin Merkel in Berlin an. Dieser Beschluss werde unabhängig davon gefasst, ob sich bis dahin die Nato zu einer Beteiligung an den Angriffen auf Libyen entschließt.

+++ Ölpreise steigen wegen Libyen-Krise an +++

[13.31 Uhr] Die Ölpreise sind wegen der Militäraktion des Westens in Libyen gestiegen. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Auslieferung im Mai stieg im Mittagshandel um 1,97 Dollar auf 115,90 Dollar. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur April-Auslieferung kletterte um 1,90 Dollar auf 102,97 Dollar. Insbesondere in Libyen bleibe die Lage nach den Bombenangriffen auf die Stellungen Gaddafis angespannt, heißt es in einer Analyse der Commerzbank. Die Ölfelder seien zwar offensichtlich unbeschadet geblieben. Die baldige Rückkehr Libyens an den Ölmarkt sei jedoch unwahrscheinlich.

+++ EU verhängt neue Sanktionen gegen Gaddafi-Regime +++

[13.17 Uhr] Die Europäische Union hat weitere Sanktionen gegen Libyen verhängt. Die Außenminister der 27 EU-Länder haben in Brüssel offiziell beschlossen, das Vermögen von elf Vertretern der libyschen Führung sowie neun Wirtschaftseinheiten wie Banken und Unternehmen in der EU einzufrieren, wie ein EU-Diplomat mitteilte. Den Vertretern aus dem Umkreis von Machthaber Muammar al-Gaddafi wird zudem die Einreise verweigert.

+++ Rebellensprecher lehnt Einsatz von Bodentruppen ab +++

[13.06 Uhr] Ein Sprecher der Rebellen in Bengasi begrüßt die Luftangriffe der Alliierten, lehnt aber den Einsatz ausländischer Bodentruppen in Libyen ab. Das Ziel der Aufständischen sei nach wie vor, die Hauptstadt Tripolis einzunehmen.

+++ Putin: Uno-Resolution erinnert an "Aufruf zum Kreuzzug" +++

[12.51 Uhr] Die Vetomacht Russland hat sich im Weltsicherheitsrat bei der Abstimmung zur Uno-Resolution enthalten - und nicht mit Nein gestimmt. Doch seit Beginn der Luftangriffe kommt immer wieder heftige Kritik. Nun sagt Premier Wladimir Putin, die Resolution erinnere ihn an einen "Aufruf zum Kreuzzug aus dem Mittelalter". Die Angriffe seien nun ein Anlass für Russland, die eigenen Verteidigungskapazitäten zu erhöhen, fügte er hinzu.

+++ Luxemburg will nur unter der Nato mitmachen +++

[12.08 Uhr] Luxemburgs Außenminister Asselborn fordert eine schnelle Klärung der Aufgabenteilung zwischen der Nato und der Koalition um Frankreich, Großbritannien und den USA. Sein Land könne sich nur im Rahmen der Nato an der Operation gegen Libyen beteiligen. Die dänische Außenministerin Lene Espersen äußerte sich ähnlich. Die Nato-Botschafter wollen im Lauf des Tages erneut über die Rolle des Militärbündnisses beraten.

+++ Bündnis streitet über die Chef-Frage +++

[11.52 Uhr] Nur zwei Tage nach dem Start der Angriffe gegen Libyen droht der Streit über das Kommando die Intervention zu gefährden. Frankreich will die Führung der Operationen an sich reißen, doch die Rufe nach einer Übernahme durch die Nato werden immer lauter. "Wir müssen von einer Koalition der Willigen zu einem koordinierteren Ansatz unter der Nato kommen", sagte der italienische Außenminister Frattini in Brüssel. Doch die Türkei blockiert aus Zorn über Paris bislang, dass das Bündnis die Steuerung übernimmt. Die USA, die seit Samstag die meisten Angriffe geflogen sind, wollen ihre Führungsrolle so schnell wie möglich loswerden.

+++ Demonstranten bedrängen Uno-Generalsekretär +++

[11.39 Uhr] In Kairo ist dem Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ban Ki Moon, offener Protest entgegengeschlagen. Demonstranten stellten sich ihm mit Bildern des libyschen Machthabers Gaddafi und US-kritischen Spruchbändern in den Weg, als er gerade von einem Treffen der Arabischen Liga kam. Er kehrte sofort in das Haus zurück und verließ es durch einen Hinterausgang. Später wurde sein Konvoi von Ägyptern und Libyern mit Steinen beworfen.

+++ Kauder missbilligt Vorgehen gegen Libyen +++

[11.32 Uhr] Unionsfraktionschef Volker Kauder hat das militärische Vorgehen der internationalen Koalition gegen Libyen kritisiert. Die Aktion sei "nicht richtig durchdacht", sagte Kauder. In Libyen handele es sich um einen "typischen Bürgerkrieg", bei dem es auch zu einer Teilung des Landes kommen könne. Dann sei Gaddafi aber immer noch da.

+++ Türkei unzufrieden mit Militärangriffen auf Libyen +++

[11.13 Uhr] Die Türkei hat den Ablauf der Militärangriffe auf Libyen kritisiert. Ankara habe Schwierigkeiten, die Rolle Frankreichs zu verstehen, sagte der türkische Verteidigungsminister Vecdi Gönül in Ankara. Frankreich trete auf, als habe es die Führung bei der Durchsetzung der Uno-Resolution 1973, zitierte die Nachrichtenagentur Anadolu den Minister. Die türkische Regierung hat bisher keine eindeutige Linie im Umgang mit der libyschen Führung erkennen lassen, aber mehrfach eine Waffenruhe gefordert. Ankara ist unzufrieden mit dem Vorpreschen Frankreichs, aber auch gegen eine Beteiligung der Nato an den Angriffen.

+++ Hague nennt Gaddafi mögliches Angriffsziel +++

[11.04 Uhr] Der britische Außenminister William Hague hat einen direkten Angriff auf Muammar al-Gaddafi nicht ausgeschlossen. "Ich werde nicht über die Ziele spekulieren ... Das hängt von den Umständen zu bestimmten Zeitpunkten ab", sagte Hague dem Sender BBC. Er werde keine Details bekanntgeben, wer oder was Ziel der Angriffe sei. Der britische Verteidigungsminister Liam Fox sagte, ein Angriff auf Gaddafi sei "eventuell eine Möglichkeit". Es hänge davon ab, ob Zivilisten dabei außer Gefahr bleiben könnten, sagte Fox der BBC.

+++ Lage in Misurata verschärft sich +++

[10.48 Uhr] Den libyschen Rebellen zufolge wird die Lage in der Stadt Misurata immer dramatischer. Angeblich bringen Gaddafis Soldaten Zivilisten aus den Ortschaften in der Umgebung in die Stadt, um sie als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen. Laut einem Sprecher der Aufständischen haben sich die Soldaten zivil gekleidet und sind so ins Zentrum der Stadt gelangt . Bewohnern zufolge ist die Stadt von Gaddafis Soldaten umzingelt.

+++ Arabische Liga dementiert Konflikt mit Uno +++

[10.41 Uhr] Der Chef der Arabischen Liga, Amr Mussa, sagt, es gebe wegen der Libyen-Resolution keinen Konflikt. Sein Staatenbund respektiere den Beschluss des Sicherheitsrats. Die Resolution diene dem Schutz von Zivilisten. "Und darum geht es uns", sagt er auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon in Kairo.

+++ Angeblich neue Angriffe in Sintan +++

[10.35 Uhr] Die Gaddafi-Truppen sollen Stellungen der Rebellen in der Stadt Sintan angegriffen haben. Das meldet al-Arabija unter Berufung auf Augenzeugen in der Ortschaft. Dort hatten sich in den vergangenen Wochen bereits mehrfach blutige Kämpfe abgespielt.

insgesamt 252 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Mitten in Bayern, 21.03.2011
1. Scheiß drauf- hört auf...
Es zeigt sich, dass das schon wieder eine halbgare Geschichte ist. 1. Die arabische Liga war wohl der Meinung, es würde nur mit Wattebällchen geworfen. Jetzt ist der Westen plötzlich wieder der Böse... 2. Freund und Feind ist nicht ohne weiteres auszumache 3. Einen Bodeneinsatz will keiner, von der Luft ist das nicht zu regeln. Fazit: Hört auf mit dem Scheiß, was kümmert uns das Ganze eigentlich? Müssen wir uns darum kümmern, wie lange sich ein Volk von einem Herrscher drangsalieren lässt? Sollen sich doch die Araber drum kümmern! Deutschland hat recht, wenn man erkennt, dass diese Aktion nicht erfolgreich sein kann! Dass man Beifall vom Despoten bekommt, macht die Sache nicht falsch
aronsperber 21.03.2011
2. Gaddafi-Terror im Mittelmeerraum
Gaddafi droht mit Angriffen auf zivile Ziele im Mittelmeerraum. Wie die Vergangenheit gezeigt hat, sind diese Drohungen ernst zu nehmen: http://aron2201sperber.wordpress.com/2011/03/20/terror-im-mittelmeerraum/ Am Abend des 27. Juni 1980 stürzte Itavia-Flug 870, eine Douglas DC-9, nördlich der italienischen Insel Ustica auf dem Wege von Bologna nach Palermo aus zunächst ungeklärter Ursache ins tyrrhenische Meer. Alle 81 Insassen starben bei diesem Flugzeugunglück, das als "Strage di Ustica" (das Ustica-Blutbad) in Italien bekannt wurde.
fabfiddle 21.03.2011
3. Das...
Zitat von sysopDiktator Gaddafi ist gewillt, sein Volk als Waffe einzusetzen: Nun will er Tausende seiner Anhänger in die Rebellenhochburg Bengasi marschieren lassen. Gleichzeitig steigt die Zahl der Flüchtlinge, inzwischen auch an der*italienische Küste. Verfolgen Sie die Ereignisse im Liveticker. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,752144,00.html
...passt ja mal wieder: in einer Minute wird gemeldet, es würde eine Waffenruhe eingehalten, dann kommt das mit der Million bewaffneter Bürger, dann wieder die Waffenruhe, dann wieder der Marsch auf Bengasi... wie lange erlaubt man diesem kranken Hirn noch, die Welt zum Narren zu halten? Vor über 70 Jahren hat die Welt so einer Verarsche schon einmal zugeschaut und einem "lieben Führer" alles geglaubt... und dafür dann blutig bezahlt.
TheBear, 21.03.2011
4. Einfache Lösung
Zitat von sysopDiktator Gaddafi ist gewillt, sein Volk als Waffe einzusetzen: Nun will er Tausende seiner Anhänger in die Rebellenhochburg Bengasi marschieren lassen. Gleichzeitig steigt die Zahl der Flüchtlinge, inzwischen auch an der*italienische Küste. Verfolgen Sie die Ereignisse im Liveticker. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,752144,00.html
Also, wenn man Gaddafi so reden hört, nämlich, dass sein Volk ihn liebt und alle sogar für ihn zu sterben bereit sind, sollte es doch eine ganz einfache Lösung geben: Wahlen organisieren, mit einem ganz einfachen Wahlzettel O ja, ich will Gaddafi als meinen Führer O nein, Gaddafi soll zurücktreten Würde ne' Menge Geld, und viel dummes Gerede auf der ganzen Welt sparen. Komisch, dass noch niemand auf die Idee gekommen ist, grübel, grübel ...
flohuby 21.03.2011
5. Wie viele Diktatoren in der Geschichte...
...verheizt Gaddafi jetzt sein eigenes Volk, hetzt die Menschen aufeinander. Das ist etwas, womit die internationale gemeinschaft sich auseinandersetzen muss. Entweder nehmen sie zivile Opfer in Kauf und halten ihre Waffen drauf oder sie müssen eine andere Vorgehensweise finden, um Gaddafis Treiben Einhalt zu gebieten. Ich vermute, dass in jedem Fall das libysche Volk fürchterlich bluten muss. Ich hoffe nur, dass Gaddafi eine entsprechende Wertschätzung bekommen wird.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.